Ashwagandha, Produkte

Ashwagandha: Nur zehn Prozent der Produkte warnen vor Wechselwirkungen

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
BfR und europäische Stellen raten vom Verzehr ab; Verbraucherschützer verlangen verbindliche Vorgaben für Pflanzenextrakte.
Nahaufnahme der Ashwagandha-Pflanze mit ihren Beeren in einer natürlichen Umgebung Illustration mit AI erstellt.

Pflanzliche Präparate mit Ashwagandha (Withania somnifera) erfreuen sich wachsender Beliebtheit, stehen jedoch zunehmend im Fokus behördlicher und wissenschaftlicher Risikobewertungen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnte bereits im Jahr 2024 vor der Einnahme entsprechender Mittel.

Vor allem für vulnerable Gruppen wie Kinder, Schwangere, Stillende sowie Personen mit Vorerkrankungen der Leber sehen die Experten erhebliche Gefahren. Sowohl das BfR als auch andere europäische Behörden empfehlen grundsätzlich, auf ashwagandhahaltige Präparate zu verzichten.

Akute Begleiterscheinungen und hormonelle Einflüsse

Die Einnahme der auch als Schlafbeere bekannten Pflanze wird mit diversen unerwünschten Akutreaktionen in Verbindung gebracht. Zu den dokumentierten Folgen zählen unter anderem Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit und Benommenheit. Ebenso wurden Hautreaktionen in Form von Ausschlägen verzeichnet.

Über diese akuten Beschwerden hinaus deuten wissenschaftliche Erkenntnisse auf tiefgreifendere Effekte hin. Ashwagandha kann demnach sowohl das Immunsystem als auch das endokrine System beeinflussen. Dies betrifft Regulationen des Cortisolspiegels, des Blutzuckers sowie von Schilddrüsen- und Sexualhormonen.

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Entsprechend bestehen Risiken von Wechselwirkungen mit etablierten Medikamenten, namentlich mit Antidiabetika, Blutdrucksenkern und Immunsuppressiva. Die US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) weisen zudem darauf hin, dass Ashwagandha bei Prostatakrebs möglicherweise nicht sicher ist.

Defizite bei der Kennzeichnung und internationale Reaktionen

Trotz der bekannten Risiken sind Konsumenten häufig unzureichend über potenzielle Gefahren informiert. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zeigte auf, dass lediglich zehn Prozent der untersuchten Ashwagandha-Produkte überhaupt einen Warnhinweis auf mögliche Wechselwirkungen trugen.

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Auch internationale Aufsichtsbehörden befassen sich mit den gesundheitlichen Gefahren. Die australische Zulassungsbehörde TGA warnt vor einem sehr seltenen Risiko von Leberschäden durch Withania somnifera, wenngleich der Inhaltsstoff dort in gelisteten Arzneimitteln zugelassen ist.

Fallberichte über Leberschädigungen traten zudem in den Niederlanden, Indien und weiteren Ländern auf. Als regulatorische Konsequenz planen die Niederlande mittlerweile ein Verbot von Ashwagandha-Blättern in Nahrungsergänzungsmitteln.

Kritik von Verbraucherschützern und Forderung nach Regulierung

Die Diskussion um die Verkehrsfähigkeit der Mittel sorgt auch hierzulande für Konflikte. So warnte die Organisation foodwatch vor einem Ashwagandha-Präparat des Herstellers More Nutrition; das Unternehmen wies die vorgebrachten Vorwürfe zurück.

Der Fall steht exemplarisch für eine grundlegendere Debatte: Wissenschaftler, Mediziner und Verbraucherschützer wiesen wiederholt auf gravierende Qualitäts- und Sicherheitsprobleme bei sogenannten Botanicals hin. In einem an Bundesministerien gerichteten Brief forderten sie verbindliche gesetzliche Regelungen, um den unkontrollierten Vertrieb potenziell gesundheitsgefährdender Pflanzenextrakte im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel einzudämmen.

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