Apotheken-Boom, Apothekern

Apotheken-Boom: 80% vertrauen Apothekern bei Gesundheitsfragen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 11:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Apotheken erweitern ihre Gesundheitsangebote um Telemedizin und Beratung, während die Zahl der Standorte sinkt und das Vertrauen hoch bleibt.

Deutsche Apotheken bauen Beratung trotz Standortschwund aus
Ein minimalistisch eingerichteter Beratungsraum in einer Apotheke mit Tageslicht und schlichter Inneneinrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Die deutsche Apotheke verändert ihr Profil. Neben der klassischen Medikamentenabgabe rücken zunehmend Beratungs- und Versorgungsleistungen in den Vordergrund, die weit über den Verkauf am Handverkaufstisch hinausgehen.

Dazu zählen Medikationsberatungen, Blutdruckmessungen, die Einweisung in Inhalationsgeräte, Krebs-Medikationsberatung sowie die Therapiebegleitung nach Organtransplantationen. Auch Impfungen gegen Covid-19 und Grippe gehören mittlerweile zum Angebot vieler Apotheken.

Bei der Medikationsberatung übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten, sofern Patientinnen und Patienten mindestens fünf verordnete Medikamente einnehmen. Wer weniger Präparate verordnet bekommt, kann die Leistung als Selbstzahler in Anspruch nehmen. Eine Übersicht der erweiterten Leistungen ist über die Plattform ApoGuide.de abrufbar, die auch als App für Android und iOS zur Verfügung steht.

Assistierte Telemedizin als neue Säule

Seit Juli 2026 können Apotheken zusätzlich assistierte Telemedizin anbieten. Dabei ermöglichen sie digitale Arztkontakte direkt vor Ort, unterstützt durch das Apothekenpersonal.

Die Kosten für diese Leistung übernehmen sowohl gesetzliche als auch private Krankenkassen. Damit erweitert sich die Rolle der Apotheke von der reinen Abgabestelle hin zu einem niedrigschwelligen Zugangspunkt zur ärztlichen Versorgung, insbesondere dort, wo der direkte Weg zur Arztpraxis mit längeren Wegen oder Wartezeiten verbunden ist.

Strukturwandel trotz sinkender Apothekenzahl

Der Ausbau der Dienstleistungen fällt in eine Phase, in der die Zahl der Apotheken in Deutschland weiter zurückgeht. Nach Daten der Abda lag die Apothekenzahl Ende Juni 2026 bei 16.488 – 113 weniger als zum Jahreswechsel.

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Der Rückgang fiel damit kleiner aus als im ersten Halbjahr 2025, als 238 Apotheken verschwanden. Seit Januar wurden 30 Neueröffnungen registriert, denen 143 Schließungen gegenüberstanden.

Parallel zum Rückgang der Standorte wurde die Vergütung für die Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente angepasst: Zum 1. Juli 2026 stieg das Fixhonorar pro Packung von 8,35 Euro auf 9,00 Euro. Eine weitere Anhebung auf 9,50 Euro ist zum 1. Januar 2027 vorgesehen.

Die Honorarerhöhung fällt zeitlich mit dem Ausbau der Dienstleistungen zusammen und dürfte die zusätzlichen Beratungsangebote wirtschaftlich absichern helfen, während die Zahl der Standorte insgesamt schrumpft.

Vertrauen als Kapital der Apotheken

Dass Apotheken als Anlaufstelle für Gesundheitsfragen eine besondere Stellung genießen, zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK unter 1.043 Personen zwischen 18 und 70 Jahren, durchgeführt zwischen dem 7. und 18. August 2026. Demnach vertrauen 80 Prozent der Befragten Apothekern, nach Ärzten mit 90 Prozent der zweithöchste Wert unter den abgefragten Informationsquellen. Krankenkassen kamen auf 75 Prozent, Influencer dagegen nur auf 4 Prozent.

Die Umfrage ergab zudem, dass 69 Prozent der Befragten Potenzial sehen, mehr gesunde Lebensjahre zu gewinnen, während die Hälfte den Begriff Longevity kennt – bei Frauen mit 54 Prozent etwas häufiger als bei Männern mit 46 Prozent.

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Als konkrete Maßnahmen nannten 74 Prozent mehr Sport, 71 Prozent die Pflege sozialer Kontakte, 62 Prozent Gehirntraining, 59 Prozent verbesserten Schlaf und 44 Prozent die Nutzung von Wearables. Als Hürden gaben 49 Prozent an, das Älterwerden als natürlichen Prozess zu betrachten, 40 Prozent nannten Zeitmangel, 35 Prozent fehlende Motivation und 22 Prozent zu hohe Kosten.

Vor diesem Hintergrund gewinnt das erweiterte Leistungsspektrum der Apotheken an Bedeutung: Als niedrigschwellige, wohnortnahe und laut Umfrage besonders vertrauenswürdige Anlaufstelle könnten Apotheken künftig eine größere Rolle bei Prävention, Beratung und Begleitung chronisch oder schwer erkrankter Patientinnen und Patienten spielen – auch wenn die Zahl der Standorte selbst weiter sinkt.

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