Anthropic-S-1: 16,96 Milliarden Dollar Umsatz und 895,4 Milliarden Verpflichtungen
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 20:15 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas KI-Unternehmen Anthropic hat bei der US-Börsenaufsicht SEC einen aktualisierten Börsenprospekt auf Formular S-1 eingereicht. Aus den darin offengelegten Finanzdaten geht für das dritte Quartal ein Umsatz von rund 17 Milliarden US-Dollar hervor.
Gleichzeitig belaufen sich die langfristigen Kauf- und Leasingverpflichtungen des Unternehmens auf rund 895,4 Milliarden US-Dollar, die fast ausschließlich für Rechenleistung und Infrastruktur gebunden sind.
Starkes Erlöswachstum bei hohem Nettoverlust
Wie aus den Antragsunterlagen hervorgeht, kletterte der Umsatz im dritten Quartal konkret auf 16,96 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 1,38 Milliarden US-Dollar entspricht dies einem Zuwachs von 1.127 Prozent.
Gegenüber den 11,56 Milliarden US-Dollar des zweiten Quartals legten die Erlöse um 47 Prozent zu, obwohl Preissenkungen und Rabatte das Quartalsergebnis um rund 600 Millionen US-Dollar schmälerten. Den überwiegenden Teil der Einnahmen generiert Anthropic aus dem Token-Verbrauch, während ein geringerer Anteil auf Abonnements entfällt.
In den ersten neun Monaten bis zum 30. September 2026 erreichte der Gesamtumsatz 33,24 Milliarden US-Dollar, nach 16,29 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr und 4,59 Milliarden US-Dollar im Gesamtjahr 2025. Die Zahl der Großkunden mit mindestens 100.000 US-Dollar Jahresumsatz wuchs von mehr als 1.500 Ende 2025 auf über 11.900.
Unterm Strich verbuchte Anthropic im dritten Quartal einen Nettoverlust von 23,29 Milliarden US-Dollar, nach 66,3 Milliarden US-Dollar im Vorquartal. Hauptursache war eine nicht zahlungswirksame Belastung von 21,9 Milliarden US-Dollar infolge von Neubewertungen bei Wandelanleihen, Derivaten und sogenannten SAFEs.
Für die gesamten ersten neun Monate liegt der Nettoverlust bei 104 Milliarden US-Dollar. Beim operativen Ergebnis entstand im Quartal ein Fehlbetrag von 567 Millionen US-Dollar, nachdem im zweiten Quartal noch ein operativer Gewinn von 974 Millionen US-Dollar erzielt worden war.
Das Unternehmen führte diese Wende auf 5,0 Milliarden US-Dollar für kurzfristig zugekaufte Rechenkapazitäten zurück, die im Vergleich zu Mehrjahresverträgen deutlich teurer seien, sowie auf 2,0 Milliarden US-Dollar nicht zahlungswirksame Kosten für das Mitarbeiter-Spendenmatching. Bereinigt lag das operative Ergebnis bei 2,5 Milliarden US-Dollar mit einer Marge von 15 Prozent.
Wer sich mit der Skalierung von KI-Systemen befasst, muss auch die regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa im Blick behalten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen des EU AI Acts. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Milliardenschwere Verträge für Rechenkapazitäten
Die gesamten operativen Ausgaben stiegen im Quartal auf 17,52 Milliarden US-Dollar, wobei die Compute- und Infrastrukturkosten mit 9,86 Milliarden US-Dollar den größten Block bildeten.
Um den immensen Bedarf zu sichern, summierten sich die Kaufverpflichtungen zuletzt auf rund 314 Milliarden US-Dollar gegenüber 55 Milliarden US-Dollar Ende 2025. Zu den größten Verpflichtungen zählen Verträge mit Broadcom über rund 161 Milliarden US-Dollar für Geräteleasing, Google über rund 121 Milliarden US-Dollar, der KI-Sparte von SpaceX über bis zu 120,5 Milliarden US-Dollar sowie Amazon über rund 110 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus sind weitere Ausgaben von 125 bis 150 Milliarden US-Dollar für Google-Chips sowie über 20 Milliarden US-Dollar bei AMD geplant.
Von den gesamten Zusagen in Höhe von 895,4 Milliarden US-Dollar müssen rund 447,5 Milliarden US-Dollar vor dem 31. Dezember 2030 beglichen werden, davon rund 69,8 Milliarden US-Dollar innerhalb der zwölf Monate nach dem 30. September 2026. Den langfristigen Verpflichtungen steht zum Quartalsstichtag eine Liquidität von 146,6 Milliarden US-Dollar gegenüber, darunter 95,6 Milliarden US-Dollar in bar, 36,3 Milliarden US-Dollar an kurzfristigen Anlagen sowie eine Kreditlinie.
Während die Investitionen in KI-Infrastrukturen weltweit neue Rekordwerte erreichen, stellt die EU-KI-Verordnung Unternehmen vor neue Dokumentationspflichten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Systeme als Hochrisiko gelten und wie Sie die rechtlichen Vorgaben sicher umsetzen. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Börsengang für Mitte November anvisiert
Anthropic plant den Schritt an die Nasdaq Global Select Market unter dem Tickersymbol ANT für Mitte November. Die Vermarktung der Class-A-Aktien soll in der Woche ab dem 9. November 2026 anlaufen. Das Bankenkonsortium wird von Goldman Sachs und Morgan Stanley gemeinsam mit 20 weiteren Instituten geführt, während die Angebotsgröße und der Preisrahmen vorerst offen bleiben.
Aktuelle und potenzielle Investoren taxieren den Unternehmenswert derzeit auf rund 1,5 Billionen US-Dollar, nachdem im Vorfeld des Investorentags zeitweise 2 Billionen US-Dollar diskutiert worden waren. Dem Vernehmen nach könnte das Unternehmen jedoch eine Einstufung unterhalb des begehrten Investment-Grade-Ratings erhalten.
