Atherosklerose: LMU-Studie ordnet Arterienverkalkung als Autoimmunerkrankung ein
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Arterienverkalkung galt lange vor allem als Folge von erhöhten Blutfettwerten, Bluthochdruck und Entzündungsprozessen in den Gefäßwänden. Forschende der LMU München präsentieren nun Ergebnisse, die ein grundlegend neues Verständnis der Erkrankung nahelegen: Atherosklerose erfüllt demnach die Kriterien einer Autoimmunerkrankung.
Autoantikörper gegen Histon 2B im Zentrum
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Protein Histon 2B, das normalerweise Teil der Zellkerne ist und dort an der Verpackung der DNA beteiligt ist. Die LMU-Forschenden konnten zeigen, dass Autoantikörper gegen dieses Histon die Atherosklerose bei Mäusen verstärken.
Noch deutlicher wurde der Zusammenhang durch ein weiteres Experiment: Wurden die Tiere gezielt mit Histon 2B geimpft, verschlimmerte sich die Gefäßerkrankung zusätzlich. Das körpereigene Immunsystem greift demnach Strukturen an, die eigentlich zum Organismus gehören – ein zentrales Merkmal von Autoimmunerkrankungen.
Bestätigung in klinischer Studie mit 495 Patienten
Die Beobachtungen aus dem Tiermodell wurden nicht isoliert betrachtet. Die Einordnung von Atherosklerose als Autoimmunerkrankung wurde laut den Forschenden der LMU München auch in einer klinischen Studie mit 495 Patienten bestätigt. Damit stützt sich die neue Sichtweise nicht allein auf Untersuchungen an Mäusen, sondern auf Daten aus der klinischen Praxis, was der Hypothese zusätzliches Gewicht verleiht.
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Bedeutung für das Krankheitsverständnis
Sollte sich die Einordnung als Autoimmunerkrankung in weiterer Forschung erhärten, hätte dies Konsequenzen für das grundlegende Verständnis von Atherosklerose. Bislang stehen bei der Prävention und Behandlung vor allem Risikofaktoren wie Cholesterinwerte, Blutdruck oder Entzündungsmarker im Vordergrund.
Ein autoimmuner Mechanismus, bei dem Antikörper gegen körpereigene Strukturen wie Histon 2B die Erkrankung vorantreiben, würde die Erkrankung in die Nähe anderer Autoimmunerkrankungen rücken, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise gesundes Gewebe angreift.
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Für Betroffene und die kardiologische Forschung insgesamt bedeutet dies zunächst vor allem einen Perspektivwechsel: Atherosklerose, die häufigste Ursache für Herzinfarkt und Schlaganfall, würde nicht mehr ausschließlich als Folge von Stoffwechsel- und Gefäßveränderungen betrachtet, sondern auch als Ergebnis einer fehlgeleiteten Immunantwort.
Die von der LMU München berichteten Ergebnisse zu Autoantikörpern gegen Histon 2B und deren Wirkung im Mausmodell sowie die Bestätigung in der klinischen Studie mit 495 Patienten liefern dafür erste konkrete Anhaltspunkte.
Welche praktischen Konsequenzen sich daraus für Diagnostik oder Behandlung ergeben könnten, lässt sich auf Basis der vorliegenden Ergebnisse noch nicht abschließend beurteilen. Die Befunde markieren jedoch einen Ansatzpunkt für weitere Forschung, die den Zusammenhang zwischen Immunsystem und Gefäßerkrankungen künftig genauer untersuchen dürfte.
