Andropause: Testosteronverlust beginnt schon mit 35 Jahren
14.06.2026 - 06:32:51 | boerse-global.de
Anders als bei den Wechseljahren der Frau schleicht sich der Testosteronrückgang meist unbemerkt an. Dabei sind die Folgen alles andere als harmlos: von nachlassender Libido über Muskelabbau bis zu chronischer Erschöpfung.
Der schleichende Verlust beginnt frĂĽher als gedacht
Ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel im Schnitt um ein bis zwei Prozent pro Jahr. Neuere Studien im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism zeigen: Der Prozess kann bereits mit 35 starten. Der Urologe Zhang Yingjie berichtet sogar von ersten Symptomen ab 30.
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Die Anzeichen sind vielfältig und oft unspezifisch. Neben verminderter Libido und Erektionsproblemen leiden Betroffene unter Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Stimmungsschwankungen. Muskelmasse schwindet, Bauchfett nimmt zu. Ärzte nutzen zur Diagnose den ADAM-Fragebogen – er hilft, die Andropause von einer Midlife-Crisis oder anderen Erkrankungen abzugrenzen.
Was hilft wirklich?
Bewegung, ausgewogene Ernährung, Schlaf und Stressabbau – diese Lebensstilfaktoren können die Beschwerden deutlich lindern. Bei klinisch manifestem Mangel kommt eine Hormonersatztherapie mit Gelen oder Spritzen infrage.
Die Forschung sucht nach neuen Wegen. Die Berliner Charité startete Mitte Juni 2026 eine mit 2,3 Millionen Euro geförderte Studie zum Hormon DHEA. Ziel: Einsatz als Zusatztherapie bei therapieresistenten Depressionen. DHEA ist eng mit Stressachsen und Immunmodulation verknüpft.
Auch für Frauen wird Testosteron relevant. Die britische Hormonspezialistin Louise Newon fordert einen leichteren Zugang zu Testosterontherapien für Frauen in den Wechseljahren – besonders bei Libidoverlust.
Technologie misst mit – auch für Männer
Die Digital-Health-Branche entdeckt die Hormongesundheit. Anfang Juni 2026 kündigte Apple auf der WWDC neue Funktionen für iOS 27 und watchOS 27 an: detailliertes Tracking für Perimenopause und Menopause sowie KI-gestützte Nährstoffanalysen. Der Fokus liegt auf Frauengesundheit, doch der Trend zur personalisierten hormonellen Überwachung ist klar.
Ein weiteres Thema: die männliche Fruchtbarkeit. Priv.-Doz. DDr. Michael Feichtinger warnt: Die Samenqualität sinkt mit dem Alter. Social Freezing – das vorsorgliche Einfrieren von Spermien – gewinnt daher auch für Männer an Bedeutung. Besonders vor medizinischen Eingriffen wie einer Vasektomie.
Männer und Brustkrebs: Ein unterschätztes Risiko
Jährlich erkranken rund 700 Männer in Deutschland an Brustkrebs. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren. Ein strukturiertes Früherkennungsprogramm gibt es nicht. Mediziner raten zur Wachsamkeit bei schmerzfreien Knoten oder Hautveränderungen im Brustbereich.
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Endokrinologe Haiko Schlögl warnt zudem vor Nebenwirkungen moderner Medikamente. Bei GLP-1-Analoga zur Gewichtsreduktion kann bis zu 40 Prozent des Gewichtsverlusts auf Muskelmasse entfallen. Phase-2-Studien untersuchen den Einsatz von Antikörpern wie Apitegromab, um diesen Abbau zu verhindern.
Symposium in Wien: Hormone im Fokus
Am 2. Oktober 2026 findet in Wien ein Symposium zur Andropause statt. Unter der Leitung von Andrew Couse diskutieren Experten über Hormone, Lebensstil und moderne Therapieansätze. Ziel: das Bewusstsein für die komplexen Zusammenhänge der Männergesundheit schärfen.
