Anthropic-Sperre: Fable 5 und Mythos 5 für Ausländer offline
15.06.2026 - 13:31:21 | boerse-global.de
Die US-Regierung hat mit sofortiger Wirkung den Zugang zu den neuesten KI-Modellen des Unternehmens Anthropic für ausländische Nutzer gesperrt. Der Schritt betrifft die leistungsstarken Systeme Fable 5 und Mythos 5.
Am 12. Juni 2026 erließ das Bureau of Industry and Security des US-Handelsministeriums eine Notverordnung, die den Zugriff auf die beiden Modelle untersagt. Zur Begründung hieß es, die Systeme stellten ein erhebliches Risiko für die nationale Sicherheit dar. Anthropic bestätigte am 14. Juni, die betroffenen Modelle weltweit für alle nicht-amerikanischen Nutzer vom Netz genommen zu haben. Das Unternehmen spricht von einem Missverständnis, das man schnell klären wolle.
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Sicherheitsbedenken und alarmierende Fähigkeiten
Der Entscheidung vorausgegangen war ein Bericht über einen sogenannten „Jailbreak" – eine Methode, mit der die Sicherheitsprotokolle der Modelle umgangen werden konnten. Dokumente zeigen, dass Mythos 5 in der Lage war, Tausende kritischer Sicherheitslücken im Linux-Kernel und in verschiedenen Webbrowsern zu identifizieren. Fable 5 wiederum soll eine um 400 Prozent gesteigerte Denkfähigkeit im Vergleich zu früheren Versionen aufgewiesen haben.
US-Handelsminister Howard Lutnick und Finanzminister Scott Bessent wurden über die Risiken informiert. Die Alarmbereitschaft stieg zusätzlich, nachdem das britische KI-Sicherheitsinstitut am 9. Juni 2026 ebenfalls potenzielle Sicherheitslücken gemeldet hatte. Zwar hatte die US-Regierung bereits am 2. Juni eine 30-tägige Prüfphase für neue KI-Modelle angeordnet – der direkte Zugriffsstopp gegen ein einzelnes Unternehmen ist jedoch beispiellos.
Internationale Partnerschaften unter Druck
Die Folgen sind weitreichend. Große südkoreanische Konzerne wie Samsung, SK hynix und SK Telecom haben den Zugang zu den Modellen verloren. Besonders schwer wiegt das für das Gemeinschaftsprojekt „Project Glasswing", an dem 150 Organisationen beteiligt waren. Das Sicherheitsprojekt hatte mit Hilfe der Anthropic-Modelle bereits mehr als 10.000 Schwachstellen aufgespürt – und steht nun vor dem Aus.
Südkoreas Ministerium für Wissenschaft und ICT hat Notverhandlungen mit dem US-Handelsministerium aufgenommen, um Ausnahmegenehmigungen zu erwirken. Auch in Europa wächst der Unmut. Die EU-Kommission prüft eigene Maßnahmen, während Politiker in Großbritannien und Frankreich die abrupte Blockade scharf kritisieren. Branchenexperten weisen darauf hin, dass die derzeitigen Systeme die Nationalität von Nutzern nicht zweifelsfrei unterscheiden können – weshalb Anthropic die Modelle für alle ausländischen Konten sperren musste.
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Juristischer Konflikt und milliardenschwere Bewertung
Der Exportstopp ist der Höhepunkt eines sich seit Monaten zuspitzenden Konflikts zwischen Anthropic und der US-Regierung. Bereits im Januar und Februar 2026 hatte sich das Unternehmen geweigert, seine Technologie für militärische Zwecke zur Verfügung zu stellen. Am 9. März reichte Anthropic Klage gegen die Einstufung auf einer behördlichen Schwarzen Liste ein.
Trotz der juristischen Auseinandersetzungen steht das Unternehmen wirtschaftlich blendend da. 2025 hielt Anthropic einen Marktanteil von 40 Prozent – gegenüber 27 Prozent beim Hauptkonkurrenten OpenAI. Nach einer weiteren Investition von fünf Milliarden Euro durch Amazon im April 2026 wird das Unternehmen nun mit rund einer Billion Euro bewertet. Ob der geplante Börsengang unter dem Druck der Exportkontrollen stattfinden kann, gilt jedoch als fraglich.
