Audi, Ingolstadt

Audi Ingolstadt: Humanoide übernehmen täglich eine Million Greifvorgänge

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Drei mobile Systeme sortieren Bauteile für die Endmontage; Audi strebt bei ausreichender Wirtschaftlichkeit eine Serienfertigung an.
Moderne Fabrikhalle eines Automobilherstellers mit Metallbehältern voller Bauteile auf dem Boden. Illustration mit AI erstellt.

Der Automobilhersteller Audi erprobt gemeinsam mit Agile Robots, Dassault Systèmes und Nvidia den Einsatz humanoider Roboter in der Logistik. Wie die beteiligten Unternehmen am 21. und 22. Oktober 2026 auf der Nvidia GTC Berlin im Rahmen eines Machbarkeitsnachweises vorstellten, übernehmen mobile humanoide Roboter im Audi-Werk Ingolstadt Aufgaben bei der Kommissionierung und Sequenzierung von Bauteilen für die Fahrzeug-Endmontage.

Präzise Materialbereitstellung für die Endmontage

Im Werk Ingolstadt fallen für die Just-in-time-Materialversorgung täglich rund eine Million Greifvorgänge an. Die eingesetzten humanoiden Systeme greifen Bauteile aus unsortierten Behältern und ordnen sie in der vorgegebenen Produktionsreihenfolge in Sequenzwagen für die Fertigungslinie an.

Die Komponenten weisen unterschiedliche Formen sowie Größen auf, sind teils semi-starr und liegen vermischt in den Kisten. Um diese Variantenvielfalt zu bewältigen, nutzen die Roboter eine KI-gestützte optische Wahrnehmung und führen beidhändige Handgriffe auf menschlicher Arbeitshöhe aus.

Gerd Walker, Vorstand für Produktion und Logistik bei Audi, bezeichnete das Kommissionieren als eine der über Jahrzehnte hinweg anspruchsvollsten Automatisierungsaufgaben in der Automobillogistik.

Durch KI-basierte Robotik solle nun die Produktivität gesteigert werden. Erste Tests am Standort fanden im Frühjahr 2025 statt, woran sich ab dem Sommer 2025 eine vertiefte technische Entwicklung anschloss. Derzeit befinden sich drei Roboter im praktischen Einsatz.

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Ein festes Projektende existiert nicht; Audi strebt die Serienproduktion an, sobald sich die geforderte Wirtschaftlichkeit einstellt. Bei einem erfolgreichen Verlauf plant das Unternehmen, die Systeme künftig direkt neben Beschäftigten in Fertigung und Montage einzubinden.

Digitale Zwillinge und Referenzplattformen

Vor dem realen Fabrikeinsatz wird die Machbarkeit über eine virtuelle Simulation abgesichert. Audi nutzt dazu einen digitalen Zwilling der Logistikfläche, der auf Delmia von Dassault Systèmes und Nvidia Omniverse aufsetzt. Die Software prüft Aspekte wie Taktzeiten, Timing, Ergonomie und Sicherheitsabstände.

Künftig soll der Planungsaufwand durch einen KI-Assistenten von mehreren Monaten auf wenige Tage verkürzt werden. Bei mobilen Manipulatoren, Computer Vision und Simulation stützte sich Audi zudem auf Vorarbeiten mit Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft.

Der Münchner Entwickler Agile Robots steuert mit dem Modell ONE das Robotersystem bei. Die Maschine misst 174 Zentimeter, wiegt 69 Kilogramm und verfügt über zwei Arme, Kameras, LiDAR-Sensoren sowie Beine oder eine mobile Plattform bei einer Traglast von bis zu 20 Kilogramm.

Das Unternehmen hat weltweit über 20.000 Roboterlösungen seiner gesamten Produktpalette installiert. Der Agile-ONE-SN dient Nvidia zudem als Referenzsystem für die Technologien Isaac GR00T und Jetson Thor.

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Wachsende Automatisierungsinitiativen in der Branche

Der Schritt reiht sich in eine Serie industrieller Vorstöße ein. Der Zulieferer Schaeffler eröffnete im Oktober 2026 eine 7.500 Quadratmeter große Leuchtturmfabrik im chinesischen Taicang, in der sechs Humanoide an fünf Stationen Gelenkmodule montieren. Das Unternehmen bezifferte seinen Auftragseingang im Bereich der Humanoid-Robotik auf rund 400 Millionen Euro.

Auch internationale Fahrzeughersteller treiben ähnliche Projekte voran: In China arbeiten Humanoide des Typs Walker S1 von UBTECH im Werk von Geely und Zeekr, während Hyundai und Boston Dynamics den Roboter Atlas für die Teile-Sequenzierung im Werk in Georgia vorbereiten.

In Indien setzt Tata Motors Prototypen von Agni Robotics im Werk Chennai ein. Honda und Toyota demonstrierten ihrerseits auf der Japan Mobility Show neuartige Greif- und Handhabungssysteme für Montage- und Logistikaufgaben.

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