Athletenbetreuung, Unterstützung

Athletenbetreuung: Nur 37 Prozent erhalten psychologische Unterstützung

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 00:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung meldet bessere Gesundheitskompetenz nach Teamschulungen; zugleich erhalten deutlich weniger Sportler psychologische Betreuung, als sie diese wichtig finden.
Eine leere, minimalistische Leichtathletikbahn in der Abenddämmerung mit weichem Licht und langen Schatten. Illustration mit AI erstellt.

Psychische Herausforderungen und die mentale Verfassung von Spitzenathleten stehen zunehmend im Fokus sportwissenschaftlicher Untersuchungen und praktischer Erfahrungsberichte. Neben dem rein körperlichen Training rücken die Rahmenbedingungen im Leistungssport sowie die Belastungen in intensiven Trainingsphasen und Wettkampfzyklen verstärkt in das Blickfeld.

Wissenschaftliche Befunde zu mentaler Kompetenz

Eine in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Untersuchung analysierte eine 90-minütige Schulung zur mentalen Gesundheitskompetenz bei 34 Athletinnen zweier japanischer Wettkampfteams aus dem Badminton- und Volleyballbereich. Die von ehemaligen Athleten geleitete Intervention kombinierte Psychoedukation mit strukturiertem Teamdialog.

In der Folge verbesserte sich die mentale Gesundheitskompetenz von der Ausgangsmessung bis zu nachfolgenden Erhebungen mit standardisierten Mittelwertänderungen von 0,72 beziehungsweise 0,65. Die wahrgenommene psychologische Sicherheit stieg ebenfalls an und blieb mit Werten von 0,65 und 0,59 stabil.

Der deskriptive Anteil jener, die wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich professionelle Hilfe suchen würden, lag bei 41 Prozent zu Beginn, 53 Prozent nach der Sitzung und 50 Prozent im weiteren Verlauf, wobei sich keine statistisch signifikanten Interaktionseffekte zwischen Zeit und Subgruppen zeigten.

Fachbeiträge unter Verweis auf den Konsens des Internationalen Olympischen Komitees heben hervor, dass Kaderathleten vor spezifischen Herausforderungen wie Selektionsdruck, Reisebelastung, Verletzungsphasen und öffentlicher Bewertung stehen. Eine erfolgreiche Rückkehr nach Verletzungen erfordere neben der physischen Wiederherstellung auch eine psychische Bereitschaft.

Diskrepanz zwischen Bedarf und Betreuungsangeboten

Trotz der Sensibilisierung klafft im organisierten Sport häufig eine Lücke zwischen dem Wunsch nach Begleitung und der tatsächlichen Versorgung. Laut Erhebungen des französischen Nationalen Olympischen Komitees (CNOSF) nach den Spielen von Paris stuften 95 Prozent der befragten Sportler psychologische Arbeit als wichtig oder unverzichtbar ein. Allerdings gaben lediglich 37 Prozent an, eine entsprechende Betreuung erhalten zu haben.

Anzeige

Wer sich mit den Auswirkungen von Dauerstress und Erschöpfung befasst, sollte die Rolle des Nervensystems nicht unterschätzen. Dieser kostenlose Report zeigt, wie Sie Ihren Vagusnerv als zentralen Gesundheitshebel aktivieren und so Ihre Regeneration sowie innere Ruhe fördern. Kostenlosen Vagus-Ratgeber jetzt herunterladen

Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina wurden im Vorfeld immerhin 76 Prozent der französischen Delegation psychologisch oder mentaltrainingsbezogen begleitet, wobei 61 Prozent eine Weiterführung der Betreuung im Anschluss wünschten. Zum Welttag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober startete die französische Sportbewegung dazu die Kampagne „Ouvre le JE“.

Auch in Deutschland wird auf Defizite in den Verbandsstrukturen hingewiesen. Die Psychologie-Professorin Eva Asselmann betonte, dass mentale Begleitung in den wenigsten Disziplinen und Verbänden fest verankert sei, obgleich das Thema nicht tabuisiert werden dürfe.

Erfahrungsberichte und sportspezifische Belastungen

Berichte betroffener Athleten verdeutlichen die Bandbreite psychischer Belastungen im Leistungssport. Die ehemalige Säbelfechterin Lea Krüger litt nach 17 Jahren Leistungssport zwei Jahre lang an Bulimie und gründete in der Folge die Initiative „Mehr als Muskeln“.

Anzeige

Die Balance zwischen hohen Leistungsanforderungen und der eigenen mentalen Gesundheit ist nicht nur im Sport, sondern auch im Berufsalltag eine tägliche Herausforderung. Ein kostenloses E-Book liefert konkrete Übungen und Sofortmaßnahmen für mehr Ausgeglichenheit und weniger Stress im Hamsterrad. 5 Übungen für mehr Work-Life-Balance entdecken

Ihre Teamkollegin Larissa Eifler erlebte nach einer verpassten Olympia-Qualifikation im Jahr 2022 ein Burn-out. Nach einer halbjährigen Wettkampfpause kehrte sie in den Sport zurück und wurde im Sommer 2026 Weltmeisterin im Säbelfechten.

Auf einer Konferenz am 16. Oktober in Amiens schilderte der ehemalige französische Schwimmweltmeister Camille Lacourt ähnliche Erfahrungen: Er erlitt nach einem vierten Platz bei den Olympischen Spielen 2012 in London sowie nach seinem Karriereende 2017 Erschöpfungszustände.

Im Ausdauersport zeigen sich ebenfalls deutliche Belastungsmuster. Dr. Enrique Gaspar, Leiter der Psychiatrie bei Vithas Valencia Turia, verwies darauf, dass laut wissenschaftlicher Literatur 40 bis 70 Prozent der Läufer vor anspruchsvollen Wettkämpfen unter antizipatorischem Stress litten, was Konzentration, Schlaf und emotionale Stabilität beeinträchtigen könne. Gaspar rät unter anderem zu stabilen Schlafzeiten und einer schrittweisen Verringerung des Trainingsumfangs in den letzten zehn Tagen vor dem Rennen.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70367472 |