Apple Smart Glasses: Neue Datenbrille statt Vision Pro ab 2027
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 03:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Apple verlagert seinen Fokus im AR-Geschäft: Statt des schweren Vision Pro setzt der Konzern künftig auf leichte Smart Glasses. Die erste Generation soll bereits 2027 erscheinen – zu einem Bruchteil des Preises.
Der Kurswechsel ist deutlich: Apples Vision Products Group arbeitet nach Informationen aus Unternehmenskreisen nicht mehr an einem Nachfolger des Vision Pro, sondern konzentriert sich auf eine neue Produktkategorie – eine Datenbrille im Stil herkömmlicher Sehhilfen. Eine neue Version des Vision Pro sei für mindestens zwei Jahre nicht geplant, heißt es aus der Branche.
Der Abschied vom teuren Headset
Nachdem Apple den Vision Pro im Oktober 2025 mit dem M5-Chip aktualisiert hatte, wurden offenbar Mitarbeiter vom Headset-Projekt abgezogen. Sie arbeiten nun an den Smart Glasses und an KI-Entwicklungen. Auch die Pläne für eine günstigere Variante des Vision Pro sollen gestoppt worden sein. Stattdessen fließen die Forschungsgelder in ein Gerät, das wie eine normale Brille aussieht.
Die erste Generation der Smart Glasses soll Ende 2027 auf den Markt kommen. Sie wird voraussichtlich mit Kameras, Mikrofonen und Lautsprechern ausgestattet sein und zwischen 200 und 500 US-Dollar kosten – umgerechnet etwa 180 bis 450 Euro. Die Funktionen der ersten Version dürften sich auf Navigation, Musik und Benachrichtigungen beschränken. Spätere Generationen sollen dann Gesundheits- und Fitness-Sensoren integrieren.
Gesundheit als neues Zugpferd
Interne Evaluierungen haben Apple offenbar dazu bewogen, die Gesundheitsstrategie für Wearables neu auszurichten. Ursprünglich wollte der Konzern Fitness+ und Körper-Tracking ins Vision Pro integrieren – diese Pläne wurden jedoch verworfen. Der Grund: Das Headset wiegt mehr als 500 Gramm und ist für solche Anwendungen schlicht zu schwer.
Die Smart Glasses sollen nun zum zentralen Gesundheitsbegleiter werden. Apple sucht derzeit einen „Strategic Product Design Leader" für die Vision Products Group, der Gesundheits-, Wellness- und Fitness-Funktionen vorantreiben soll. Künftige Generationen könnten Herzfrequenzsensoren und Kameras enthalten, die die Bewegungsausführung beim Training analysieren. In der ersten Version von 2027 werden diese Funktionen aber wohl noch fehlen.
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Vision Pro: Nischenerfolg im OP-Saal
Trotz der Neuausrichtung bleibt der Vision Pro in spezialisierten Bereichen gefragt. Eine Studie des UC San Diego Shiley Eye Institute vom 4. August 2026 zeigt den Einsatz des Headsets in der endoskopischen Chirurgie. Das Ergebnis: 19 Prozent kürzere Operationszeiten und eine funktionale Erfolgsrate von 100 Prozent. Zudem seien die Kosten im Vergleich zu herkömmlichen chirurgischen Bildgebungssystemen deutlich niedriger.
Der Nischenerfolg kommt in einer turbulenten Phase für Apple. Im dritten Quartal 2026 meldete der Konzern am 30. Juli einen Rekordumsatz von 109,4 Milliarden US-Dollar. Dennoch fiel der Aktienkurs am Folgetag um mehr als sieben Prozent. Investoren sorgen sich um Lieferkettenprobleme und die verhaltenen Wachstumsprognosen für das Schlussquartal – obwohl iPhone- und Mac-Verkäufe zweistellig zulegten.
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Wettbewerb: Wer setzt auf AR?
Apple ist nicht der einzige Konzern, der im AR-Markt umdenkt. Die Konkurrenz kämpft mit ähnlichen Herausforderungen:
- Snap meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 1,6 Milliarden US-Dollar, bleibt aber vorsichtig beim Massenmarkt. CEO Evan Spiegel rechnet nicht vor Ende des Jahrzehnts mit einem Durchbruch der AR-Brille – das Gerät für 2.195 US-Dollar ist schlicht zu schwer und zu teuer. Der offizielle Launch ist für den 16. September angekündigt.
- Samsung setzt beim Galaxy XR, seit Oktober 2025 für 1.799 US-Dollar erhältlich, auf Enterprise und Gesundheit. Anfang 2026 erhielt das Gerät offizielle Android-Enterprise-Unterstützung. Mit dem Koreanischen Roten Kreuz laufen Pilotprojekte zur medizinischen Meditation.
Die Branche beobachtet: Der Markt für hochpreisige Headsets bleibt auf Unternehmen und medizinische Anwendungen beschränkt. Der Weg zum Massenkonsumenten führt dagegen über leichte, KI-gestützte Datenbrillen – genau dorthin steuert Apple nun.
