Augenkontrolle ab 60: Das National Eye Institute rĂ€t zu Untersuchungen alle 1â2 Jahre
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko fĂŒr degenerative VerĂ€nderungen und Erkrankungen des Auges deutlich an. Aktuelle Ratgeber betonen daher die Notwendigkeit regelmĂ€Ăiger augenĂ€rztlicher Kontrollen ab dem 60. Lebensjahr.
Ziel dieser Untersuchungen ist es, altersbedingte VerĂ€nderungen frĂŒhzeitig zu diagnostizieren und Symptome, die ĂŒber den normalen Alterungsprozess hinausgehen, rechtzeitig fachgerecht abzuklĂ€ren. Da viele Augenerkrankungen schleichend und anfangs schmerz- sowie symptomlos verlaufen, können unentdeckte SchĂ€den zu dauerhaften SehbeeintrĂ€chtigungen fĂŒhren.
Empfohlene Untersuchungsintervalle und individuelle Risikofaktoren
Fachorganisationen definieren unterschiedliche ZeitabstĂ€nde fĂŒr Vorsorgeuntersuchungen. Die American Academy of Ophthalmology rĂ€t Personen zwischen 55 und 64 Jahren zu einer vollstĂ€ndigen Kontrolle alle ein bis drei Jahre, wĂ€hrend ab dem Alter von 65 Jahren AbstĂ€nde von ein bis zwei Jahren angeraten werden.
Das National Eye Institute empfiehlt Kontrollen alle ein bis zwei Jahre ab dem 60. Lebensjahr. Allerdings hĂ€ngt die optimale Frequenz nach dem 60. Lebensjahr nicht vom Alter allein ab, sondern maĂgeblich vom individuellen Risikoprofil. DemgegenĂŒber sieht die US Preventive Services Task Force (USPSTF) unzureichende Evidenz fĂŒr ein allgemeines Screening bei symptomfreien Personen ĂŒber 65 Jahren.
FĂŒr Menschen mit bestehenden Vorerkrankungen gelten strengere Vorgaben. Bei Vorliegen von Typ-2-Diabetes empfiehlt die American Diabetes Association eine erste vollstĂ€ndige Untersuchung sofort nach der Diagnose und danach in der Regel jĂ€hrlich. Nach mehreren normalen Jahresbefunden und bei gut kontrolliertem Blutzuckerspiegel kann der Augenarzt das Intervall auf zwei Jahre verlĂ€ngern.
Liegt bereits eine Retinopathie oder eine andere Augenerkrankung vor, wird mindestens eine jĂ€hrliche Kontrolle empfohlen. Eine Optikerkette rĂ€t ebenfalls zu prĂ€ventiven Kontrollen ab 60 Jahren einmal jĂ€hrlich, wĂ€hrend fĂŒr Menschen zwischen 18 und 60 Jahren ein Rhythmus von zwei Jahren empfohlen wird.
Bereits ab dem 40. Lebensjahr raten Fachleute grundsÀtzlich zu Untersuchungen alle zwei Jahre. Liegen Risikofaktoren wie eine starke Myopie oder eine familiÀre Glaukom-Anamnese vor, ist ein jÀhrlicher Rhythmus ratsam; nach dem 60. oder 65. Lebensjahr wird ebenfalls eine jÀhrliche Konsultation empfohlen.
Bei einer plötzlichen Sehverschlechterung sollte umgehend ein Augenarzt aufgesucht werden. Refraktionswerte gelten meist als aktuell, wenn sie nicht Àlter als ein Jahr sind. Kontaktlinsen sollten vor einer Messung mindestens 20 Minuten lang entfernt werden.
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Ursachen von Sehbehinderungen und Warnsignale
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören Katarakt, Glaukom, altersbedingte Makuladegeneration (AMD) und Hornhautblindheit zu den vier Hauptursachen fĂŒr Blindheit weltweit. Ab 50 Jahren nehmen Glaukom, