Anthropic, Stunden

Anthropic: KI entwirft in 64 Stunden Minibinder gegen fünf Skorpiongifte

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 00:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Labortests bestätigten 17 toxin-spezifische Binder; eine Neutralisierung wurde bislang nicht geprüft und ein Gegengift liegt nicht vor.
Eine präzise Laborumgebung mit wissenschaftlichen Glaswaren und automatisierten Pipettiergeräten in einem sauberen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Ein internes Forschungsmodell des KI-Unternehmens Anthropic hat innerhalb von 64 Stunden autonom sogenannte Minibinder gegen fünf gefährliche Skorpion-Neurotoxine entworfen.

Wie Anthropic in einem Bericht darlegt, zielte das Experiment auf die Toxine Cn2 aus Mexiko, Ts1 aus Brasilien, AaH I und AaH II aus Nordafrika sowie LqhIII aus dem Nahen Osten ab. Weltweit fordern Skorpionstiche laut Angaben des Unternehmens jährlich über 3.250 Menschenleben bei mindestens 1,2 Millionen registrierten Vorfällen.

Tausende Proteindesigns und Validierung im Labor

Im Rahmen des rechnergestützten Prozesses generierte das Modell 318.484 Proteindesigns. Daraus wurden 180 Kandidaten ausgewählt und durch das Forschungsteam um weitere 31 ergänzt, sodass insgesamt 211 Designs weiterverfolgt wurden. Für die computergestützte Faltung von 553.052 Design-Toxin-Paaren fielen nach Unternehmensangaben rund 10.000 GPU-Stunden an.

Die anschließende Synthese und biologische Testung der 211 Entwürfe übernahmen die spezialisierten Partnerunternehmen Adaptyv Bio und Twist Bioscience. In den Labortests erfüllten 17 der Designs die definierten Kriterien für eine erfolgreiche Bindung. Davon entfielen sieben Bindekandidaten auf Cn2, jeweils vier auf AaH II und AaH I sowie zwei auf LqhIII.

Bei den 60 erstellten Einzeltoxin-Designs lag die Erfolgsquote bei 18 Prozent, was elf Treffern entsprach. Ein universeller Multitoxin-Binder qualifizierte sich hingegen nicht; alle 17 erfolgreichen Minibinder banden jeweils nur ein spezifisches Toxin.

Den Angaben von Anthropic zufolge erreichten die stärksten Binder mit den Bezeichnungen Cn2-B1 und Cn2-B2 eine Bindungsaffinität mit einem einstelligen nanomolaren KD-Wert. Sie konkurrierten dabei mit dem bekannten Antikörper LR um dasselbe Epitop.

Anthropics Forscher wiesen zugleich darauf hin, dass die Bindung bislang weder zellulär noch in lebenden Organismen bestätigt wurde. Es fanden weder In-vitro- noch In-vivo-Neutralisationstests statt, weshalb derzeit kein fertiges Gegengift vorliege und das therapeutische Potenzial weitere Versuchsreihen erfordere. Anthropic veröffentlichte alle 211 Designs samt Sequenzen und Messdaten.

Anzeige

Während die Wissenschaft die Potenziale der KI für den medizinischen Fortschritt auslotet, müssen Unternehmen den regulatorischen Rahmen für solche Technologien im Blick behalten. Dieser kostenlose Leitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen des neuen EU AI Acts. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

Finanzanalysten initiierten das Experiment

Der Impuls für das Projekt stammte von Citrini Research, einem von James Van Geelen gegründeten unabhängigen Research-Haus. Mit einem Gesamtbudget von 200.000 US-Dollar und fünf Teilnehmern, von denen drei über keinen wissenschaftlichen Hintergrund verfügten, wurde das Modell im August 2026 über einen rund 35 Seiten langen Prompt instruiert.

Finanzanalysten ohne Fachhintergrund nutzten Claude somit, um Moleküle zu generieren, während das KI-System fast den kompletten Design- und Koordinationsprozess eigenständig abwickelte.

Über Nacht aktivierte das System nach Angaben von Citrini Research mehr als 300 Subagenten auf über 300 parallel geschalteten Grafikprozessoren. Daran schloss sich eine etwa zweimonatige Auswertung im Labor an.

Anzeige

Der autonome Einsatz von KI-Systemen, wie er in diesem Experiment gezeigt wurde, unterliegt künftig strengen Transparenz- und Dokumentationsregeln. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Unternehmen jetzt konkret zur rechtssicheren Umsetzung tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act jetzt sichern

Citrini Research vertritt die These, dass generative KI die Designzyklen in der Molekularbiologie drastisch beschleunigt und den wesentlichen Engpass hin zu Auftragsforschungsinstituten und Testkapazitäten verschiebt. Das Analysehaus setzt in der Folge verstärkt auf Life-Sciences-Aktien und benannte Charles River Laboratories, Revvity sowie die Tecan Group als Favoriten.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70378691 |