Augen-Check, Sechsten

Augen-Check ab 40: Bei jedem Sechsten zeigen sich unentdeckte SchÀden

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erbliche Faktoren und Lebensgewohnheiten prĂ€gen Augenerkrankungen; Kontrollen können SchĂ€den frĂŒh erkennen und Hinweise auf systemische Leiden geben.
Abstrakte makroskopische Aufnahme einer kristallinen Struktur, die biologische Muster symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Genetische Faktoren bestimmen maßgeblich, wie die Augen altern und welche Risiken fĂŒr degenerative Erkrankungen im Laufe des Lebens entstehen. Gleichzeitig bieten regelmĂ€ĂŸige augenĂ€rztliche Untersuchungen die Möglichkeit, nicht nur spezifische Augenkrankheiten, sondern auch systemische Erkrankungen wie Diabetes frĂŒhzeitig zu identifizieren.

Genetische Marker und familiÀre Risiken

Zahlreiche Augenerkrankungen weisen eine direkte genetische Komponente auf. Bei einer familiÀren Vorbelastung liegt das Glaukom-Risiko vier- bis neunmal höher als im Bevölkerungsdurchschnitt; ursÀchlich beteiligt sind hierbei unter anderem die Gene MYOC und OPTN.

Wiederholte Episoden erhöhten Augeninnendrucks können zudem die Alterung des Netzhautgewebes beschleunigen. Auch bei der LinsentrĂŒbung spielen Erbanlagen eine Rolle: Bestimmte Varianten der Gene GJA3 und GJA8 beschleunigen die Entstehung eines Katarakts.

Besonders ausgeprĂ€gt ist der erbliche Einfluss bei der altersbedingten Makuladegeneration, die als hĂ€ufigste Ursache fĂŒr Sehverlust bei ĂŒber 60-JĂ€hrigen gilt. Varianten in den Genen CFH und ARMS2 erhöhen das Erkrankungsrisiko um 50 Prozent oder mehr.

Laut der Leitlinie der Chinesischen Ophthalmologischen Gesellschaft aus dem Jahr 2024 dominiert die altersbedingte Form bei Personen ab 50 Jahren, wÀhrend eine erbliche Makuladegeneration autosomal-dominant vererbt wird und sich meist zwischen der PubertÀt und dem 30. Lebensjahr manifestiert.

Gentests zur AbklĂ€rung von Veranlagungen fĂŒr Makuladegeneration oder Retinitis pigmentosa kosten zwischen 100 und 500 US-Dollar. Bei MĂ€nnern betrifft zudem Farbenblindheit rund 8 Prozent, ausgelöst durch eine Mutation auf dem X-Chromosom in den Genen OPN1LW und OPN1MW.

Neue therapeutische AnsÀtze und Lebensstilfaktoren

Auf der 130. Jahresversammlung der American Academy of Ophthalmology wurden Daten zur experimentellen Gentherapie „sonpiretigene isteparvovec“ vorgestellt. Diese wird intravitreal injiziert, bringt ein Gen in Bipolarzellen ein und regt dort die Bildung von lichtempfindlichem Opsin an.

Der Ansatz könnte Sehverlust bei geografischer Atrophie im Rahmen einer fortgeschrittenen trockenen altersbedingten Makuladegeneration teilweise rĂŒckgĂ€ngig machen. Der Hauptforscher Dr. David S. Boyer erklĂ€rte, bestehende Zulassungen verlangsamten lediglich das Fortschreiten, wĂ€hrend dieser Ansatz Hoffnung auf Funktionsverbesserungen gebe.

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Auch bei Retinitis pigmentosa wird das Verfahren getestet. Die Bedeutung der Optogenetik wurde zudem durch den Medizin-Nobelpreis 2026 hervorgehoben; entsprechende Verfahren machen intakte Ganglienzellen lichtempfindlich, damit Betroffene mit einer Spezialbrille Objekte erkennen können. FĂŒr die Leber-kongenitale Amaurose befindet sich ebenfalls eine Gentherapie in Entwicklung.

Neben genetischen Anlagen beeinflussen Lebensstilfaktoren das Risiko fĂŒr Augenerkrankungen. Eine in Eye & ENT Research publizierte Mendelian-Randomization-Studie auf Basis europĂ€ischer genomweiter Assoziationsdaten (FinnGen: 1349 FĂ€lle, 203.231 Kontrollen) zeigte, dass eine genetisch vorhergesagte Freizeit-Bildschirmzeit mit höheren Quoten fĂŒr eine Blepharoptosis assoziiert ist (Odds Ratio pro Standardabweichung: 1,79; 95%-Konfidenzintervall 1,23–2,60).

Ein höherer Body-Mass-Index und Rauchen wurden als kausale Risikofaktoren gewertet, wÀhrend Rauchstopp und körperliche AktivitÀt mit niedrigeren Werten einhergingen. Bei Makuladegeneration weisen langjÀhrige Raucher ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko auf.

FrĂŒherkennung und systemische Diagnostik

Retinale MikrogefĂ€ĂŸe sind der einzige GefĂ€ĂŸabschnitt des Körpers, der ohne invasiven Eingriff direkt untersucht werden kann. Chronisch erhöhter Blutzucker schĂ€digt die KapillarwĂ€nde und begĂŒnstigt Blutungen, wĂ€hrend unkontrollierter Bluthochdruck retinale Arteriolen verengt. GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen wie Hollenhorst-Plaques können zudem auf eine Arteriosklerose der Halsschlagader oder der HerzkranzgefĂ€ĂŸe hinweisen.

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Erkrankungen wie Glaukom oder frĂŒhe Makuladegeneration verlaufen lange Zeit symptomlos. Daten des Netradhama Super Specialty Eye Hospital zeigen, dass bei rund einer von sechs Personen ĂŒber 40 Jahren mit scheinbar normalem Sehvermögen unentdeckte AugenschĂ€den vorlagen.

Einer sĂŒdindischen Untersuchung zufolge blieben Glaukome bei symptomfreien Personen in 2,5 bis 3 Prozent der FĂ€lle unentdeckt, wĂ€hrend bei Menschen mit Diabetes rund 16 Prozent eine unentdeckte Retinopathie aufwiesen. Fachleute empfehlen daher Routinekontrollen ab dem 40. Lebensjahr sowie bei Typ-2-Diabetes mindestens eine jĂ€hrliche Netzhautuntersuchung ab der Diagnosestellung.

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