Android-Standortverfolgung, EFF

Android-Standortverfolgung: EFF deckt Datenabgriff bei Milliarden Nutzern auf

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 05:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Android-Werbe-SDKs sammeln ohne gesonderte Zustimmung präzise Standortdaten. Diese fließen über Data Broker an Militär und Geheimdienste.

EFF-Bericht: Android-Werbe-SDKs leaken Standortdaten an Behörden
Ein modernes Smartphone auf einem Schreibtisch mit einer angedeuteten digitalen Netzwerkgrafik im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein aktueller Bericht der Electronic Frontier Foundation (EFF) legt offen, dass weitverbreitete Werbe-Software-Bausteine für das Android-Betriebssystem systematisch präzise Standortdaten von Nutzern sammeln. Betroffen sind namhafte Anbieter von Software Development Kits (SDKs) wie InMobi, BidMachine, Verve's HyBid sowie Huawei Petal Ads. Die Datenerhebung erfolgt laut den Untersuchungen standardmäßig, sobald eine Anwendung über die entsprechende Standortberechtigung verfügt.

Die Tragweite dieser Praxis ist erheblich, da Werbe-SDKs die Standortberechtigungen der Träger-App automatisch erben. Eine explizite Einwilligung der Nutzer für die Weitergabe dieser Daten an die Werbenetzwerke erfolgt in diesem Prozess nicht gesondert; die allgemeine App-Berechtigung werde fälschlicherweise als ausreichende Zustimmung gewertet. Nach Einschätzung von IT-Sicherheitsexperten stellt dies eine Umgehung transparenter Datenschutzstandards dar.

Milliarden Nutzer und Zehntausende Apps betroffen

Die Reichweite der untersuchten SDKs unterstreicht das Ausmaß der Datensammlung. InMobi erreicht nach Branchenangaben über 2 Milliarden Nutzer, während Verve auf eine Basis von 1,5 Milliarden Nutzern blickt. Huawei Petal Ads ist Schätzungen zufolge in rund 85.000 Anwendungen integriert. Insgesamt erreichen diese Software-Komponenten Milliarden von Endgeräten über Zehntausende verschiedene Apps hinweg.

Konkrete Analysen identifizierten zwei Anwendungen mit besonders hohen Downloadzahlen, die Standortdaten an den Anbieter BidMachine übermittelten: die App QR Scanner mit über 50 Millionen Downloads sowie der GPS Speedometer mit mehr als 10 Millionen Installationen. Zusammen kommen allein diese beiden Programme auf eine Reichweite von über 60 Millionen Downloads.

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Datenflüsse an Behörden und Geheimdienste

Der Bericht der EFF zeigt zudem die weiteren Verwertungsketten der erhobenen Informationen auf. Die präzisen Standortprofile fließen demnach an Data Broker, die diese Datenpakete an staatliche Stellen veräußern. Zu den Abnehmern zählen laut den Erkenntnissen das Militär, Regierungsbehörden und Geheimdienste, darunter auch das FBI.

Die Risiken für die Betroffenen seien vielfältig und reichen von allgemeiner Überwachung bis hin zu gezieltem Einsatz von Spionagetools. Auch die Verwendung der Daten durch Einwanderungsbehörden oder für das sogenannte Outing von Personen wird als potenzielle Gefahr genannt. Als Hauptursachen für diese Entwicklung werden invasive Standardeinstellungen in den SDKs, eine undurchsichtige Dokumentation für Entwickler sowie starke ökonomische Anreize zur Monetarisierung von Nutzerdaten angeführt. Bisher liegen keine öffentlichen Stellungnahmen der betroffenen SDK-Anbieter zu den Vorwürfen vor.

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Reaktionen von Regulierern und Plattformbetreibern

Angesichts der zunehmenden Kritik an der Handhabung von Standortdaten zeichnen sich regulatorische und technische Gegenmaßnahmen ab. Die US-Handelsbehörde FTC hat in diesem Zusammenhang bereits eine Klage gegen den Datenhändler Kochava eingereicht.

Auch Google reagiert auf die Problematik und plant technische Neuerungen im Betriebssystem. Mit der Einführung von Android 17 soll ein blauer Punkt als prominenter Standortindikator fungieren, um Nutzer auf aktive Standortzugriffe hinzuweisen. Für Pixel-Geräte ist diese Funktion bereits in der Version Android 16 QPR3 verfügbar.

Die EFF appelliert unterdessen direkt an die App-Entwickler. Diese werden aufgefordert, die automatische Weitergabe von Standorten in den verwendeten Werbe-SDKs proaktiv zu deaktivieren und die Datensammlung auf das absolut notwendige Minimum zu reduzieren, um die Privatsphäre der Anwender zu schützen.

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