Apotheken unter Druck: Kassenabschlag steigt ab Januar 2027
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 21:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der PharmagroĂhĂ€ndler Phoenix hat sich mit 50 Prozent an der Apothekenkooperation Linda beteiligt. Damit stĂ€rkt das Unternehmen seine Position im deutschen Apothekenmarkt â und das in einer Phase massiver regulatorischer UmbrĂŒche.
Strategischer Schulterschluss
Bereits im April 2026 ĂŒbernahm Phoenix die HĂ€lfte der Anteile an der Kooperation. Mit der Neuordnung der EigentumsverhĂ€ltnisse wurde auch der Aufsichtsrat umstrukturiert: Phoenix-Chef Marcus Freitag ĂŒbernahm den Vorsitz, unterstĂŒtzt von Thomas Ehmann (ebenfalls Phoenix) sowie den MVDA-Vertretern Gabriela Hame-Fischer und Dirk Vongehr als Stellvertreter.
Die Kooperation umfasst rund 4.800 Mitgliedsapotheken, davon etwa 500 Premium-Apotheken. Ziel der engeren Anbindung an den GroĂhĂ€ndler: die langfristige Sicherung der WettbewerbsfĂ€higkeit stationĂ€rer Apotheken.
GKV-Spargesetz setzt Apotheken unter Druck
Die Rahmenbedingungen fĂŒr die Branche verschĂ€rfen sich drastisch. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG) trat heute in Kraft â veröffentlicht am 29. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt. Es sieht Einsparungen von insgesamt 19 Milliarden Euro vor.
FĂŒr Apotheken bedeutet das konkret: Ab 1. Januar 2027 steigt der Kassenabschlag von 1,77 auf 2,07 Euro pro verschreibungspflichtiger Packung. Der Zuzahlungskorridor fĂŒr Patienten erhöht sich von 5 bis 10 Euro auf 7,50 bis 15 Euro.
Weitere Einschnitte sind bereits heute wirksam: CannabisblĂŒten werden nicht mehr als Kassenleistung ĂŒbernommen, fĂŒr Extrakte gilt weiterhin eine Genehmigungspflicht. Homöopathie wird zum Jahresbeginn 2027 komplett als Satzungsleistung gestrichen.
Versandhandel legt krÀftig zu
Der Kassenabschlag steigt ab Januar 2027 auf 2,07 Euro pro Packung â das spĂŒren Sie direkt in Ihrer LiquiditĂ€t. Gleichzeitig wĂ€chst der Versandhandel massiv und die Skonti-Neuregelung birgt weitere Risiken. Dieser kostenlose Report liefert Ihnen eine konkrete Checkliste zur LiquiditĂ€tssicherung und Strategien gegen den Rabattwettbewerb. Jetzt kostenlosen LiquiditĂ€ts-Report anfordern
WĂ€hrend die Apotheken vor Ort mit steigenden AbschlĂ€gen kĂ€mpfen, boomen die Versender. Redcare Pharmacy meldete fĂŒr das zweite Quartal 2026 einen Konzernumsatzanstieg um 20 Prozent auf 853 Millionen Euro. Das Rx-Segment in Deutschland wuchs sogar um 58 Prozent auf 180 Millionen Euro.
Die Debatte um Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente verschĂ€rft sich. Versandapotheken wie Shop Apotheke und DocMorris werben mit ZuzahlungsĂŒbernahmen von bis zu 20 Euro â gestĂŒtzt auf ein EuGH-Urteil von 2016. Die ABDA fordert dagegen ein striktes Rabattverbot. Die Vor-Ort-Apotheken könnten solche NachlĂ€sse wirtschaftlich nicht stemmen.
Neue Regeln fĂŒr den GroĂhandel
ZusĂ€tzliche Unsicherheit bringt die angekĂŒndigte Neuregelung der Skonti im GroĂhandel. Eine entsprechende Verordnung wird fĂŒr August 2026 erwartet, konkrete KonditionengesprĂ€che sollen ab September möglich sein. Finanzexperten der Treuhand Hannover warnen vor LiquiditĂ€tsrisiken: SkontofĂ€hige UmsĂ€tze machen oft nur 30 bis 50 Prozent der Nettoeinkaufssumme aus.
Wechsel im Gesundheitsministerium
Mitten in dieser Umbruchphase ĂŒbernimmt Dr. Carsten Linnemann das Bundesgesundheitsministerium. Er folgt auf Nina Warken, die als Kanzleramtsschefin in die Regierungszentrale wechselt. ABDA-PrĂ€sident Thomas Preis gratulierte am 29. Juli und lud den neuen Minister zum Deutschen Apothekertag am 15. September 2026 nach MĂŒnchen ein.
Versandapotheken wie Redcare wachsen mit Rx-Rabatten um 58 Prozent â wĂ€hrend Sie vor Ort mit steigenden AbschlĂ€gen kĂ€mpfen. Die neue Skonto-Verordnung ab September kann Ihre LiquiditĂ€t zusĂ€tzlich belasten, wenn Sie nicht richtig planen. Unser Report zeigt, wie Sie Ihre Ertragskraft sichern und den Wettbewerb bestehen. Strategie-Report jetzt sichern
US-Zölle als zusÀtzliche Belastung
Auch international steht die Branche unter Druck. Am 31. Juli 2026 treten US-Zölle auf patentgeschĂŒtzte Arzneimittel und Wirkstoffe in Kraft. Industrievertreter befĂŒrchten mittelbare Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland. Die GroĂhĂ€ndler reagieren: Sie investieren verstĂ€rkt in Notstromaggregate und erweiterte BevorratungskapazitĂ€ten.
