Atemluftanalyse, Methode

Atemluftanalyse: Neue Methode unterscheidet bakterielle von viralen Infektionen

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 04:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschende der Hochschule Hamm-Lippstadt entwickeln VOC-basiertes Verfahren zur präzisen Unterscheidung von Atemwegsinfektionen. Die Technologie könnte Antibiotika-Fehlverschreibungen reduzieren.

Atemluftanalyse: Neue Methode unterscheidet bakterielle von viralen Infektionen
Eine Forscherin in einem modernen Labor bei der Arbeit mit einem Präzisionsgerät zur Analyse von Atemluft. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der klinischen Diagnostik stellt die schnelle Unterscheidung zwischen viralen und bakteriellen Atemwegsinfektionen eine zentrale Herausforderung dar. Da die Symptome oft identisch sind, führt die Unsicherheit in der Primärversorgung häufig zu einer präventiven, jedoch nicht immer notwendigen Verschreibung von Antibiotika. Aktuelle Forschungsergebnisse der Hochschule Hamm-Lippstadt deuten nun auf technologische Fortschritte hin, die eine präzisere Steuerung der Antibiotikatherapie durch die Analyse der Ausatemluft ermöglichen könnten.

Identifikation bakterieller Infektionen durch flüchtige organische Verbindungen

Im Zentrum der Entwicklungen steht ein Analyseverfahren, das auf der Untersuchung von flüchtigen organischen Verbindungen (Volatile Organic Compounds, VOCs) basiert. Wie aus Berichten von Mitte August 2026 hervorgeht, wurde dieses Verfahren von Hannah Schanzmann an der Hochschule Hamm-Lippstadt entwickelt. Ziel der Methode ist es, bakterielle Infektionen anhand spezifischer chemischer Muster in der Atemluft zweifelsfrei zu identifizieren.

Die Forschungsarbeit fand im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „InosIn“ statt. Die wissenschaftliche Relevanz der Ergebnisse wurde durch die Publikation in drei verschiedenen Fachzeitschriften unterstrichen. Für die Entwicklung dieses Verfahrens erhielt Schanzmann eine Promotion mit Auszeichnung. Die Technologie nutzt die Tatsache, dass Stoffwechselprozesse von Krankheitserregern sowie die Reaktion des menschlichen Immunsystems charakteristische Gase freisetzen, die mittels hochsensibler Sensorik erfasst werden können.

Weiterentwicklung zur Differenzierung von Erregertypen

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Die Erkenntnisse aus dem Projekt „InosIn“ dienen als technisches Fundament für weiterführende Forschungsaktivitäten. In einem nachfolgenden Projekt namens „ViBa-IMS“ wird die Technologie daraufhin optimiert, nicht nur bakterielle Infektionen zu erkennen, sondern diese auch gezielt von viralen Infektionen abzugrenzen.

Dieser Differenzierungsschritt gilt als entscheidend für das sogenannte Antibiotic Stewardship, also den verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika. Da diese Medikamente lediglich gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren wirksam sind, könnte eine frühzeitige und nicht-invasive Diagnose mittels Atemluftanalyse dazu beitragen, Fehlverschreibungen zu reduzieren. Fachleute sehen darin ein Potenzial, die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen langfristig einzudämmen.

Bedeutung für die patientennahe Labordiagnostik

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Die Integration solcher Analyseverfahren in den medizinischen Alltag könnte die diagnostische Lücke zwischen der rein klinischen Untersuchung und zeitintensiven Laboranalysen wie PCR-Tests oder Kulturbestimmungen schließen. Die Forschung an der Hochschule Hamm-Lippstadt konzentriert sich dabei auf Verfahren, die perspektivisch eine zeitnahe Auswertung ermöglichen könnten.

Obwohl die Technologie in Fachpublikationen bereits validiert wurde, steht die Überführung in die breite klinische Anwendung noch aus. Die aktuellen Ergebnisse aus dem August 2026 markieren jedoch einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung von Point-of-Care-Diagnostik für respiratorische Erkrankungen. Die weitere Erprobung im Rahmen des Projekts „ViBa-IMS“ wird zeigen, inwieweit die Atemluftanalyse als Standardwerkzeug in der Infektiologie etabliert werden kann.

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