Android/ RewaFake: GefÀlschte Apps auf 500.000 GerÀten in 190 LÀndern
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 09:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deSicherheitsforscher verzeichnen eine besorgniserregende Zunahme mobiler Banking-Trojaner, die versuchen, unbemerkt Finanzdaten von den Smartphones der Nutzer abzugreifen. Die Bedrohungslage spitzt sich dabei durch immer ausgefeiltere Angriffsmethoden zu, bei denen die SchĂ€dlinge schrittweise zu mĂ€chtigen Werkzeugen fĂŒr den Fernzugriff ausgebaut werden.
Laut dem aktuellen Malware-Trend-Report von Point Wild fĂŒr das dritte Quartal 2026, erstellt vom Lat61 Threat Intelligence Team, entfallen 56,4 Prozent der erkannten Android-Schadsoftware auf Banking-Trojaner. Viele dieser Programme entwickeln sich zunehmend zu Fernzugriffstools, die eine weitreichende GerĂ€tekontrolle ermöglichen.
Dr. Zulfikar Ramzan, Technik- und KI-Vorstand bei Point Wild, erklĂ€rte dazu, dass Banking-Trojaner Mobiltelefone inzwischen weitgehend steuern können und der Einsatz von generativer kĂŒnstlicher Intelligenz entlang der Malware-Lieferkette zunehme.
Unter anderem rekonstruiere Software wie RatHat Entsperrmuster mithilfe generativer KI. Zudem nutzen Kriminelle manipulierte Installationsdateien, TĂ€uschungen von Play Protect, Schwachstellen beim drahtlosen Debugging sowie Nahfeldkommunikations-Relay-Angriffe ĂŒber Schadprogramme wie SpyNote RAT und WindRelay.
Neue Kampagnen imitieren Original-Apps und hebelt Schutzmechanismen aus
Dass auch offizielle Download-Plattformen betroffen sind, zeigen jĂŒngste Funde. So verbreitete eine als PDF-Reader getarnte Anwendung des Entwicklers Duka Zuri mit dem Paketnamen com.railforge.footplate.documentreader_pdfviewer den Trojaner Anatsa.
Die Anwendung verzeichnete mehr als 10.000 Installationen im Google Play Store, wĂ€hrend die tatsĂ€chliche Zahl der Infektionen unbekannt bleibt. Das Programm lud Schadcode in Form von Updates nach, umging die ĂberprĂŒfung durch Play Protect, forderte weitreichende Bedienungshilfen-Berechtigungen an, fing SMS-Nachrichten ab und legte gefĂ€lschte Anmeldeseiten ĂŒber legitime Banking-Apps.
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Nach Analysen von Zscaler ThreatLabs hat Anatsa seine Zielbasis von 650 auf 831 Finanz- und Kryptodienste weltweit ausgebaut, darunter Ziele in Deutschland und SĂŒdkorea. Insgesamt wurden 77 Malware-Familien, darunter Anatsa, Joker und Harly, mit ĂŒber 19 Millionen Installationen in Google Play nachgewiesen.
Gleichzeitig entdecken Analysten hochspezialisierte neue Schadsoftware-Varianten. ThreatFabric meldete am 14. Oktober 2026 den Android-Trojaner Hirudo, der Original-Bankanwendungen durch signierte Klone ersetzt und interne SicherheitsprĂŒfungen der Banken aushebelt.
Hirudo ermittelt installierte Bankprogramme, blendet gefĂ€lschte Update-Hinweise ein, fĂŒhrt den Nutzer in den Deinstallationsdialog und installiert anschlieĂend manipulierte Klone mit identischem Paketnamen und gleicher Versionsnummer.
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Die Schadsoftware zielt primĂ€r auf acht Banking-Apps bei sieben Instituten in Indonesien ab, fĂŒhrt in ihrem Code jedoch auch Ziele in China, Indien, Mexiko, Marokko und Thailand sowie ein Register von 42 Finanz-Apps.
Die Verbreitung erfolgt ĂŒber vorgeschaltete Hilfsprogramme wie Shopora, 1V1 X, ZoyaTV oder KoiShort. Backend-Daten wiesen tausende erbeutete Zugangsdaten und GerĂ€teprofile inklusive monatlichem Einkommen und Risikobewertung auf.
Ausbau zu Fernzugriffswerkzeugen und Erpressungssoftware
Weitere Bedrohungen unterstreichen die technische Weiterentwicklung. Der neu entdeckte Trojaner YuanKong nutzt Bedienungshilfen, gefĂ€lschte Zahlungsmasken und lokale Debugging-Schnittstellen aus, um GerĂ€te vollstĂ€ndig zu ĂŒbernehmen und Zahlungs-PINs abzufangen, wĂ€hrend die AktivitĂ€ten hinter einem abgedunkelten Bildschirm verborgen bleiben.
Cyble warnt vor GhostBat, einem als Dienstleistung vertriebenen Schadprogramm auf Basis des GhostX-Frameworks, das mehr als 60 indische Finanz- und Bezahldienste ĂŒberwacht und ĂŒber transparente Ăberlagerungen Eingaben in Zahlungs-Apps mitschneidet.
Zudem registrieren Analysten neue Schadfunktionen bei bekannten Akteuren. Laut Zimperium zLabs wurde die mutmaĂlich auf dem geleakten Quellcode von ERMAC basierende Variante HOOK um Erpressungsfunktionen erweitert.
Bei einem entsprechenden Befehl startet die Schadsoftware eine Bildschirmsperre mit Warnmeldung, Wallet-Adresse und variabler Geldforderung. Zudem wurden die Fernsteuerungsbefehle von 69 auf 107 erweitert, um unter anderem Gesten aufzuzeichnen und Entsperrmuster abzugreifen.
Gleichzeitig deckte das McAfee Mobile Research Team die Kampagne Android/RewaFake auf, bei der mehr als 1.900 nachgeahmte Apps auf ĂŒber 500.000 GerĂ€ten in mehr als 190 LĂ€ndern entdeckt wurden â darunter 5.016 FĂ€lle in Deutschland. Google hat die betroffenen Anwendungen inzwischen entfernt.
Monitoringdaten des Anbieters Megafon belegen den allgemeinen AufwĂ€rtstrend: Dort kletterte die Zahl betroffener Smartphones zwischen Juni und August 2026 um 34 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum, mit einem Spitzenanstieg von 77 Prozent im August.
