Android-Trojaner Anatsa: PDF Reader wurde über 10.000 Mal geladen
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 22:55 Uhr | Redaktion boerse-global.deSicherheitsexperten mahnen Smartphone-Nutzer zu erhöhter Wachsamkeit bei der Vergabe von Zugriffsrechten an mobile Anwendungen. Wie die Filiale Pskow der Nordwest-Hauptverwaltung der Bank of Russia mitteilte, sollten die von Programmen eingeforderten Berechtigungen stets kritisch auf ihre Plausibilität hin überprüft werden.
Während Standortdaten für Navigations- oder Lieferdienste zwingend erforderlich seien und Messenger Zugriff auf das Adressbuch benötigten, sei eine Standortabfrage durch ein einfaches Mobilspiel oder eine elektronische Bibliothek verdächtig.
Nach Einschätzung von Experten der Zentralbank gilt besondere Vorsicht bei Zugriffen auf sensible Funktionen wie Kamera, Mikrofon, Gerätestandort, lokale Dateien, Kontakte sowie Nachrichten. Diese Freigaben sollten strikt auf das Maß beschränkt bleiben, das für den eigentlichen Betrieb unverzichtbar ist.
Als riskant gelten auch Dienste, die vorgeben anzuzeigen, wie der eigene Kontakt in fremden Telefonbüchern benannt ist; bei einem Datenabfluss können solche gesammelten Daten direkt Betrügern in die Hände fallen.
Zudem nutzen Cyberkriminelle bereits Maschen wie manipulierte Bildersuch-Programme, die gefälschte Virenwarnungen im Namen von Kreditinstituten anzeigen, um Nutzer zur Gewährung von Fernzugriffsrechten zu verleiten.
Gefahr durch nachgeladene Banking-Trojaner
Wie gefährlich unbedacht erteilte Berechtigungen und scheinbar harmlose Programme werden können, belegen auch aktuelle Untersuchungen von IT-Sicherheitsanalysten.
Das Analysehaus Zscaler ThreatLabz identifizierte im offiziellen Google Play Store eine Android-Anwendung namens „PDF Reader“ des Entwicklers Duka Zuri mit der Paketkennung com.railforge.footplate.documentreader_pdfviewer. Die Software wurde über 10.000 Mal heruntergeladen, bevor Google sie aus dem Angebot entfernte. Die Zahl der tatsächlich kompromittierten Endgeräte ist unbekannt.
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Die Anwendung funktionierte laut den Sicherheitsforschern zunächst regulär, lud jedoch zu einem späteren Zeitpunkt unter dem Deckmantel eines Software-Updates die Schadsoftware Anatsa nach. Dieser Banking-Trojaner verlangt gezielt den Zugriff auf die Bedienungshilfen des Betriebssystems.
Über diese Berechtigung ist die Malware in der Lage, Tastatureingaben aufzuzeichnen, gefälschte Anmeldefenster über legitime Online-Banking-Apps zu legen und zur Autorisierung gesendete SMS-Codes abzufangen. Der Trojaner, der auch als TeaBot bekannt ist, verbreitet sich bereits seit mindestens 2020 über den Play Store.
Während eine frühere Angriffswelle auf mehr als 650 Finanzinstitute weltweit abzielte, umfasst die Angriffsliste mittlerweile über 831 Institute, neu darunter auch Einrichtungen in Deutschland, Südkorea sowie Krypto-Handelsplattformen.
Handlungsempfehlungen bei Verdachtsfällen
Sobald einer verdächtigen Anwendung weitreichende Systemrechte eingeräumt wurden, sollten gespeicherte oder eingegebene Zugangsdaten laut Zscaler ThreatLabz als kompromittiert betrachtet werden. Betroffene erkennen die App über den Namen, den Entwickler und die Paketkennung in den Systemeinstellungen und sollten die Anwendung umgehend löschen sowie das System mit Google Play Protect überprüfen.
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Verbraucherschützer und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfehlen nach dem Entfernen der Spionagesoftware weitere Absicherungen. Passwörter und PINs für das Online-Banking müssen zwingend über ein separates, sicheres Gerät geändert werden.
Zudem sollten Nutzer ihre Hausbank informieren, die Kontobewegungen lückenlos kontrollieren und eingerichtete TAN-Verfahren wie pushTAN oder photoTAN überprüfen oder vorsorglich sperren lassen.
Bei einem konkreten Verdacht auf Missbrauch kann das Online-Banking direkt über das Institut oder über den bundesweiten Sperr-Notruf 116 116 blockiert werden. Bei einer bestätigten Infektion mit Schadcode rät das BSI zu einer vollständigen Neuinstallation des betroffenen Mobilgeräts.
