Arthrose, Ernährung

Arthrose und Ernährung: SER warnt vor Wunderdiäten und falschen Heilversprechen

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 09:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ernährung kann Therapien ergänzen, aber nicht ersetzen; Studien zu Gelenkpräparaten liefern bislang uneinheitliche Ergebnisse.

Arthrose und Ernährung: Was Fachgesellschaften und Studien belegen
Frische mediterrane Gemüsesorten wie Tomaten, Oliven und Artischocken auf einem rustikalen Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Ratgeber informieren über entzündungsrelevante Lebensmittel bei Arthrose sowie den Beitrag nährstoffreicher Lebensmittel zur allgemeinen Gesundheit. Fachgesellschaften und wissenschaftliche Übersichten betonen dabei übereinstimmend das Potenzial eines ausgewogenen Lebensstils, ziehen jedoch klare Grenzen bezüglich der therapeutischen Wirksamkeit von Diäten und Nahrungsergänzungsmitteln.

Fachgesellschaften warnen vor falschen Heilsversprechen

Die Spanische Gesellschaft für Rheumatologie (SER) warnt vor sogenannten Wunderdiäten und einer pauschalen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bei rheumatischen Erkrankungen.

Nach Angaben der Fachgesellschaft gebe es weder allgemein verbotene Lebensmittel noch eine Ernährungsform, die rheumatische Erkrankungen heilen könne. Eine mediterrane Ernährung könne den Verlauf zwar moderat unterstützen, eine medizinische Behandlung jedoch keinesfalls ersetzen.

Zudem rät die Gesellschaft davon ab, Bestandteile wie Gluten oder Milchprodukte ohne medizinische Indikation vom Speiseplan zu streichen. Auch Präparate mit Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D oder Kollagen werden von der SER nicht generell empfohlen, zumal Supplemente unerwünschte Neben- oder Wechselwirkungen hervorrufen können.

Ähnlich positioniert sich die Deutsche Rheuma-Liga. Bei rheumatoider Arthritis könne eine mediterrane Ernährungsweise die medikamentöse Therapie ergänzen, aber ebenfalls nicht ersetzen.

Treten Beschwerden auf, sei eine ärztliche Abklärung unerlässlich. Die Organisation verweist darauf, dass mehr als 100 verschiedene rheumatische Erkrankungen existieren, und setzt neben der medizinischen Betreuung auf strukturierte Selbstmanagement-Kurse.

In den auf einem Konzept der Stanford University basierenden Schulungen vermitteln geschulte Trainer mit eigener Rheuma-Erfahrung Strategien zur Bewältigung von Schmerz und Müdigkeit, Entspannungstechniken, Bewegung sowie Aspekte der Arzt-Patienten-Kommunikation.

Diagnose und multimodale Basistherapie bei Gelenkverschleiß

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Für den Bereich der Arthrose empfiehlt Andreas Stippler von der Österreichischen Ärztekammer anlässlich des Welt-Rheuma-Tags am 12. Oktober einen gezielten Arthrose-Check ab einem Alter von 40 Jahren. Da Knie- und Hüftarthrosen in dieser Lebensphase beginnen können, verbessere eine frühzeitige Diagnose die Prognose maßgeblich.

Zu den Untersuchungsmethoden zählen Röntgen- und Ultraschallaufnahmen sowie funktionelle Tests von Muskelkraft und Koordination. Als Basistherapie nennt die Ärztekammer die Aufklärung der Betroffenen, eine gezielte Ernährungsumstellung und medizinische Kräftigungstherapie.

Als ergänzende Optionen führt sie orthobiologische Verfahren an, darunter Eigenblut, Hyaluronsäure, Kollagen und stammzellbasierte Ansätze. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung könnten laut Stippler unnötige operative Eingriffe vermeiden.

Gemischte Studienlage zu Gelenkpräparaten

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Die wissenschaftliche Evidenz zu frei verkäuflichen Gelenkpräparaten bleibt uneinheitlich. Eine Datenbankauswertung zu Glucosamin und Chondroitin, die 747 Arbeiten und 137 kontrollierte Humanstudien umfasst, verweist auf widersprüchliche Ergebnisse bei Kniearthrose.

Während die GAIT-Studie mit 1.583 Patienten über 24 Wochen keinen signifikanten Gesamtvorteil gegenüber einem Placebo zeigte, fand die MOVES-Studie mit 606 Teilnehmern über sechs Monate heraus, dass eine Kombination aus 1.200 mg Chondroitinsulfat und 1.500 mg Glucosaminhydrochlorid pro Tag einer Gabe von 200 mg Celecoxib täglich bei der Schmerzreduktion nicht unterlegen war; beide Gruppen erzielten eine Besserung um rund 50 Prozent.

Eine Dreijahresstudie an 212 Patienten berichtete zudem über einen geringeren Verlust an Gelenkspaltweite unter 1.500 mg Glucosaminsulfat täglich im Vergleich zu Placebo (-0,06 gegenüber -0,31 mm).

Zu oraler Hyaluronsäure zählt eine entsprechende Datenbank 40 Arbeiten, darunter acht kontrollierte Humanstudien. Eine Zwölfmonatsstudie mit 60 Kniearthrosepatienten beobachtete unter 200 mg pro Tag in Kombination mit Bewegung symptomatische Tendenzen zugunsten der Behandlung, insbesondere bei unter 70-Jährigen.

Eine achtwöchige Pilotstudie mit 20 Personen und 80 mg täglich zeigte hingegen keine signifikanten Unterschiede zu Placebo. Bei 40 übergewichtigen Kniearthrosepatienten ergab eine Dreimonatsstudie zwar Hinweise auf Verbesserungen von Schmerz, Funktion und Entzündungsmarkern, die systemische Bioverfügbarkeit und klinische Relevanz gelten jedoch weiterhin als unklar.

Anbieterseitig beworbene Inhaltsstoffe wie nicht denaturiertes Typ-II-Kollagen aus Hühnerknorpel beanspruchen modulierte Entzündungsprozesse für sich, wobei auch die Hersteller begleitend zu gelenkschonender Bewegung, Gewichtskontrolle und ausgewogener Kost raten.

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