AOK-Klinikvergleich: Komplikationsrate bei Schulter-OPs viermal höher
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin systematischer Qualitätsvergleich der Krankenkasse AOK zeigt deutliche Differenzen bei chirurgischen Eingriffen an Hüfte, Knie und Schulter. Wie aus einer Auswertung hervorgeht, variiert das Behandlungsniveau zwischen den Krankenhäusern erheblich.
Besonders ausgeprägt zeigten sich die Abweichungen bei Schulteroperationen: In den Kliniken mit den schwächsten Ergebnissen lag die Komplikationsrate viermal höher als in den am besten bewerteten Einrichtungen. Die Erhebung hebt gezielt Häuser hervor, die hohe Fallzahlen mit einer überdurchschnittlichen Behandlungsqualität verbinden.
Hohe Fallzahlen und Risikofaktoren bei Folgeeingriffen
In Deutschland werden jährlich mehr als 220.000 Hüftprothesen implantiert. Obwohl Studien zufolge über 90 Prozent der Patientinnen und Patienten mit ihrem künstlichen Hüftgelenk sehr zufrieden sind, bleiben Wechseloperationen und Komplikationen eine klinische Herausforderung.
Nach Angaben des Endoprothesenregisters Deutschland (EPRD) wurden im Jahr 2025 fast 40.000 Folgeeingriffe an Knie- und Hüftgelenken registriert. Als häufigste Auslöser für solche Revisionen nennt das Register Lockerungen der Implantate sowie Infektionen. Bei Knieendoprothesen waren 16 Prozent der Zweiteingriffe auf eine Infektion zurückzuführen, bei Hüftprothesen lag dieser Anteil bei 20 Prozent.
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Neben der chirurgischen Routine und der Qualität der ausführenden Klinik spielen auch individuelle Risikofaktoren eine messbare Rolle für den Erfolg einer Operation.
Laut der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) treten Wundheilungsstörungen, Infekte und Prothesenlockerungen bei Rauchern mindestens doppelt so häufig auf wie bei Nichtrauchern. Ein Rauchstopp sechs Wochen vor sowie sechs Wochen nach der Operation könne das zigarettenbedingte Risiko demnach um 50 Prozent senken.
Auch das Körpergewicht beeinflusst die Sicherheit des Eingriffs: Untersuchungen zur Studienlage zeigen, dass das Wundinfektionsrisiko bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 27 bis 31 um das Vierfache steigt, während es bei einem BMI von über 31 um das Achtfache erhöht ist.
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Debatte um Indikationsstellung und geplante Zweitmeinung
Die hohe Zahl an endoprothetischen Eingriffen steht regelmäßig im Fokus fachlicher Diskussionen. Tobias Renkawitz vom Asklepios Klinikum Bad Abbach äußerte sich am 24. Oktober 2026 in einem Podcast der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu den Gründen für die hohen Operationszahlen bei Hüftprothesen.
Zugleich ordnete der Mediziner ein, wie die ab 2027 geplante verpflichtende Einholung einer Zweitmeinung vor entsprechenden Eingriffen einzuschätzen ist. Transparente Qualitätsdaten und strukturierte Indikationsprüfungen sollen künftig dazu beitragen, unnötige Eingriffe zu vermeiden und Komplikationen im Vorfeld zu reduzieren.
