AOK Bayern: KI schÀtzt Pflegegrad vor dem offiziellen Antrag ein
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 07:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie AOK Bayern hat am 2. November in Kooperation mit dem Unternehmen Nui Care neue digitale Angebote gestartet, die auf kĂŒnstlicher Intelligenz basieren. Das Pilotprodukt soll PflegebedĂŒrftigen sowie deren Angehörigen dabei helfen, eine schnelle und persönliche ErsteinschĂ€tzung eines möglichen Pflegegrads vorzunehmen. Ziel ist es, den Zugang zu pflegebezogenen Leistungen und Beratungsangeboten durch digitale Schnittstellen zu erleichtern.
Kostenfreie Orientierung entlang offizieller Kriterien
Die neuen digitalen Services stehen sowohl den Versicherten der Krankenkasse als auch ihren Angehörigen kostenfrei zur VerfĂŒgung. Bei der Ermittlung der vorlĂ€ufigen EinschĂ€tzung orientiert sich das KI-System an der offiziellen Begutachtungsrichtlinie des Medizinischen Dienstes (MD). Auf diese Weise sollen Nutzer eine realistische Orientierung darĂŒber erhalten, welcher Pflegegrad im individuellen Einzelfall infrage kommen könnte.
Die digitale VorprĂŒfung ersetzt das gesetzlich geregelte Verfahren allerdings nicht. Die rechtsverbindliche Einstufung in einen der fĂŒnf Pflegegrade erfolgt auch weiterhin ausschlieĂlich durch die zustĂ€ndige Pflegekasse. Diese stĂŒtzt sich bei ihrer formellen Entscheidung weiterhin auf das regulĂ€re Gutachten und die Empfehlung des Medizinischen Dienstes. Das neue digitale Hilfsmittel dient somit primĂ€r als vorbereitendes Orientierungsinstrument fĂŒr Familien, bevor ein offizieller Antrag gestellt oder begutachtet wird.
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Funktionsumfang der AOK Pflege-App
Technisch integriert ist das System in die AOK Pflege-App, die im Zuge der EinfĂŒhrung erweitert wurde. Zu den zentralen Komponenten gehört ein KI-Chatbot, der Fragen rund um die Pflegesituation beantwortet und durch den Prozess der ErsteinschĂ€tzung fĂŒhrt.
DarĂŒber hinaus beinhaltet die mobile Anwendung einen personalisierten Pflegeplan, der an die jeweilige Situation der Beteiligten angepasst werden kann. Ein digitaler Steckbrief bĂŒndelt wichtige Informationen und Daten zur betreuten Person an einem zentralen Ort. Ein erweiterter Ratgeber bietet zudem vertiefende Informationen zu Versorgungsformen, Rechten und Entlastungsangeboten im Pflegealltag.
Digitale Assistenten ergÀnzen bestehende Fachberatung
Das digitale Werkzeug soll die bestehende Beratungsstruktur der Krankenkasse nicht ersetzen, sondern ergĂ€nzen. Die persönliche Beratung vor Ort bleibt ein zentraler Pfeiler: Bayernweit sind 74 Pflegeberaterinnen und Pflegeberater fĂŒr die AOK Bayern im Einsatz, um Betroffene und ihre Angehörigen individuell zu begleiten. Wie die Krankenkasse mitteilte, fĂŒhrten diese FachkrĂ€fte im Jahr 2025 mehr als 47.000 Pflegeberatungen durch.
Neben der rechtlichen Einstufung des Pflegegrads ist die Beobachtung geistiger VerĂ€nderungen ein wichtiger Baustein fĂŒr die hĂ€usliche Vorsorge. Ein einfacher Selbsttest mit 7 gezielten Fragen hilft Angehörigen und Betroffenen dabei, erste Warnsignale einer Demenz frĂŒhzeitig und diskret von zu Hause aus einzuschĂ€tzen. Anonymen 2-Minuten-Demenz-Check jetzt starten
Mit der EinfĂŒhrung des Pilotprodukts reagiert das Unternehmen auf den wachsenden Orientierungsbedarf im Vorfeld einer formalen Pflegebegutachtung. Die Kombination aus automatisierter ErsteinschĂ€tzung und anschlieĂender fachlicher Begleitung soll dazu beitragen, Unsicherheiten beim Erstantrag abzubauen und den bĂŒrokratischen Prozess fĂŒr Familien verstĂ€ndlicher zu gestalten.
