Arthrose, Erwachsenen

Arthrose: 16,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind betroffen

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Pflanzliche Mittel und angepasste Ernährung können Beschwerden lindern, ersetzen bei Arthrose aber keine reguläre Behandlung.
Nahaufnahme von natürlichen Heilpflanzen wie Kurkuma, Weidenrinde und Brennnessel auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Gelenk- und Rückenbeschwerden betreffen einen erheblichen Teil der Bevölkerung. Nach Erhebungen des Robert Koch-Instituts waren im Jahr 2025 rund 16,5 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland von Arthrose betroffen; andere Veröffentlichungen beziffern die Zahl der Betroffenen auf über 5 Millionen Menschen.

Vor diesem Hintergrund gewinnen ganzheitliche Therapieansätze an Bedeutung. Apotheker Hans-Peter Eppler von der Alten Apotheke Laichingen legte in einem Vortrag beim Homöopathischen Verein Merklingen dar, wie eine strukturierte Kombination aus Bewegung, Ernährung und pflanzlichen Präparaten zur Schmerzlinderung beitragen kann.

Grenzen und Risiken synthetischer Arzneimittel

In der herkömmlichen Behandlung kommen häufig nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Diclofenac zum Einsatz. Eppler erläuterte, dass diese Wirkstoffe zwar Entzündungsbotenstoffe hemmen, jedoch mit Risiken wie Nierenfunktionsstörungen, einem Anstieg des Blutdrucks sowie einem erhöhten Infarktrisiko einhergehen können. Auch Cortison bringe zwar eine rasche Wirkung, berge auf Dauer jedoch Gefahren wie Gewichtszunahme und eine Schwächung des Immunsystems.

Phytotherapie und orthopädische Bewertung

Als ergänzende Optionen nannte Eppler pflanzliche Wirkstoffe wie Teufelskralle, Weihrauch, Weidenrinde, Brennnessel und Kurkuma, die entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Allerdings wies er darauf hin, dass die Dosierung in frei verkäuflichen Fertigpräparaten häufig zu gering ausfalle.

Zudem verwies Eppler auf homöopathische Mittel wie Apis mellifica bei stechenden Schmerzen, Formica rufa sowie Blauen Eisenhut, der in seiner Ausgangsform 100-mal giftiger als Zyankali sei.

Der Orthopäde Dr. Martin Rinio von der Gelenk-Klinik Gundelfingen bestätigte das entzündungshemmende Potenzial von Kreuzkümmel, Kurkuma (Curcumin) und Ingwer (Gingerole). Capsaicin aus Chili helfe demnach vor allem in Form äußerlich aufgetragener Cremes, während ein Nutzen durch den Verzehr wissenschaftlich nicht nachgewiesen sei.

Rinio betonte unter Verweis auf die Studienlage, dass Curcumin-Präparate Beschwerden bei Kniearthrose nach einigen Wochen so weit lindern können, dass Schmerzmittel reduziert werden können. Gleichzeitig stellte er klar, dass Naturmittel eine reguläre Therapie keineswegs ersetzen und Arthrose durch Gewürze oder Vitamine weder heilbar noch rückgängig zu machen sei.

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Nährstoffe für Knorpel und Gelenke

Hinsichtlich des Knorpelgewebes führte Eppler an, dass Kollagen, Chondroitin und Glucosamin degenerative Prozesse bremsen und im Anfangsstadium den Knorpelaufbau fördern können. Der Sportwissenschaftler Wolfgang Feil ordnete die Studienlage zu Kollagen als weder eindeutig negativ noch spektakulär positiv ein.

Ein gesicherter Knorpelwiederaufbau oder ein vollständiger Arthrosestopp sei durch einzelne Nährstoffe nicht belegt; mögliche Effekte stellten sich erst nach Wochen bis Monaten ein.

Bei leichter bis moderater Arthrose könne Kollagen die Beweglichkeit etwas verbessern und Beschwerden mildern. Studien arbeiteten laut Feil meist mit Dosierungen von 5 bis 10 Gramm Kollagenhydrolysat sowie rund 40 Milligramm undenaturiertem Typ-II-Kollagen täglich, kombiniert mit 300 Milligramm Vitamin C.

Ernährung und Lebensstil als Behandlungsbausteine

Neben Nährstoffpräparaten spielt die tägliche Ernährung eine zentrale Rolle. Die Ernährungsberaterin Eli Heugel betonte in einem Kurs der Volkshochschule Murrhardt, dass eine vorwiegend pflanzenbasierte, vegetarische oder vegane Kost mit viel Gemüse, Vollkorn, Obst, Kräutern, Gewürzen wie Ingwer, Kurkuma, Koriander oder asiatischem Knoblauch sowie pflanzlichen Ölen entzündliche Beschwerden bei Rheuma, Arthrose, Gicht und Fibromyalgie lindern könne.

Fleisch, Milchprodukte, Fast Food, Fertiggerichte, Süßwaren, Kaffee und Alkohol sollten Betroffene hingegen weitgehend meiden. Das Zusammenspiel aus Bewegung und Rezepten greifen auch Dr. med. Helge Riepenhof und Holger Stromberg in ihrem Buch „Stark gegen Schmerzen“ (ZS Verlag, 24,99 Euro, ISBN 9783965840942) auf, das mehr als 50 pflanzenbasierte Rezepte und gezielte Gelenkübungen umfasst.

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Differenzierung und Maßnahmen bei akuten Schmerzen

Laut Studien leiden bis zu 80 % der Menschen im Laufe ihres Lebens an Rückenschmerzen, wobei der untere Rücken besonders häufig betroffen ist. Als Sofortmaßnahmen gelten Wärme durch Bäder oder Wärmepflaster, Stufenlagerung mit rechtwinklig gebeugten Beinen sowie leichte Bewegung anstelle von strikter Bettruhe.

Auch Salben mit Beinwellwurzelextrakt kommen infrage. Zeigen sich jedoch Warnsignale wie Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen, Probleme bei der Blasen- oder Mastdarmkontrolle, Fieber, Schüttelfrost, Gewichtsverlust oder Schmerzen nach einem Unfall, ist eine sofortige ärztliche Abklärung zwingend erforderlich.

Zudem bedürfen unterschiedliche Gelenkerkrankungen einer genauen Abgrenzung: Während Arthrose durch Anlauf- und Belastungsschmerzen sowie eine Morgensteifigkeit von meist unter 30 Minuten gekennzeichnet ist, äußert sich eine rheumatoide Arthritis durch geschwollene, warme Gelenke mit einer oft über 30 Minuten anhaltenden Morgensteifigkeit an mehreren kleinen Gelenken beidseits.

Ein Gichtanfall tritt typischerweise nachts und plötzlich mit starker Rötung und Schwellung am Grundgelenk der großen Zehe auf, oft getriggert durch fleischreiche Mahlzeiten, Bier oder gezuckerte Getränke. Bei einem akut heißen, geschwollenen Gelenk mit Fieber muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, da der Verdacht auf eine bakterielle Entzündung besteht.

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