Aspirin und Demenz: Genetische Analyse deutet auf 70 Prozent Risikosenkung
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 21:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Debatte um prĂ€ventive MaĂnahmen gegen kognitiven Verfall liefern neue wissenschaftliche Auswertungen differenzierte Erkenntnisse. Eine am 24. September 2026 im Fachjournal Alzheimer's & Dementia publizierte genetische Analyse der sogenannten ASPREE-Studie durch Monash-Forschende deutet darauf hin, dass niedrig dosiertes Aspirin bei Personen mit einem bestimmten genetischen Profil das Demenzrisiko senken könnte. Dieser potenzielle Effekt betrifft Menschen, deren genetische Veranlagung mit einer höheren Thrombozytenzahl einhergeht. Im Gesamtkollektiv der zugrunde liegenden Untersuchung hatte sich zuvor kein allgemeiner Schutz vor Demenz gezeigt.
Differenzierte Ergebnisse in genetischer Subgruppe
Die ursprĂŒngliche ASPREE-Studie war als randomisierte, placebokontrollierte Untersuchung mit ĂŒber 13.500 Ă€lteren Erwachsenen in Australien und den USA konzipiert worden, bei denen insgesamt 345 DemenzfĂ€lle erfasst wurden.
Die Forschenden der Monash University werteten nun die genetischen Daten von 13.541 ASPREE-Teilnehmenden mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren aus. Ăber eine mediane Nachbeobachtungszeit von 4,6 Jahren hinweg hatten die Probanden entweder tĂ€glich 100 mg Aspirin oder ein Placebo erhalten.
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WĂ€hrend im gesamten Studienkollektiv kein protektiver Nutzen gegen Demenz nachweisbar war, zeigte sich bei Personen im obersten FĂŒnftel eines genetischen Scores fĂŒr eine höhere Thrombozytenzahl ein abweichendes Bild.
In dieser spezifischen Gruppe entwickelten unter Aspirin 1,0 Prozent (13 von 1.310 Personen) eine Demenz, wÀhrend der Anteil in der Placebogruppe bei 3,3 Prozent (46 von 1.398 Personen) lag. Dies entsprach laut den Monash-Forschenden einer assoziierten relativen Senkung des Demenzrisikos um etwa 70 Prozent.
Erhöhtes Risiko fĂŒr schwere Blutungen
Der beobachteten Risikoreduktion steht jedoch eine signifikante Zunahme von Nebenwirkungen gegenĂŒber. Die Auswertung ergab, dass schwere Blutungen in der genetischen Untergruppe unter Aspirin etwa doppelt so hĂ€ufig auftraten wie unter Placebo.
Konkret waren 4,4 Prozent (58 Personen) in der Aspirin-Gruppe von schweren Blutungen betroffen, verglichen mit 2,1 Prozent (29 Personen) in der Placebogruppe. Die absolute Differenz lag somit sowohl beim reduzierten Demenzrisiko als auch beim erhöhten Blutungsrisiko bei jeweils etwa 2,3 Prozentpunkten.
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Forschungsstand und methodische Grenzen
Die Monash-Forschenden stuften das Ergebnis ausdrĂŒcklich als explorativ ein. Mit lediglich 59 DemenzfĂ€llen in der untersuchten Subgruppe sei die Fallzahl gering. Eine solche nachtrĂ€gliche Untergruppenanalyse belege kein Ursache-Wirkungs-Prinzip und liefere keinen Beweis fĂŒr eine tatsĂ€chliche PrĂ€vention. Auch der angenommene biologische Wirkmechanismus ĂŒber die Thrombozyten bleibe vorerst eine Hypothese und stelle keinen gesicherten Nachweis dar.
FĂŒr belastbare Aussagen seien eine unabhĂ€ngige BestĂ€tigung der Resultate in anderen Populationen sowie eine gezielte klinische Studie erforderlich. Eine Ănderung bestehender Empfehlungen ergebe sich aus den Daten nicht. Die Forschenden wiesen darauf hin, dass Aspirin nicht ohne Ă€rztliche Beratung zur Vorbeugung von Demenzerkrankungen eingenommen werden sollte.
