Arbeitsbelastung: Psychische Erkrankungen in Hotellerie verdreifacht
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 09:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Daten der Krankenkassen und Arbeitsmarktforscher verdeutlichen eine anhaltend hohe Belastung für Arbeitnehmer in Deutschland. Besonders im Pflegebereich sowie in der Hotellerie und Gastronomie zeigen sich deutliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten.
Ein zentrales Ergebnis aus Daten der Techniker Krankenkasse für Mecklenburg-Vorpommern belegt, dass Beschäftigte in Pflegeberufen dort im Durchschnitt 33 Fehltage pro Jahr verzeichnen. Als Hauptursachen gelten die enormen körperlichen und psychischen Anforderungen in diesem Sektor.
Massive Ausfälle im Pflegebereich und Gastgewerbe
Die Fehlzeiten in der Pflege spiegeln einen allgemeinen Trend wider. Laut Erhebungen der Techniker Krankenkasse für den Zeitraum von Januar bis November 2025 lag der durchschnittliche Krankenstand bei 18,6 Tagen, während er im Jahr 2021 noch bei 13 Tagen gelegen hatte. Neben der Pflege sieht sich auch das Gastgewerbe mit gesundheitlichen Herausforderungen konfrontiert.
Die AOK Rheinland/Hamburg bezifferte den Krankenstand in der Hotellerie für das Jahr 2025 im Rheinland auf 5,9 Prozent und in Nordrhein-Westfalen auf 5,7 Prozent. Im bundesweiten Durchschnitt lag dieser Wert bei 5,2 Prozent, was einen Rückgang im Vergleich zum Jahr 2024 (6,1 Prozent) bedeutet.
Innerhalb dieser Branche hat sich das Krankheitsgeschehen massiv verschoben. Der Anteil psychischer Erkrankungen an den gesamten Arbeitsunfähigkeitstagen in der Hotellerie hat sich innerhalb eines Jahrzehnts verdreifacht.
Während dieser Wert vor zehn Jahren noch bei 4,7 Prozent lag, erreichte er im Jahr 2025 eine Quote von 15,9 Prozent. Damit wurden Atemwegserkrankungen (15,0 Prozent) als zweithäufigster Grund für Fehlzeiten abgelöst. Führend bleiben jedoch weiterhin Muskel-Skelett-Erkrankungen, die 19,4 Prozent der Ausfälle im rheinischen Gastgewerbe verursachten.
Belastungsmuster in spezialisierten Dienstleistungssektoren
Hohe Arbeitsbelastungen werden auch aus Bereichen gemeldet, die nicht primär für körperliche Arbeit bekannt sind. Experten für psychische Gesundheit weisen darauf hin, dass Steuerkanzleien zu den am stärksten belasteten Arbeitsumfeldern zählen, wobei Wochenarbeitszeiten von 50 bis 60 Stunden keine Seltenheit seien.
Als typische Warnsignale für eine Überlastung oder einen drohenden Burnout gelten in diesen Fachkreisen eine steigende Personalfluktuation, vermehrte Kurzkrankenmeldungen sowie der sogenannte Präsentismus, bei dem Mitarbeiter trotz gesundheitlicher Einschränkungen zur Arbeit erscheinen.
Die AOK-Daten zeigen: Psychische Erkrankungen sind in der Hotellerie heute für 15,9 % aller Fehltage verantwortlich – dreimal so viel wie vor zehn Jahren. Wer jetzt nicht gegensteuert, verliert wertvolle Fachkräfte an Überlastung. Unser Leitfaden liefert konkrete Maßnahmen: Burnout-Checkliste, Check-in-Routinen und klare Grenzen für die digitale Erreichbarkeit. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, raten Fachleute zu regelmäßigen Check-ins und einer Begrenzung der digitalen Erreichbarkeit, etwa durch den Verzicht auf E-Mails nach 18 Uhr.
Dass die Arbeitsbelastung auch zu organisatorischen Problemen führen kann, zeigte sich Anfang des Jahres 2026 bei der Baselbieter Steuerverwaltung. Aufgrund eines Massenversands von 500.000 Briefen war die Behörde im Januar massiv überlastet; lediglich 35 Prozent der Anrufe konnten entgegengenommen werden, an Spitzentagen sank die Quote zeitweise auf 8 Prozent. Bis Ende Mai konnte die Erreichbarkeit wieder auf 71 Prozent gesteigert werden.
Rückläufige Gesamtarbeitszeit und rechtliche Rahmenbedingungen
Interessanterweise sank die durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) im Jahr 2025 auf 28,5 Stunden (2023: 28,8 Stunden).
Dieser Rückgang betraf vor allem Männer und die Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen, während die Arbeitszeit bei Frauen stabil bei 24 Stunden blieb. Gleichzeitig stieg die Arbeitszeit bei den über 60-Jährigen an.
In juristischer Hinsicht gab es im Frühjahr 2026 eine wegweisende Entscheidung. Das Bundesarbeitsgericht urteilte am 21. April 2026 (1 AZR 43/25), dass unbezahlte Mehrarbeit auf Basis einer Betriebsvereinbarung unwirksam ist, wenn sie gegen tarifliche oder gesetzliche Regelungen verstößt. In dem verhandelten Fall, der auf einer Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung basierte, muss ein Arbeitgeber nun 3.981,40 Euro brutto nachzahlen.
Digitale Erschöpfung und die Bedeutung von Erholungsphasen
Ein neuer Faktor für Stress am Arbeitsplatz ist die intensive Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Berichte deuten darauf hin, dass Beschäftigte durch das ständige Überprüfen von KI-generierten Inhalten mehr arbeiten müssen, was zu einer mentalen Erschöpfung führen kann. Parallel dazu verändern sich die Rekrutierungsmuster: Die Zahl der Stellenausschreibungen in Deutschland ist seit 2022 um 37 Prozent gesunken.
Präsentismus und Kurzkrankenmeldungen sind Warnsignale, die viele HR-Verantwortliche erst erkennen, wenn es zu spät ist. Mit den richtigen Präventionsmaßnahmen senken Sie das Burnout-Risiko und halten Ihr Team langfristig leistungsfähig. Burnout-Prävention jetzt umsetzen
Trotz der nachgewiesenen positiven Effekte von Urlaub auf das Wohlbefinden fällt es vielen schwer, abzuschalten. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2024 zeigte, dass 54 Prozent der Befragten im Urlaub arbeiten und 86 Prozent dort berufliche Nachrichten erhalten.
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 unterstreicht in diesem Zusammenhang, dass für eine wirksame Regeneration ein vollständiges psychologisches Abschalten von beruflichen Aufgaben zwingend erforderlich ist.
