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Apple warnt in 99 Ländern: Auch Bundestagsabgeordnete im Visier von Spyware

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 12:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das BSI kontaktierte betroffene Politiker und empfahl Schutzmaßnahmen; ein erfolgreicher Zugriff auf ihre Geräte war der Behörde nicht bekannt.
Ein leerer, modern eingerichteter Konferenzraum in einem Regierungsgebäude bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Der Technologiekonzern Apple hat Nutzer in 99 Ländern vor gezielten Attacken durch kommerzielle Spionagesoftware gewarnt. Von den Bedrohungsbenachrichtigungen sind auch Abgeordnete des Deutschen Bundestages sowie Mitglieder der Bundesregierung betroffen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wandte sich daraufhin an die Betroffenen im politischen Raum.

BSI rät zu Sicherheitsvorkehrungen

Das BSI informierte Bundestagsabgeordnete und Regierungsmitglieder darüber, dass ihre iPhones ins Visier von sogenannter Söldner-Spionagesoftware geraten sein könnten. Grundlage für diesen Schritt war eine Sicherheitswarnung des Herstellers.

In einem Schreiben empfahl die Behörde, die jeweiligen Geräte vorsorglich so zu behandeln, als seien sie kompromittiert. Die Benachrichtigung des Herstellers bestätigt zunächst lediglich einen Angriffsversuch und keinen tatsächlichen Befall.

Nach Angaben des BSI vom 1. November 2026 lagen keine näheren Informationen zu den genauen Hintergründen oder dem konkreten Anlass vor; ein erfolgreiches Eindringen in die Geräte war der Behörde zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Als Schutzmaßnahmen riet das BSI, betroffene Geräte umgehend vom Netzwerk zu trennen, den integrierten Blockierungsmodus des Betriebssystems zu aktivieren und eine forensische Analyse durchführen zu lassen.

Laut dem BSI ermöglicht derartige Spionagesoftware den Zugriff auf vertrauliche Kommunikationsinhalte, darunter Daten aus verschlüsselten Nachrichtendiensten, Anrufprotokolle, Kontakte, Kalendereinträge und Aufenthaltsorte. Zudem können Mikrofon und Kamera ferngesteuert werden. Solche Angriffe können unter anderem als Zero-Click-Angriffe ohne jegliche Interaktion der Nutzer über den Dienst iMessage erfolgen.

Digitalminister Karsten Wildberger bestätigte im ARD-Format Bericht aus Berlin die Warnungen, wonach ausgewählte Geräte womöglich ins Visier geraten seien. Das BSI habe sehr rasch gehandelt und die betreffenden Personen kontaktiert.

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Zu der genauen Anzahl oder den Identitäten der Zielpersonen nannte Wildberger keine Details und stufte weitergehende Mutmaßungen als spekulativ ein. Einen zwingenden Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz sah er nicht, bezeichnete das Geschehen jedoch als besorgniserregend.

Warnmeldungen in knapp 100 Staaten

Die aktuellen Benachrichtigungen gingen ab dem 29. Oktober 2026 auf den Geräten der Betroffenen ein. Am 30. Oktober 2026 verschickte der Konzern eine Warnwelle an ausgewählte iPhone-Besitzer in 99 Ländern, unter denen sich neben Politikern auch Journalisten und Dokumentarfilmer befanden. Der Sicherheitsforscher Costin Raiu machte den Text dieser Benachrichtigung öffentlich.

Apple stellte klar, dass die Angriffe mit hohem finanziellem Aufwand von mehreren Millionen Euro pro Zielperson operieren und sich damit deutlich von gewöhnlicher Internetkriminalität abheben. Zielpersonen seien vor allem Medienschaffende, Aktivisten, Diplomaten sowie Personen des öffentlichen Lebens.

Der Konzern verzichtete auf konkrete Zuweisungen an bestimmte Hersteller oder Angriffsgruppen und nannte weder spezifische Sicherheitslücken noch Vertriebswege. Die bekannte Spionagesoftware Pegasus diene in den Hinweisen lediglich als historischer Vergleich ohne direkte Zuschreibung.

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Die Zahl von 99 Ländern bezieht sich nach Unternehmensangaben auf die Aufenthaltsorte der Empfänger und nicht auf nachgewiesene Infektionen. Die genaue Gesamtzahl der angeschriebenen Personen sowie die Liste der Länder hält der Hersteller unter Verschluss.

Echte Sicherheitswarnungen des Unternehmens erscheinen direkt auf dem Sperrbildschirm, im Einstellungsmenü sowie per E-Mail, verlangen aber zu keinem Zeitpunkt die Eingabe von Passwörtern, Bestätigungscodes oder die Installation externer Apps.

Seit der Einführung des Benachrichtigungssystems im Jahr 2021 wurden Anwender in über 150 Staaten informiert. Eine vorherige Welle im August umfasste Nutzer in 110 Ländern.

Reaktionen aus der IT-Sicherheit

Experten der Forschungsgruppe Citizen Lab rieten betroffenen Personen, den systemeigenen Blockierungsmodus einschalten und Unterstützung bei der Organisation Access Now zu suchen, anstatt kommerzielle Dienstleister zu beauftragen.

Natalia Krapiva von Access Now betonte, dass die Auseinandersetzung mit dem Missbrauch digitaler Spionagewerkzeuge noch lange nicht beendet sei. Die Organisation stellt hierfür eine rund um die Uhr erreichbare Anlaufstelle bereit.

Auf internationaler Ebene existiert seit 2024 die von Großbritannien und Frankreich ins Leben gerufene Initiative Pall Mall Process. Ein Verhaltenskodex für Staaten trat 2025 mit 27 Unterzeichnern in Kraft. Ein entsprechender Rahmen für die Industrie wird für November 2026 erwartet.

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