Rechnungshof, Corona

Rechnungshof: Corona traf EU teilweise unvorbereitet

04.09.2024 - 17:00:35

Anfang 2020 breitete sich das Corona-Virus weltweit aus. Eine der zustĂ€ndigen EU-Behörden hielt die Einschleppung des Virus in die EU nur Wochen vor dem ersten Fall in der EU fĂŒr nicht wahrscheinlich.

Beim Ausbruch des Corona-Virus in Europa sind die zustĂ€ndigen medizinischen Agenturen der EU nicht ausreichend auf eine anhaltende Pandemie vorbereitet gewesen. Das EuropĂ€ische Zentrum fĂŒr die PrĂ€vention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat den Ernst der Lage zunĂ€chst unterschĂ€tzt, wie aus einem Sonderbericht des EuropĂ€ischen Rechnungshofs (EuRH) hervor geht. 

Das ECDC, das fĂŒr die Erkennung und Bewertung von Gesundheitsbedrohungen zustĂ€ndig ist, hatte noch am 9. Januar eine EinschĂ€tzung veröffentlicht, wonach eine Einschleppung des Virus in die EU fĂŒr nicht sehr wahrscheinlich gehalten wurde. Rund zwei Wochen spĂ€ter gab es die ersten bestĂ€tigten FĂ€lle in der EU. Das ECDC habe zudem erst am 12. MĂ€rz 2020 eingerĂ€umt, dass unverzĂŒglich Maßnahmen nötig seien, drei Tage nachdem Italien bereits einen nationalen Lockdown verhĂ€ngt habe.

Fehlende Teststrategie

Risikobewertungen, Leitlinien und fĂŒr die Öffentlichkeit bestimmte Informationen seien mitunter zu spĂ€t herausgegeben worden, urteilt der Rechnungshof in seinem Bericht. Die Arbeit des Zentrums sei außerdem durch eine fehlende EU-weite Teststrategie und einen fehlenden Ansatz fĂŒr die Zuordnung von coronabedingten TodesfĂ€llen erschwert worden. Daraus folgte den Angaben zufolge eine geringe QualitĂ€t der Daten. ZuverlĂ€ssigere Methoden wie Analysen der Viruskonzentrationen im Abwasser hĂ€tten hĂ€ufiger eingesetzt werden können, betonen die PrĂŒfer.

Die EuropĂ€ische Arzneimittel-Agentur (EMA), die fĂŒr die Zulassung neuer Arzneimittel zustĂ€ndig ist, reagierte laut Angaben des Rechnungshofs im Allgemeinen zwar gut auf die Pandemie, versĂ€umte aber, klinische Versuche in der EU zu fördern.

Lehren aus der Pandemie ziehen

«Wie viele andere Einrichtungen auch wurden die medizinischen Agenturen der EU von der Wucht der sich rasch ausbreitenden Corona-Pandemie ĂŒberrascht», sagt JoĂŁo LeĂŁo vom EuropĂ€ischen Rechnungshof. Zwar hĂ€tten das ECDC und die EMA die Situation letztlich gut bewĂ€ltigt, doch habe die Pandemie die bestehenden MĂ€ngel und LĂŒcken sichtbar gemacht. Beide Einrichtungen brĂ€uchten einen «Booster».

«Vier Jahre spĂ€ter mĂŒssen die aus der Pandemie gezogenen Lehren nun wirksam auf EU-Ebene umgesetzt werden, damit sich die Geschichte nicht wiederholt», sagt LeĂŁo. Einige der seitdem ergriffenen Maßnahmen, wie etwa neue Arzneimittelvorschriften, begrĂŒĂŸt der Rechnungshof.

Die Schaffung einer dritten medizinischen Agentur habe den organisatorischen Rahmen mit sich ĂŒberschneidenden ZustĂ€ndigkeiten aber noch komplexer gemacht. 2021 war die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr die Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen (HERA) eingerichtet worden. ZustĂ€ndigkeiten ĂŒberschnitten sich laut Angaben des Rechnungshofs jedoch teilweise mit denen des ECDC. Die PrĂŒfer fordern daher eine enge Zusammenarbeit, um Doppelarbeit zu vermeiden.

@ dpa.de