Angststörungen, Kognitive

Angststörungen: Kognitive Therapie wirkt bei 55–80% der Patienten

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen Vorteile von Atemübungen, Bewegung und sozialen Kontakten. Schlafmangel und Arbeitsstress erhöhen dagegen psychische Belastungen.

Psychische Gesundheit: Was gegen Ängste und Stress helfen kann
Ein ruhiger, nebliger Waldweg im sanften Morgenlicht, der Ruhe und Ausgeglichenheit ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

In der psychologischen Beratung gewinnt die Erkenntnis an Bedeutung, dass eine effektive Reduzierung von Sorgen oft mit der Akzeptanz möglicher negativer Ereignisse beginnt. Fachleute weisen darauf hin, dass die bewusste Auseinandersetzung mit der Möglichkeit, dass befürchtete Szenarien eintreten könnten, Paradoxerweise den psychischen Druck mindern kann.

Dieser Ansatz der Akzeptanz bildet die Grundlage für verschiedene Strategien zur Stärkung der mentalen Widerstandsfähigkeit in Zeiten gesellschaftlicher und persönlicher Krisen.

Psychologische Ansätze zur Bewältigung von Zukunftsängsten

Die Bewältigung von Ängsten erfordert laut Experten eine Kombination aus Selbstwirksamkeit und kontrolliertem Umgang mit äußeren Reizen. Der Psychotherapeut Stefan Woinoff empfiehlt in diesem Zusammenhang einen dosierten Nachrichtenkonsum sowie die bewusste Pflege von Zuversicht.

Diese Empfehlungen stehen oft im Kontext politischer Veränderungen, wie etwa nach Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt, bei denen die AfD 43,8 % der Stimmen erreichte, was bei Teilen der Bevölkerung Besorgnis auslöste.

Ergänzend dazu betont Prof. Dr. Undine Lang von den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel die Bedeutung von Resilienzfaktoren. Hierzu zählen insbesondere soziale Kontakte, Humor, Dankbarkeit sowie regelmäßige körperliche Betätigung.

Empfohlen wird, mindestens dreimal pro Woche Sport zu treiben, um die psychische Verfassung stabil zu halten. Gegen digitale Überlastung helfen zudem Aufenthalte in der Natur, um der Hektik des Alltags zu entkommen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Atemtechniken und Bewegung

Die Forschung liefert konkrete Belege für die Wirksamkeit niederschwelliger Interventionen. Eine Studie der Stanford University, veröffentlicht in „Cell Reports Medicine“, untersuchte die Wirkung von täglichen, fünfminütigen Atemübungen über einen Zeitraum von einem Monat. Dabei zeigte sich, dass insbesondere das sogenannte „Cycling Sighing“ die Atemfrequenz senkte und die Stimmung verbesserte.

Eine Metaanalyse über zwölf Studien mit insgesamt 785 Erwachsenen bestätigte zudem einen kleinen bis mittleren Effekt solcher Übungen auf das Stressempfinden.

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Auch die Bedeutung von Bewegung wird durch großangelegte Untersuchungen untermauert. Eine norwegische Studie mit 10.460 Studierenden im Alter zwischen 18 und 35 Jahren ergab, dass tägliche körperliche Aktivität das Risiko für Depressionen und Angststörungen signifikant senkt. Bei Frauen reduzierte sich das Risiko um 15 %, bei Männern sogar um 33 %. Dabei war die Intensität der Bewegung weniger entscheidend als die Regelmäßigkeit.

Schlafqualität und arbeitsbedingte Belastungen

Ein wesentlicher Faktor für die psychische Gesundheit ist die Schlafhygiene. Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) aus dem Zeitraum von Mai 2023 bis Februar 2024 zeigen jedoch Defizite in der deutschen Bevölkerung auf.

Von den 8.026 befragten Erwachsenen gaben 40 % an, werktags weniger als sieben Stunden zu schlafen. Besonders betroffen sind Männer im Alter zwischen 45 und 64 Jahren mit einem Anteil von 53 %. Chronischer Schlafmangel erhöht laut RKI das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und Depressionen.

Zusätzlich stellen Fehlentwicklungen in der Arbeitswelt ein Risiko dar. Eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) aus dem Jahr 2023 weist darauf hin, dass 10 % der Erwerbstätigen in Deutschland ein suchthaftes Arbeitsverhalten zeigen.

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Symptome wie Kontrollverlust und Entzugserscheinungen dienen hierbei als Warnsignale. Dauerhafter Stress kann in der Folge zu einem Burn-out-Syndrom führen, das oft monatelange Ausfälle durch tiefe Erschöpfung und Antriebslosigkeit nach sich zieht.

Prävention und klinische Interventionsmöglichkeiten

Um psychischen Krisen vorzubeugen, setzen Institutionen verstärkt auf Präventionsprogramme. Das Universitätsklinikum Würzburg hat Ersthelferkurse für mentale Gesundheit (EMG) entwickelt, die sich an Laien und Unternehmen richten.

Parallel dazu startete mit „DUDE 2.0“ ein Programm an 96 Schulen in vier Bundesländern, das die Emotionsregulation bei Jugendlichen fördert. Hintergrund sind Studienergebnisse, wonach 3,5 % von 877 untersuchten Zwölfjährigen bereits einen Suizidversuch unternommen hatten.

Für bereits manifeste Störungen stehen etablierte Therapieverfahren zur Verfügung. In Deutschland leiden jährlich etwa 15,3 % der Erwachsenen – rund 9,8 Millionen Menschen – an einer behandlungsbedürftigen Angststörung.

Während eine spontane Besserung ohne Therapie nur bei 10 bis 30 % der Patienten eintritt, weist die kognitive Verhaltenstherapie eine Erfolgsquote von 55 bis 80 % auf. Experten raten zudem zur Vorsicht bei Substanzen wie THC, da chronischer Konsum das Endocannabinoid-System beeinträchtigen und zu emotionaler Abflachung führen kann.

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