Berlin, Gesundheit

Mpox-FĂ€lle haben sich in Berlin verdoppelt

18.12.2025 - 17:13:06

Auch in diesem Jahr gab es die meisten Mpox-FĂ€lle in Deutschland in Berlin. Auch wenn die Krankheit selten ist, mĂŒsse man die Entwicklung genau beobachten, sagt eine Expertin.

  •  Beim Menschen wurden Mpox erstmals 1970 in der Demokratischen Republik Kongo identifiziert (Symbolbild). - Foto: -/National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpa

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  • FĂŒr eine Grundimmunisierung sind zwei Dosen erforderlich (Archivbild). - Foto: Sven Hoppe/dpa

    Sven Hoppe/dpa

  • Der Anteil der Infizierten ohne Impfschutz war in Berlin dieses Jahr deutlich höher, erklĂ€rt die Expertin. - Foto: -/Landesamt fĂŒr Gesundheit und Soziales/dpa

    -/Landesamt fĂŒr Gesundheit und Soziales/dpa

 Beim Menschen wurden Mpox erstmals 1970 in der Demokratischen Republik Kongo identifiziert (Symbolbild). - Foto: -/National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpaFĂŒr eine Grundimmunisierung sind zwei Dosen erforderlich (Archivbild). - Foto: Sven Hoppe/dpaDer Anteil der Infizierten ohne Impfschutz war in Berlin dieses Jahr deutlich höher, erklĂ€rt die Expertin. - Foto: -/Landesamt fĂŒr Gesundheit und Soziales/dpa

Dieses Jahr haben sich in Berlin doppelt so viele Menschen mit Mpox infiziert als in den zwei Jahren zuvor. Bislang wurden 186 FĂ€lle gemeldet, wie das Landesamt fĂŒr Gesundheit und Soziales (Lageso) informiert. Es waren fast ausschließlich MĂ€nner (185) betroffen. Das mittlere Alter lag bei 35 Jahren. Rund sieben von zehn Betroffenen (71 Prozent) vermuten, dass sie sich durch sexuelle Kontakte mit MĂ€nnern infiziert haben.

Ansteckungsrisiko fĂŒr bestimmte Gruppen moderat

Mpox ist eine seltene Erkrankung und wird durch engen Körperkontakt ĂŒbertragen, vor allem beim Sex. Ansteckungsgefahr besteht vor allem dann, wenn man in Kontakt mit den typischen HautverĂ€nderungen (BlĂ€schen oder Schorf) der Mpox-Infizierten kommt. Auch eine Tröpfcheninfektion ist möglich, also durch Speichel. Das Virus löst vor allem Hautausschlag aus, aber auch Fieber und Muskelschmerzen. Im Mai 2022 wurden in Deutschland erstmals FĂ€lle nachgewiesen. TodesfĂ€lle gab es laut RKI bislang keine.

FĂŒr MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben, und hĂ€ufig den Sexualpartner wechseln, schĂ€tzt die Weltgesundheitsbehöre (WHO) das Risiko, sich mit Mpox zu infizieren, als moderat ein. FĂŒr andere Teile der Bevölkerung werde das Risiko als gering eingeschĂ€tzt. 

Erster Fall mit Klade Ib in Berlin

Den grĂ¶ĂŸten Mpox-Ausbruch in Berlin gab es im Jahr 2022. Damals wurden mehr als 1.600 laborbestĂ€tigte Mpox-FĂ€lle registriert. Dann ging es deutlich runter mit 68 FĂ€llen im Jahr 2024 und 87 FĂ€llen im Jahr 2023. 

Am Donnerstag gab das Lageso bekannt, dass in Berlin erstmals ein Mpox-Fall der Variante Klade Ib nachgewiesen wurde. Bislang gab es in Berlin nur FĂ€lle der Klade II. Der Mann sei zwischen 35 und 40 Jahre alt und am 8. Dezember an Fieber, dem typischen Hautausschlag und Lymphknotenschwellungen erkrankt. Der Betroffene war den Angaben nach nicht gegen Mpox geimpft. Das zustĂ€ndige Gesundheitsamt habe eine hĂ€usliche Isolation angeordnet. Der Mann hat sich mutmaßlich im europĂ€ischen Ausland angesteckt und gab sexuelle Kontakte zu MĂ€nnern als wahrscheinlichen Infektionsweg an. 

