Antibiotika im Hospiz: Analyse verbindet Einnahme mit 47 Prozent mehr Sterberisiko
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Einsatz von antimikrobiellen Wirkstoffen gehört in der Endphase des Lebens keineswegs zu den Ausnahmen. Eine retrospektive Analyse im Fachjournal Clinical Infectious Diseases (DOI: 10.1093/cid/ciag561) legt jedoch dar, dass die Verabreichung von Antibiotika in der Palliativversorgung den Bewohnern von Hospizen unter Umständen eher schaden als nützen könnte.
Für den Großteil der schwerkranken Menschen zeigte sich im Rahmen der Untersuchung kein therapeutischer Vorteil, sondern vielmehr eine ungünstige Prognose.
Daten der Mayo Clinic belegen erhöhtes Sterberisiko
Die retrospektive Kohortenstudie stützt sich auf Datensätze von über 6.100 Personen in ambulanter Hospizbetreuung. Konkret wurden am Hospiz der Mayo Clinic in Rochester im US-Bundesstaat Minnesota 6.169 Patienten erfasst. Von diesen erhielten 1.233 Personen Antibiotika, was einem Anteil von rund einem Fünftel entspricht, das mindestens ein antimikrobielles Präparat verordnet bekam.
Die statistische Auswertung ergab für die Mehrheit der Erkrankten ein erhöhtes Sterberisiko nach der Gabe dieser Medikamente. Über alle vorliegenden Krankheitsbilder hinweg war die Antibiotikaeinnahme mit einem um 47% erhöhten Sterberisiko verbunden. Noch deutlicher fiel der Unterschied bei Krebspatienten im Endstadium aus, bei denen das Risiko um rund 67% erhöht war.
Ein messbarer Nutzen durch eine solche Behandlung bildete in den Daten die Ausnahme. Ein Überlebensvorteil zeigte sich fast ausschließlich bei jenen Personen, die gezielt wegen einer akuten primären Infektionskrankheit in das Hospiz aufgenommen beziehungsweise überwiesen worden waren.
Wenn sich der Zustand Sterbender verschlechtert, wird die antimikrobielle Therapie oft routinemäßig fortgeführt — die Analyse aus Rochester verbindet das mit einem um 47 Prozent erhöhten Sterberisiko. Unser kostenloser Leitfaden zeigt in 3 Schritten, wie Sie Einsatz und Grenzen frühzeitig besprechen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Zielkonflikt zwischen Symptomkontrolle und Belastung
In der palliativen Versorgung werden antimikrobielle Mittel üblicherweise nicht primär zur Lebensverlängerung verabreicht, sondern dienen vorrangig der Linderung akuter Beschwerden. Dazu zählen etwa Symptome wie Fieber, Schmerzen oder Atemnot, die durch Harnwegs- oder Lungeninfektionen ausgelöst werden. Das eigentliche Ziel dieser Maßnahmen besteht darin, die verbleibende Lebensqualität der Betroffenen zu stabilisieren oder zu verbessern.
Gleichzeitig gehen pharmakologische Interventionen dieser Art mit Nebenwirkungen einher. Neben unerwünschten Reaktionen wie Diarrhö besteht das Risiko, den Sterbeprozess unbeabsichtigt zu verkomplizieren und das Leiden der Patientinnen und Patienten zu verlängern.
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Wenn sich der Gesamtzustand von Sterbenden verschlechtert, sollte eine antimikrobielle Therapie nach fachlicher Einschätzung daher nicht routinemäßig eskaliert werden. Dies betrifft insbesondere den Wechsel auf Breitspektrum-Antibiotika oder intravenöse Darreichungsformen.
Aufgrund der Studienergebnisse plädieren Experten dafür, offene Gespräche über den Einsatz und die Grenzen von antimikrobiellen Therapien bereits zum Zeitpunkt der Hospizaufnahme zu führen. Eine frühzeitige Aufklärung der Betroffenen und ihrer Angehörigen könne dazu beitragen, unrealistische Erwartungen zu vermeiden und Fehlentscheidungen am Lebensende abzuwenden.
