Atlas-Greifer, Boston

Atlas-Greifer: Boston Dynamics setzt auf vier Finger und 13 Freiheitsgrade

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 04:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Vier-Finger-Greifer kombiniert 13 Freiheitsgrade mit Direktantrieben und wird für robuste Industrieaufgaben sowie eine mögliche Großserienfertigung entwickelt.

Boston Dynamics zeigt Atlas-Greifer für industrielle Fertigung
Eine moderne industrielle Fertigungshalle mit Präzisionsmaschinen und metallischen Bauteilen in einer sauberen Arbeitsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Boston Dynamics hat einen neuen, direkt angetriebenen Greifer für den humanoiden Roboter Atlas präsentiert, der gezielt auf industrielle Aufgaben und die Serienfertigung ausgelegt ist. Die Neuentwicklung verfügt über vier Finger und verzichtet vollständig auf einen kleinen Finger.

Mit insgesamt 13 Freiheitsgraden bietet die Konstruktion eine deutlich gesteigerte Beweglichkeit gegenüber der Vorgängerversion, die sieben Freiheitsgrade aufwies. Auf den Daumen entfallen dabei vier Freiheitsgrade, während die verbleibenden drei Finger jeweils über drei Freiheitsgrade verfügen.

Konstruktion ohne Sehnen und kleinen Finger

Die Hand entspricht in ihren Abmessungen in etwa einer menschlichen Hand. Der bewusste Verzicht auf den kleinen Finger soll Komplexität, Gesamtgröße, Energiebedarf und mögliche Ausfallrisiken reduzieren.

Nach Einschätzung des Unternehmens wiegt der zusätzliche Nutzen eines fünften Fingers den Mehraufwand für drei zusätzliche Freiheitsgrade, weitere Motoren und zusätzliche Fehlerquellen nicht auf. Zu dieser Entscheidung trug auch ein interner Test bei, bei dem das Team den Ring- und den kleinen Finger für einen Tag zusammengebunden erprobte.

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Technisch setzt Boston Dynamics auf Direktantriebe, die unmittelbar in den Gelenken verbaut sind. Diese Antriebe sind rücktreibbar und modular austauschbar. Auf empfindliche Sehnen oder Kabelzüge, die über Gelenke hinweg verlaufen, wurde vollständig verzichtet.

Für die Rückmeldung sind Drucksensoren in den Fingerspitzen sowie in den Handflächen integriert. Zudem ist die Konstruktion für den Einsatz in Simulationsumgebungen und das Sim-to-Real-Verstärkungslernen optimiert. Laut Branchenberichten kann die Hand Lasten von mehr als 45 Kilogramm heben.

Präzise Werkzeugführung und Objekthandhabung

Dank spreizbarer Finger ist der Greifer in der Lage, industrielle Werkzeuge sicher zu fassen und deren Auslöser zu betätigen. Dazu zählen Werkzeuge wie Bohrer, Drehmomentschrauber, Schleifgeräte, Nagelpistolen und Schweißbrenner. Das System beherrscht Pinch- sowie Dreipunktgriffe, richtet gegriffene Objekte bei Bedarf in der Hand neu aus und kann abrutschende Griffe selbstständig korrigieren.

In Demonstrationen zeigte Atlas unter anderem den Wechsel eines Bohreraufsatzes, das Bohren in Holz über die Betätigung des Werkzeugauslösers sowie das Festdrehen einer Mutter. Bei weiteren Vorführungen, die laut Berichten per Fernsteuerung erfolgten, rotierte der Roboter einen Trommelstock und bewegte zwei Golfbälle gleichzeitig in einer Hand.

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Vorbereitung auf großskalierte Fertigung und Industrieeinsatz

Die Konstruktion zielt grundlegend auf Robustheit, einfache Reparierbarkeit und eine kostengünstige Massenfertigung ab. Nach Angaben von Alberto Rodriguez prüft Boston Dynamics derzeit, welche Anpassungen erforderlich wären, um ein Fertigungsvolumen von 100.000 Händen pro Jahr zu erreichen.

Praxistests laufen unter anderem im Robot Metrology and Automation Center (RMAC) im Werk HMGMA im US-Bundesstaat Georgia, wo Atlas in einer nachgebildeten Fertigungsumgebung erprobt wird.

Die Hyundai Motor Group plant laut Berichten vom 1. Oktober 2026, Atlas ab 2028 schrittweise für die Bereitstellung von Teilen einzusetzen. Bis 2030 soll dieser Einsatz auf Aufgaben der Teilemontage ausgeweitet werden. Langfristig beabsichtigt der Konzern, weltweit rund 25.000 Einheiten des Atlas-Roboters in den Werken von Hyundai und Kia zu integrieren.

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