Keine Hinweise auf schwereren Krankheitsverlauf 

In Deutschland wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) seit Oktober 2024 16 FĂ€lle der Klade Ib gemeldet, davon 9 in diesem Jahr, den Berliner Fall eingeschlossen. Manche Experten gehen davon aus, dass Klade I im Schnitt hĂ€ufiger zu schwereren KrankheitsverlĂ€ufen fĂŒhrt als Klade II. Das Lageso erklĂ€rt dazu: «Aktuell gibt es keine Hinweise darauf, dass Infektionen mit Mpox der Klade 1b, die in Europa aufgetreten sind, mit einem erhöhten Ausbreitungspotential oder einer höheren Krankheitsschwere einhergehen.» Auch das RKI geht in Deutschland nicht von einer erhöhten GefĂ€hrdung aus.

Übertragung vor allem beim Sex

Bestimmten Personengruppen in Deutschland wird eine Impfung gegen Mpox empfohlen. Dazu zĂ€hlen unter anderem MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben (MSM) und hĂ€ufig den Partner wechseln sowie Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern. FĂŒr eine Grundimmunisierung sind zwei Dosen erforderlich. Die Impfung wird seit Sommer 2022 angeboten.

Der Anteil der Infizierten ohne Impfschutz war in Berlin dieses Jahr deutlich höher als in den Jahren zuvor, erklĂ€rt die Infektionsepidemiologin Claudia Ruscher. Sie ist kommissarische Leiterin der Fachgruppe fĂŒr Surveillance und Epidemiologie von Infektionskrankheiten am Lageso. 44 Prozent der Infizierten waren ihren Angaben zufolge dieses Jahr nicht geimpft. 2024 hatten 32 Prozent keine Impfung, 2023 waren es 29 Prozent.

FĂŒr die Entwicklung gebe es mehrere ErklĂ€rungen, sagt Ruscher. Zum einen gebe es möglicherweise Gruppen, die man mit Impfkampagnen nicht gut erreiche. Zum anderen habe Berlin eine große und internationale MSM-Community, also MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben. Jedes Jahr ziehe es neue Menschen zum Leben in die Hauptstadt und damit auch neue potenzielle Risikopersonen, die man zuvor nicht erreicht habe. 

Berlin hat deutschlandweit die meisten FĂ€lle

«In Berlin gibt es eine sehr freizĂŒgige und Sex-positive Szene. Das bietet viel Übertragungspotenzial», so die Infektionsepidemiologin. Es gebe viele große Veranstaltungen und viele Orte, an denen Menschen anonym Sex haben könnten. All das seien GrĂŒnde dafĂŒr, warum Berlin im deutschlandweiten Vergleich am meisten Mpox-FĂ€lle habe. «Es wĂ€re gut, wenn vor großen internationalen Events, besonders wĂ€hrend des Pride Month, proaktiv ĂŒber die Impfung aufgeklĂ€rt wĂŒrde.»

Expertin: Krankheit muss im Blick gehalten werden

Im Vergleich zu anderen Infektionskrankheit sind Mpox-FĂ€lle selten. Warum ist es trotzdem wichtig, den Erreger im Blick zu behalten? Mpox sei immer noch eine neue Krankheit, ĂŒber die es wenig Daten zu Krankheitsschwere oder dem Verlauf gebe, erklĂ€rt Ruscher. Auch wenn es nur wenige FĂ€lle gebe, mĂŒsse man den Erreger daher im Blick behalten. Falls sich der Erreger verĂ€ndere, sich andere Bevölkerungsgruppen infizieren oder die Übertragbarkeit sich Ă€ndert, sei es wichtig, das mitzubekommen.

@ dpa.de