APT29-Angriff, GerÀtefelder

APT29-Angriff: 394 GerÀtefelder helfen Hackern, Smartphones gezielt auszuspÀhen

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 11:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die im Oktober entdeckte Operation zielte auf mobile GerÀte; Apple und Google haben die ausgenutzten Schwachstellen bereits geschlossen.
Dunkler, industrieller Serverraum mit beleuchteten Metall-Serverracks in einer kĂŒhlen, technologischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Sicherheitsforscher des IT-Sicherheitsunternehmens Sekoia haben eine großflĂ€chige Watering-Hole-Kampagne aufgedeckt, die gezielt Nutzer mobiler Betriebssysteme ins Visier nimmt.

Laut einem Bericht von Sekoia vom 29. Oktober 2026 wird die Operation mit mittelhoher bis hoher Konfidenz der russischen Gruppierung APT29 zugeordnet, die auch unter Bezeichnungen wie Midnight Blizzard, Cozy Bear oder als Teil des Auslandsgeheimdienstes SVR bekannt ist.

Die AktivitĂ€ten wurden Mitte Oktober 2026 entdeckt. Die Angreifer fĂŒhrten ihre Kampagne ĂŒber kompromittierte und gefĂ€lschte Webseiten in den USA, der Ukraine, Tschechien und Bulgarien.

Manipulation legitimer Websites und gefÀlschte Portale

Die Kampagne nutzte drei zentrale Infektionsvektoren, um mobilen Datenverkehr abzufangen. Zum einen injizierten die Angreifer bösartigen JavaScript-Code direkt in legitime Webseiten. Betroffen waren unter anderem ein ukrainischer Gasproduzent, ein US-amerikanischer Chemieindustrieverband, eine bulgarische MilitÀrwebseite sowie eine europÀische Rechtspartei.

Als zweiter Vektor dienten sogenannte Reverse-Proxy-Domains nach dem Adversary-in-the-Middle-Prinzip, die Portale wie die Initiative America250 oder das Hotel Raffles London at The OWO imitierten.

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Drittens kompromittierten die Akteure den SEO-Tracker Plerdy ĂŒber die Domain a.plerdy.com. Dieser manipulierte Tracker wurde zwischen dem 27. August und dem 3. September 2026 von tausenden meist ukrainischen Websites geladen und verteilte den bösartigen Code weiter.

Automatisierte Profilierung und Exploit-Ketten

Sobald ein Smartphone eine der betroffenen Seiten ansteuerte, fĂŒhrte das injizierte JavaScript eine detaillierte GerĂ€te- und Browserprofilierung durch. Dabei erfasste eine Komponente namens UltimateFingerprinter insgesamt 394 Felder. Anhand dieser Merkmale lieferte der zentrale Befehlsserver (C2) maßgeschneiderte Exploit-Ketten vollstĂ€ndig ohne erforderliche Nutzerinteraktion an das ZielgerĂ€t aus.

Sekoia identifizierte drei spezifische Exploit-Klassen:
* Klasse A: Richtete sich gegen iOS 16.7 und nutzte die Schwachstellen CVE-2025-43529 sowie CVE-2024-27834 aus, um Cookies aus dem Safari-Browser abzugreifen.
* Klasse B: Griff iOS 18.5 mithilfe des Exploit-Baukastens DarkSword ĂŒber die LĂŒcken CVE-2025-43529, CVE-2026-20700, CVE-2025-14174, CVE-2025-43510 und CVE-2025-43520 an.

Dieser Pfad ermöglichte weitreichenden Zugriff auf SMS, iMessage, E-Mails, Datenbanken von WhatsApp und Telegram, den SchlĂŒsselbund, WLAN-Informationen, Kontakte, Safari-Cookies, Standortdaten, Gesundheitsdaten und Fotos.
* Klasse C: Visierte Chrome auf Android in den Versionen 139 bis 145 (ausgenommen Version 143) ĂŒber CVE-2026-3910 und CVE-2025-27038 an. Über eine Komponente namens AndroSnitch wurden Chrome-Cookies, Anmeldedaten, der Browserverlauf und WLAN-Details erbeutet.

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SicherheitslĂŒcken gepatcht und Gegenmaßnahmen eingeleitet

Die Angreifer verzichteten auf Persistenzmechanismen; ein einfacher Neustart des EndgerĂ€ts beendet die SchadaktivitĂ€t vollstĂ€ndig. Apple und Google haben sĂ€mtliche in der Kampagne ausgenutzten SicherheitslĂŒcken bereits gepatcht. Die Akteure setzten gezielt auf sogenannte n-Day-LĂŒcken, die nur auf GerĂ€ten mit veralteten SoftwarestĂ€nden erfolgreich ausgenutzt werden konnten.

Nach Angaben von Sekoia diente die Kampagne primĂ€r der nachrichtendienstlichen Informationsbeschaffung und sollte als Sprungbrett fĂŒr weitere IdentitĂ€ts- und Cloud-Intrusionen genutzt werden.

Gestohlene Cookies ermöglichen es den Angreifern, Zugriff auf Webmail-Dienste, Cloud-Suiten und interne Firmenportale zu erlangen, ohne Passwörter eingeben oder bestehende Multifaktor-Authentifizierungen ĂŒberwinden zu mĂŒssen. Um die Infrastruktur lahmzulegen, kontaktierte Sekoia das ukrainische Notfallteam CERT-UA sowie 25 Provider und Hosting-Dienstleister fĂŒr koordinierte Takedowns.

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