Apothekenreform, Blutentnahmen

Apothekenreform: Blutentnahmen und Impfungen ab sofort möglich

05.06.2026 - 14:25:10 | boerse-global.de

Die Apothekenreform erweitert Leistungen wie Blutentnahmen und Impfungen. Trotz mehr Aufgaben sinkt die Zahl der Apotheken weiter.

Apothekenreform 2026: Neue Aufgaben und steigende Honorare
Apothekenreform - Eine Apothekerin in einer modernen Apotheke, die eine Blutentnahme oder Impfung durchfĂŒhrt. 05.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Grundlage ist die im Mai 2026 vom Bundestag verabschiedete Apothekenreform (ApoVWG). Das Gesetz erweitert das Leistungsspektrum deutlich.

Mehr medizinische Kompetenz vor Ort

Apotheker dĂŒrfen kĂŒnftig venöse Blutentnahmen durchfĂŒhren und ein erweitertes Spektrum an Schnelltests anbieten – etwa auf Influenza oder Noroviren. In bestimmten FĂ€llen können sie kleinste PackungsgrĂ¶ĂŸen rezeptpflichtiger Medikamente ohne Ă€rztliches Folgerezept abgeben, um eine Behandlung fortzusetzen.

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Auch das Impfangebot wĂ€chst: Neben Grippe- und COVID-19-Impfungen sind nun auch Tetanus- oder FSME-Impfungen fĂŒr Erwachsene erlaubt. Ziel ist es, den Patientenzugang zum Gesundheitssystem zu verbessern und die Ă€rztliche Notfallversorgung zu entlasten.

Pharmazeutische Dienstleistungen boomen

Die neuen Angebote kommen an. Daten fĂŒr 2025 zeigen: Knapp eine Million pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) wurden in Anspruch genommen. Schwerpunkt war die Medikationsberatung bei Polymedikation mit rund 300.000 DurchfĂŒhrungen.

Besonders deutlich wird der Trend bei Schutzimpfungen. In der Grippesaison 2025/2026 verzeichneten Apotheken bundesweit etwa 220.000 Impfungen – doppelt so viele wie in der Vorsaison. Allein in Nordrhein, wo knapp 1.900 Apotheken im Schnitt 5.135 Einwohner versorgen, waren es rund 44.000 Grippeschutzimpfungen.

Apotheken als Drehkreuz der PrimÀrversorgung

Die Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbĂ€nde (ABDA) hat Anfang Juni 2026 ein Positionspapier vorgestellt. Titel: „Die zukĂŒnftige Rolle der Apotheke in der PrimĂ€rversorgung“. Die Apothekerschaft fordert darin eine zentrale Position bei gesundheitspolitischen Entscheidungen.

Geplant ist die Apotheke als erste Anlaufstelle nach einer digitalen ErsteinschĂ€tzung. Dazu gehören assistierte Telemedizin, AufklĂ€rung zur elektronischen Patientenakte (ePA) und zu digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA). Ein weiterer Baustein: die strukturierte Anschlussbetreuung innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach einer Krankenhausentlassung. Dr. Armin Hoffmann, PrĂ€sident der Bundesapothekerkammer (BAK), betont: „Die Versorgungskette ist nur unter Einbeziehung der Apotheken vollstĂ€ndig.“

Wirtschaftlicher Druck trotz neuer Aufgaben

Die Branche steht unter Druck. Bis MĂ€rz 2026 sank die Zahl der Apotheken auf 16.541 – der niedrigste Stand seit 1977. Um die wirtschaftliche Basis zu stabilisieren, wurde erstmals seit 2013 das Apothekenhonorar fĂŒr rezeptpflichtige Medikamente angehoben.

Die Erhöhung des Fix-Bestandteils pro Packung erfolgt in zwei Stufen: Zum 1. Juli 2026 steigt der Betrag von 8,35 Euro auf 9,00 Euro. Eine weitere Anhebung auf 9,50 Euro folgt am 1. Januar 2027. Die Krankenkassen belastet das mit jÀhrlich 875 Millionen Euro.

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Politischer ZĂŒndstoff

Die Reform findet in einem spannungsgeladenen Umfeld statt. ABDA-PrĂ€sident Thomas Preis bezeichnet die Honorarerhöhung als ĂŒberfĂ€llig. Gesundheitsministerin Nina Warken sieht sich dagegen mit Widerstand gegen Sparpakete konfrontiert. Ihr Ministerium strebt eine Entlastung der Krankenkassen um 16,3 Milliarden Euro im Jahr 2027 an.

Das stĂ¶ĂŸt beim HausĂ€rzteverband auf massive Kritik. FĂŒr Mitte Juni 2026 haben Ärztevertreter Protestaktionen angekĂŒndigt. Sie sehen die hausĂ€rztliche Versorgung bedroht.

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