Augenchecks: In Schweden bleibt die HÀlfte von 300.000 GlaukomfÀllen unerkannt
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deZahlreiche Ratgeber und Fachgesellschaften betonen die zentrale Bedeutung regelmĂ€Ăiger Gesundheits- und Augenuntersuchungen. Ziel der MaĂnahmen ist es, altersbedingte Erkrankungen frĂŒhzeitig zu identifizieren, noch bevor spĂŒrbare Symptome auftreten. Da viele chronische und degenerative Prozesse ĂŒber Jahre hinweg unbemerkt voranschreiten, ermöglichen rechtzeitige Screenings eine frĂŒhzeitige Intervention.
Augengesundheit und unbemerkte Risiken
Ein wesentlicher Bereich der FrĂŒherkennung betrifft das Sehvermögen. Nach Angaben der Optikerin Lena Leijon von Glasögonspecialisten Nyköping zeigen viele Augenkrankheiten im Anfangsstadium keinerlei Symptome. Umfassende PrĂŒfungen beinhalten SehschĂ€rfetests, Augeninnendruckmessungen, Gesichtsfeldanalysen sowie Fotodokumentationen des Augenhintergrunds und OCT-Scans, deren Befunde an AugenĂ€rzte weitergeleitet werden.
Wie gravierend DiagnoselĂŒcken sein können, verdeutlichen Zahlen der schwedischen Organisation Glaukomförbundet: In Schweden leben schĂ€tzungsweise 300.000 Menschen mit einem Glaukom, etwa die HĂ€lfte davon bislang ohne Diagnose. Die öffentliche Augengesundheitsversorgung des Landes bietet fĂŒr gesunde Augen keine routinemĂ€Ăigen Kontrollen an.
Herz-Kreislauf-PrÀvention und Screening-Intervalle
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zĂ€hlen zu den hĂ€ufigsten Gefahren im höheren Lebensalter. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) rief am 3. November 2026 anlĂ€sslich des WeltmĂ€nnertags insbesondere MĂ€nner in der Lebensmitte zu systematischer BlutdruckĂŒberwachung auf, da Hypertonie der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor fĂŒr einen Schlaganfall sei.
Die DSG rĂ€t zur Selbstmessung mit geprĂŒften OberarmgerĂ€ten nach fĂŒnf Minuten Ruhe â jeweils zweimal morgens und abends ĂŒber sieben Tage. Ab einem Mittelwert von 135/85 mmHg solle eine hausĂ€rztliche AbklĂ€rung erfolgen. Prof. Waltraud Pfeilschifter betonte, dass bereits ein aktiverer Lebensstil mit 2,5 Stunden Sport pro Woche maĂgeblich zur Risikosenkung beitrage.
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Nach Angaben des NDR sind in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen von Vorhofflimmern betroffen, weshalb Experten ein systematisches Screening mittels Pulsmessung und EKG fĂŒr alle Personen ab 65 Jahren fordern. Bei paroxysmalem Vorhofflimmern liegt die Erfolgsquote einer Katheterablation bei ĂŒber 80 Prozent, bei dauerhaftem Vorhofflimmern hingegen unter 50 Prozent.
Prof. Dr. Stephen Wyler, Chefarzt fĂŒr Urologie am Kantonsspital Aarau, empfiehlt regelmĂ€Ăige Kontrollen von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin bei familiĂ€rer Vorbelastung ab 35 bis 45 Jahren. Zudem weist er darauf hin, dass Erektionsstörungen bereits drei bis fĂŒnf Jahre vor einem Herzinfarkt auftreten und als Warnsignal fĂŒr Herz-GefĂ€Ă-Erkrankungen gewertet werden können.
Krebserkennung und Inanspruchnahme von Checks
Gesetzliche Richtlinien in Deutschland sehen klare Intervalle vor: einen einmaligen Check-up zwischen 18 und 34 Jahren, ab 35 Jahren alle drei Jahre sowie ein Hautkrebs-Screening im Zweijahresrhythmus.
Prof. Dr. Maximilian Burger vom Caritas-Krankenhaus St. Josef verweist auf die 2025 aktualisierte Leitlinie, die MÀnnern ab 45 Jahren eine Bestimmung des PSA-Werts empfiehlt. WÀhrend die jÀhrliche Tastuntersuchung von den Kassen bezahlt wird, kostet der PSA-Test als Selbstzahlerleistung 25 bis 50 Euro.
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Dennoch bestehen geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Inanspruchnahme: Laut AOK nehmen lediglich 40 Prozent der MĂ€nner FrĂŒherkennungsuntersuchungen wahr, verglichen mit gut 67 Prozent der Frauen. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der IKK classic beziffert die Nutzung von Check-ups auf 56 Prozent bei MĂ€nnern und 76 Prozent bei Frauen.
Kognitive Screenings und SturzprÀvention
Auch die geistige Gesundheit gewinnt im Alter an Bedeutung. Bei Screening-Initiativen des Digitalen Demenzregisters Bayern (digiDem) in bayerischen Gemeinden werden ab 65 Jahren kognitive Kurztests angeboten.
Hannelore Britzlmair zufolge gilt ein Testergebnis ab 23 von maximal 30 Punkten als auffÀllig. Wissenschaftliche EinschÀtzungen gehen davon aus, dass bis zu 40 Prozent der DemenzfÀlle durch das Vermeiden von Risikofaktoren verhindert oder verzögert werden könnten.
Gleichzeitig belegt die Studie âGesundheit 65+â, dass bestimmte Arzneimittel (FRID) das Sturzrisiko fast verdoppeln â am hĂ€ufigsten EntwĂ€sserungsmittel mit 37,9 Prozent und Opioide mit 11,9 Prozent. Auch SehbeeintrĂ€chtigungen erhöhen das Sturzrisiko laut der Untersuchung um 85 Prozent, was den prĂ€ventiven Wert regelmĂ€Ăiger Kontrollen unterstreicht.
