Android-Malware, NFC-Betrug

Android-Malware: NFC-Betrug nimmt um 188 Prozent zu

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 10:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Cyberkriminelle nutzen Android-Malware, um Bankkonten zu plündern. Die Zahl der NFC-Angriffe stieg um 188 Prozent, während Behörden internationale Täterringe zerschlagen.

Android-Banking-Trojaner: NFC-Relay-Angriffe nehmen massiv zu
Ein modernes Android-Smartphone in der Hand eines Nutzers vor einem unscharfen nächtlichen Stadthintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Kriminelle setzen verstärkt auf eine hochkomplexe Kombination der Malware-Stämme WindRelay und SpyNote, um Android-Smartphones für den systematischen Bankbetrug zu instrumentalisieren. Dabei werden die Geräte der Opfer in mobile NFC-Lesegeräte umfunktioniert, was den Tätern ermöglicht, Kreditkartendaten in Echtzeit abzugreifen und weitreichende Kontrolle über Bankkonten zu erlangen.

Technischer Ablauf des NFC-Relay-Betrugs

Die neu entdeckte Malware WindRelay nutzt eine Technik, die als NFC-Relay bezeichnet wird. Hierbei wird das infizierte Smartphone des Opfers als Brücke zwischen einer physischen Kreditkarte und einem Empfangsgerät der Angreifer genutzt. Technisch basiert dieser Prozess auf einem sogenannten WebSocket-C2-Server und einem EMV-APDU-Relay. Erste Fälle dieser Angriffswelle wurden in Tschechien, der Slowakei und Slowenien beobachtet.

Die Betrüger verfolgen dabei eine Strategie der doppelten Monetarisierung: Einerseits werden Kreditkartendaten für unmittelbare Zahlungen abgegriffen, andererseits nutzen die Hintermänner den Fernzugriff, um im Namen der Geschädigten Online-Kredite zu beantragen. Die Kombination mit dem Fernzugriffs-Trojaner SpyNote ermöglicht es den Kriminellen zudem, Telefonanrufe zu manipulieren und die vollständige Kontrolle über Banking-Apps zu übernehmen.

Massiver Anstieg von Angriffen auf NFC-Schnittstellen

Der Missbrauch der NFC-Technik stellt einen wachsenden Trend in der Cyberkriminalität dar. Laut Daten von Kaspersky ist die Zahl der NFC-basierten Attacken auf Android-Systeme Anfang 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 188 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im „2026 Banking Heist Report“ des Sicherheitsunternehmens Zimperium wider.

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Demnach wurden im vergangenen Jahr 34 aktive Malware-Familien identifiziert, die insgesamt 1.243 Finanzinstitute in 90 Ländern angriffen. Die Anzahl der durch Android-Malware initiierten Transaktionen verzeichnete dabei ein Wachstum von 67 Prozent im Jahresvergleich.

Besonders betroffen sind dem Bericht zufolge Finanz-Apps in den USA, wo die Zahl der angegriffenen Anwendungen von 109 im Jahr 2023 auf 162 anstieg. Malware-Familien wie TsarBot, CopyBara und Hook sind laut den Sicherheitsanalysten für über 60 Prozent der Angriffe auf globale Banking-Apps verantwortlich. Fast die Hälfte dieser Malware-Stämme verfügt mittlerweile zudem über Ransomware-Fähigkeiten.

Ermittlungserfolge und rechtliche Einordnung

Dass derartige Cyberangriffe existenzbedrohende Ausmaße annehmen können, verdeutlicht die Operation „Klonen“. Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main zerschlugen in Zusammenarbeit mit brasilianischen Behörden einen internationalen Ring, der für einen Schaden von rund 30 Millionen Euro bei einem deutschen Finanzinstitut verantwortlich gemacht wird.

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Ein fehlerhaftes Software-Update bei einem Zahlungsdienstleister hatte im November 2023 eine Schwachstelle geschaffen, die über vier Tage hinweg unbefugte Abbuchungen ermöglichte.

Am 13. August 2026 wurden im Zuge von 21 Durchsuchungen vier Verdächtige in Brasilien sowie drei weitere Personen in Spanien und Bulgarien festgenommen. Es wurden Vermögenswerte in Höhe von etwa R$106 Millionen (ca. 20,7 Millionen US-Dollar) beschlagnahmt.

Hinsichtlich der Haftung bei Betrugsfällen präzisierte das Landgericht Halle die Anforderungen an Bankkunden. In einem Urteil wurde einem Phishing-Opfer zwar ein Erstattungsanspruch über 49.855,25 Euro zugesprochen, nachdem durch die telefonische Weitergabe einer TAN insgesamt 59.855,25 Euro entwendet worden waren.

Aufgrund grober Fahrlässigkeit wurde der Ersatzanspruch jedoch auf das vertragliche Tageslimit von 10.000 Euro angerechnet, sodass das Opfer einen Teil des Schadens selbst tragen muss.

Reaktion der Technologieanbieter

Um der steigenden Gefahr durch betrügerische Apps und Fernzugriffe zu begegnen, entwickeln Anbieter neue Schutzmechanismen. Google weitet derzeit eine KI-gestützte „Scam Detection“ aus, die verdächtige Anrufmuster lokal auf dem Endgerät analysiert.

Auch WhatsApp testet eine Beta-Funktion, die Nutzer vor potenziellen Betrugsnachrichten unbekannter Absender warnt, ohne die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu beeinträchtigen. Das kommende Betriebssystem Android 17 soll zudem Sicherheitsfunktionen enthalten, die unter anderem die USSD-Anrufweiterleitung einschränken, um den Missbrauch durch Kriminelle zu erschweren.

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