Anthropic reicht S-1 ein: Börsengang könnte schon im November starten
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 19:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas KI-Unternehmen Anthropic hat am 26. Oktober 2026 den offiziellen Börsenprospekt S-1 für einen Börsengang an der Technologiebörse Nasdaq eingereicht. Der Börsenstart könnte bereits im nächsten Monat erfolgen. Die angestrebte Bewertungsspanne liegt zwischen 1,5 und 2 Billionen US-Dollar.
Die Emission soll bis zu 100 Milliarden US-Dollar erlösen, wobei bis zu 20 Prozent der Papiere für Privatanleger vorgesehen sind. Mit diesem Schritt geht Anthropic noch vor dem Hauptkonkurrenten OpenAI an den öffentlichen Kapitalmarkt.
Dynamisches Umsatzwachstum im direkten Duell
In den Einreichungsunterlagen weist Anthropic ein starkes Umsatzwachstum aus. Im ersten Halbjahr 2026 belief sich der Erlös auf 16,29 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 1,16 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Umsatz 11,56 Milliarden US-Dollar bei einem operativen Gewinn von 974 Millionen US-Dollar, was der ersten operativen Quartalsprofitabilität des Unternehmens entspricht. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr jedoch ein Nettoverlust, der maßgeblich von nicht zahlungswirksamen Bewertungseffekten bei Finanzinstrumenten geprägt war.
Im Markt für US-Sprachmodelle beansprucht Anthropics Modell Claude nach Angaben aus Branchenberichten einen Marktanteil von 35 bis 40 Prozent, während OpenAI auf rund 25 Prozent und Google auf etwa 20 Prozent geschätzt werden.
OpenAI erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 6,7 Milliarden US-Dollar. Der annualisierte Umsatz von OpenAI lag Ende September 2026 bei knapp 50 Milliarden US-Dollar.
Marktbeobachter führen Abweichungen zu anderen Berichten auf unterschiedliche Rechnungslegungsstandards zurück: Während Anthropic Erlöse über Cloud-Partner wie AWS und Google Cloud zum eigenen Umsatz zählt, handhabt OpenAI dies anders. Zudem deuten Berichte darauf hin, dass OpenAI mit einem eigenen Börsengang bis 2027 warten könnte.
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Enorme Verpflichtungen für Rechenkapazitäten
Die vorgelegten Unterlagen offenbaren zugleich gewaltige finanzielle Verpflichtungen für Recheninfrastruktur. Anthropic verzeichnet nicht kündbare Mindestabnahmeverpflichtungen in Höhe von 265,6 Milliarden US-Dollar sowie langfristige Verträge über mehrere Hundert Milliarden US-Dollar. Zu den Partnern zählen unter anderem Broadcom, Google, Amazon und Microsoft.
Allein die Verträge mit Amazon und Google umfassen jeweils Summen von über 100 Milliarden US-Dollar über mehrjährige Laufzeiten. Im ersten Halbjahr 2026 gab das Unternehmen 8,95 Milliarden US-Dollar für Rechenleistung aus, wovon der überwiegende Teil in Modelltraining, Forschung und interne Zwecke floss.
Zunehmender Druck durch offene Modelle
Neben dem direkten Rivalen OpenAI und Großkonzernen wie Google nennt Anthropic im Prospekt vor allem frei verfügbare, offene Modelle als wachsende Herausforderung. Der Prospekt warnt davor, dass Kunden angesichts leistungsfähiger quelloffener Alternativen auf den Zukauf teurer Spitzenmodelle verzichten könnten.
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Dieser trend trug zuletzt zu deutlichen Preissenkungen in der Branche bei, bei denen sowohl Anthropic als auch OpenAI die Nutzungspreise für ihre KI-Modelle reduzierten.
