Ankylosierende Spondylitis: Diagnose dauert in Indien fast sieben Jahre
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chronisch-entzĂŒndliche Erkrankungen der WirbelsĂ€ule wie die ankylosierende Spondylitis erfordern ein prĂ€zises Zusammenspiel aus medikamentöser Kontrolle, funktioneller Bewegung und strukturierter Diagnostik.
Wie FachĂ€rzte fĂŒr Physikalische Medizin und Rehabilitation wie Prof. Dr. ?rfan Koca betonen, stehen die EindĂ€mmung der EntzĂŒndungsprozesse, die Verzögerung des Krankheitsverlaufs sowie der langfristige Erhalt der WirbelsĂ€ulenbeweglichkeit im Zentrum der Versorgung. Eine frĂŒhzeitige Erkennung und ein ganzheitliches Vorgehen gelten als entscheidend, um den Betroffenen ein bewegtes Leben zu ermöglichen.
Stufentherapie und begleitende LebensstilmaĂnahmen
FĂŒr die medikamentöse Behandlung von WirbelsĂ€ulenrheuma kommt typischerweise ein Stufenkonzept zum Einsatz. ZunĂ€chst bilden nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) die Basis. Liegt zusĂ€tzlich ein Befall peripherer Gelenke vor, werden krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) verabreicht.
Bei anhaltender KrankheitsaktivitĂ€t oder unzureichendem Ansprechen folgen Biologika sowie zielgerichtete Therapien. Zur UnterstĂŒtzung des Behandlungsziels verweist Koca zudem auf regelmĂ€Ăige körperliche Bewegung, zielgerichtete Physiotherapie sowie Haltungs- und AtemĂŒbungen.
ErgÀnzend gewinnt die Wechselwirkung zwischen dem Darmmikrobiom und dem Immunsystem an Bedeutung. Fachleute empfehlen in diesem Zusammenhang eine mediterrane ErnÀhrungsweise sowie individuell angepasste DiÀten, fallweise ergÀnzt durch Phytotherapie.
KomplementĂ€re Verfahren wie Neuraltherapie, Akupunktur, Trockennadelung, Manuelle Therapie oder Ozonanwendungen können zwar begleitend genutzt werden, allerdings liegt fĂŒr eine Verlangsamung der eigentlichen Krankheitsprogression durch diese Methoden keine ausreichende klinische Evidenz vor.
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Diagnostische Verzögerungen und technologische Entwicklungen
EntzĂŒndliche WirbelsĂ€ulenerkrankungen bleiben im Anfangsstadium hĂ€ufig lange unbemerkt. Warnzeichen wie ausgeprĂ€gte Morgensteifigkeit, eine Zunahme der Beschwerden nach Ruhephasen und Besserung durch Bewegung halten oft monatelang an, wobei erste Symptome vor allem im Alter zwischen zwanzig und vierzig Jahren auftreten.
Betroffen sind neben der WirbelsĂ€ule und den Kreuz-Darmbein-Gelenken auch Brust-, HĂŒft- und Schultergelenke sowie die Augen. Dauern entzĂŒndliche RĂŒckenschmerzen lĂ€nger als drei Monate an, ist eine eingehende rheumatologische AbklĂ€rung notwendig.
In LÀndern wie Indien leben laut Berichten von Health and Me rund 16,5 Lakh Menschen mit ankylosierender Spondylitis, wobei die durchschnittliche Zeitspanne bis zur Diagnose fast sieben Jahre betrÀgt.
Der EULAR-PrĂ€sident Prof. Dr. Xenofon Baraliakos betont, dass es keine primĂ€re PrĂ€ventionstherapie gebe und das vorrangige Ziel die Erkennung vor dem Auftreten irreversibler Funktionsverluste bleibe. KĂŒnstliche Intelligenz könne bei Screening, Bildgebung und Therapiewahl unterstĂŒtzen, berge jedoch das Risiko von Ăberdiagnosen und dĂŒrfe Ă€rztliche Entscheidungen nicht ersetzen.
Neue diagnostische AnsÀtze zielen darauf ab, LÀsionen prÀziser zuzuordnen. Eine in einem Bericht vom Oktober 2026 aufgegriffene Substudie des Amsterdam UMC an 20 Patienten mit aktiver axialer Spondyloarthritis unter Biologikatherapie untersuchte den Einsatz von Na[18F]Fluorid-PET/CT.
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Von 276 PET-positiven LĂ€sionen waren 98 SpA-bedingt und 46 degenerativ. Unter der Medikation ging die Zahl der entzĂŒndlichen LĂ€sionen bis Woche 52 auf 55 zurĂŒck, wĂ€hrend degenerative VerĂ€nderungen weitgehend stabil blieben.
Evidenz zu komplementÀren Behandlungsmodellen
Hinsichtlich integrativer Behandlungskonzepte liefern randomisierte Untersuchungen differenzierte Ergebnisse. Eine pragmatische kontrollierte Studie des Singapore General Hospital mit 139 Patienten untersuchte die ErgĂ€nzung der rheumatologischen Standardtherapie durch Akupunktur und Konsultationen der traditionellen chinesischen Medizin ĂŒber fĂŒnf Wochen.
Zwar traten in Woche sechs Verbesserungen bei Schmerz und KrankheitsaktivitÀt auf, nach 52 Wochen waren bei Parametern wie WirbelsÀulenschmerz, BASDAI oder LebensqualitÀtsscores jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede zur reinen Standardversorgung mehr messbar.
Gleichzeitig verĂ€ndern therapeutische Optionen das Marktumfeld. FĂŒr das Monitoring von Therapien mit Biologika kommen neben EntzĂŒndungsmarkern wie CRP oder Serum-TNF-alpha auch klinische AktivitĂ€tsindizes zum Einsatz.
In MĂ€rkten wie der TĂŒrkei liegt der Biosimilar-Anteil bei Biologika laut Berichten aus dem Oktober 2026 bei rund 70 Prozent, wĂ€hrend zudem JAK-Inhibitoren als zielgerichtete Alternativen zur VerfĂŒgung stehen.
Dr. Ahmet GĂŒl von der TĂŒrkiye Romatoloji Derne?i weist darauf hin, dass Biosimilars nach PatentablĂ€ufen den Zugang zu modernen Therapien erleichtern und Kostendruck mindern können, um dauerhafte FunktionseinbuĂen bei ĂŒber 150 bekannten Erkrankungen des Bewegungsapparats abzuwenden.

