Arnika-Gel, Handarthrose

Arnika-Gel bei Handarthrose: Studie mit 204 Personen zeigt keinen Vorteil

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Pflanzliche Mittel können den Medikamentenbedarf senken, ersetzen aber keine Rheumatherapie; Wirksamkeit und Sicherheit unterscheiden sich.
Nahaufnahme verschiedener Heilpflanzen wie Kurkuma, Hagebutten und Weihrauch auf einem dunklen Steinuntergrund. Illustration mit AI erstellt.

Heilpflanzen gewinnen in der Behandlung von Gelenkbeschwerden zunehmend an Aufmerksamkeit, stoßen jedoch an klare medizinische Grenzen. Nach Einschätzung von Andreas Michalsen, Chefarzt für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus, können pflanzliche Präparate eine reguläre Rheumabasistherapie keineswegs ersetzen. Sie bieten jedoch die Möglichkeit, den Bedarf an Kortison bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zu verringern.

Bei Arthrose wiederum können sie dazu beitragen, den Einsatz klassischer Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Aspirin zu reduzieren. Allerdings fällt der schmerzlindernde Effekt schwächer aus als bei synthetischen Arzneimitteln: Auf einer zehnteiligen Schmerzskala sinke die Intensität in der Regel lediglich um zwei bis drei Punkte, berichtete der Tagesspiegel.

Gezielte pflanzliche Optionen und Sicherheitsaspekte

Für die verschiedenen Krankheitsbilder kommen unterschiedliche Heilpflanzen infrage. Bei Arthrose empfiehlt Michalsen die innerliche Einnahme von Hagebutte und Kurkuma sowie die äußerliche Anwendung von Arnika und Beinwell. Liegt eine rheumatoide Arthritis vor, kommen Kurkuma, Weihrauch, Teufelskralle, Ingwer, Knoblauch und Safran in Betracht.

Für Betroffene ist die Behandlung allerdings mit spürbaren Ausgaben verbunden: Die Kosten für Hagebuttenextrakt, Kurkuma und Weihrauch belaufen sich auf 60 bis 80 Euro im Monat und müssen von Selbstzahlern übernommen werden.

Zudem erfordert die Anwendung medizinische Vorsicht. Bei der Einnahme von Kurkuma sollten die Leberwerte nach drei Monaten kontrolliert werden. Beinwell darf aufgrund enthaltener Pyrrolizidinalkaloide, die die Leber schädigen können, ausschließlich äußerlich aufgetragen werden.

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Die Studienlage zu Arnika und Weihrauch

Die Wirksamkeit pflanzlicher Behandlungsansätze wird in der Wissenschaft differenziert bewertet. Eine Untersuchung von Widrig et al., die 2007 in der Fachzeitschrift Rheumatology International veröffentlicht wurde und 204 Personen mit Handarthrose umfasste, verglich Arnika-Gel mit einem fünfprozentigen Ibuprofen-Gel.

Nach einem Behandlungszeitraum von 21 Tagen zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen hinsichtlich Schmerzlinderung und Gelenkfunktion.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erkennt für Arnika jedoch bislang lediglich eine traditionelle Anwendung bei Prellungen, Verstauchungen sowie lokalen Muskelschmerzen an und stuft die vorliegenden klinischen Daten als unzureichend ein.

Zu den im Handel erhältlichen Produkten zählt beispielsweise das Atrogel Arnika-Gel von A.Vogel, das 500 mg Arnika-Extrakt pro 1 g Gel enthält (entsprechend 160 mg frischen Arnikablüten) und je nach Packungsgröße für 11,99 Euro (50 ml) oder 17,99 Euro (100 ml) vertrieben wird. Spezifische Wirksamkeitsstudien zu diesem konkreten Gel fehlen allerdings; zudem darf es mindestens zwei Wochen vor und nach operativen Eingriffen nicht verwendet werden.

Auch bei Weihrauch (Boswellia serrata) zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Zwar werden dem Balsam entzündungshemmende, schmerzlindernde und antioxidative Eigenschaften zugeschrieben, weshalb er auch bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Polyarthritis oder chronischen Darmentzündungen herangezogen wird, doch die Studienlage gilt als widersprüchlich.

Während manche Untersuchungen eine Wirksamkeit feststellen, weisen andere lediglich eine Ansprechrate von rund 10 Prozent aus. Qualitativ hochwertige Boswellia-serrata-Produkte sollten mindestens 60 Prozent Boswelliasäuren aufweisen.

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Frei verkäufliche Produkte und Werbeaussagen

Der Markt für freiverkäufliche Gelenkpräparate umfasst neben etablierten Mitteln zahlreiche Cremes und Gele ohne Arzneimittelstatus. Traumeel beispielsweise, entwickelt von Dr. Hans-Heinrich Reckeweg und seit über 60 Jahren in Deutschland erhältlich, setzt auf eine Kombination aus zwölf Wirkstoffen wie Arnica montana, Symphytum und Belladonna.

Andere Produkte wie die Creme Arthrovia enthalten Pflanzenextrakte aus Arnika, Boswellia und Teufelskralle, sind jedoch reine Kosmetika ohne veröffentlichte Mengenangaben oder unabhängige klinische Studien.

Beim Gel Osteomed, das unter anderem Wacholdersamenextrakt und Weihrauchharz enthält und für 39 Euro angeboten wird, stuften Berichte herstellerseitige Heilsversprechen einer Schmerzbeseitigung in wenigen Minuten als wissenschaftlich nicht haltbar ein. Vor der Eigentherapie bleibt eine fachliche Abstimmung daher unerlässlich.

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