Wettbewerb, Apple

Apple attackiert EU-Gesetz DMA - BrĂŒssel kontert

25.09.2025 - 16:20:03 | dpa.de

Apple sieht sich durch das europĂ€ische Digitalgesetz DMA benachteiligt. Das Gesetz sorge nicht fĂŒr mehr Wettbewerb, sondern schlechtere GerĂ€te - die EU-Kommission verteidigt sich.

Apple hat die EU aufgefordert, ihr Wettbewerbsgesetz DMA abzuschaffen. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Apple hat die EU aufgefordert, ihr Wettbewerbsgesetz DMA abzuschaffen. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der iPhone-Hersteller Apple hat die EuropĂ€ische Union aufgefordert, ihr Wettbewerbsgesetz DMA, den Digital Markets Act, aufzuheben. Die extreme Auslegung des Gesetzes durch die EuropĂ€ische Kommission habe nicht den Wettbewerb gefördert, sondern nur neue Schwachstellen geschaffen, heißt es in einer Stellungnahme des US-Konzerns an die EU-Kommission im Zuge eines offiziellen ÜberprĂŒfungsverfahrens («DMA-Review»).

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, Apple habe seit Inkrafttreten des DMA jeden einzelnen Punkt des Gesetzes angefochten, was nicht zur Darstellung des Unternehmens passe, uneingeschrÀnkt mit der Kommission zusammenarbeiten zu wollen. Unternehmen wie Apple wollten ihre Gewinne um jeden Preis verteidigen. Das Gesetz ziele aber darauf, Verbrauchern in der EU mehr Auswahl zu bieten und europÀischen Unternehmen zu erlauben, fair zu konkurrieren. 

Zu den zahlreichen Kritikpunkten, die Apple auf 25 Seiten ausfĂŒhrt, gehört etwa die erzwungene Öffnung der Art und Weise, wie Programme auf dem iPhone installiert werden können. Der DMA hatte Apple dazu gezwungen, neben dem eigenen App-Store auch alternative MarktplĂ€tze fĂŒr Anwendungen zuzulassen.

Alternative Stores bringen Pornografie auf das iPhone

Aus Sicht von Apple hatte das fatale Folgen: «Die EuropĂ€ische Kommission hat den DMA dazu genutzt, um eine kompliziertere, weniger vertrauenswĂŒrdige Praxis zu schaffen, die unseren Nutzern völlig neue Gefahren bringt. Sie hat BetrĂŒgern und Malware TĂŒr und Tor geöffnet und neue Kategorien von Apps auf das iPhone gebracht – wie Pornografie –, die Apple nie zugelassen hat und die Kinder neuen Risiken aussetzen.» 

Apple beschwert sich in dem Papier auch darĂŒber, dass es in der EU unterschiedliche Regeln fĂŒr unterschiedliche Unternehmen gebe. So sei Samsung im Gegensatz zu Apple nicht als sogenannter Gatekeeper eingestuft worden, obwohl der sĂŒdkoreanische Konzern in Europa MarktfĂŒhrer bei Smartphones sei.

Apple sieht sich unter verschÀrfter Beobachtung

Außerdem habe die EU-Kommission ihre Durchsetzungsmaßnahmen fast ausschließlich auf Apple konzentriert. Der iPhone-Konzern sei fĂŒnfmal von der Kommission ins Visier genommen worden – «mehr als alle anderen Unternehmen zusammen».

Die Kommission habe auch viel schneller Entscheidungen gegen Apple getroffen. «Die Untersuchungen anderer Gatekeeper kommen nur schleppend voran, wÀhrend die Kommission ihre Kampagne zur Neugestaltung des iPhones vorantreibt.» Apple beklagte auch eine «beispiellose Geldstrafe wegen angeblicher Nichteinhaltung einer gesetzlichen Bestimmung». 

Der US-Konzern war im April dieses Jahres dazu verdonnert worden, eine Strafe von 500 Millionen Euro zu zahlen. Apple hatte nach Ansicht der EU-Kommission die App-Entwickler daran gehindert, Nutzer auf alternative und möglicherweise gĂŒnstigere Angebote außerhalb des App-Stores hinzuweisen.

Der Kommissionssprecher verteidigte die Verfahren der Behörde: Die zustÀndigen Experten seien unabhÀngig und achteten bei ihren Entscheidungen nicht darauf, ob es sich um ein amerikanisches, asiatisches oder europÀisches Unternehmen handle. 

Fehlende Funktionen wegen DMA

Apple schreibt nun, die drohenden Geldstrafen hĂ€tten dazu gefĂŒhrt, dass man in der EuropĂ€ischen Union bestimmte Funktionen fĂŒr das iPhone und andere GerĂ€te nur mit Verzögerung oder gar nicht einfĂŒhren könne. Als Beispiel nannte Apple die Funktion der Live-Übersetzung von GesprĂ€chen in unterschiedlichen Sprachen durch die neueste Generation der AirPods-Kopfhörer. Bei der Öffnung des Systems fĂŒr Kopfhörer anderer Hersteller mĂŒsse unbedingt vermieden werden, dass diese die Inhalte der GesprĂ€che auswerten können. 

«Wir haben Live-Übersetzung so konzipiert, dass Unterhaltungen unserer Nutzerinnen und Nutzer privat bleiben – sie werden direkt auf dem GerĂ€t verarbeitet und sind fĂŒr Apple nicht zugĂ€nglich», erklĂ€rte das Unternehmen in einem Blogeintrag. Teams von Apple arbeiteten derzeit an technischen Lösungen, um sicherzustellen, dass die Inhalte auch nicht an andere Unternehmen oder Entwickler weitergegeben werden.

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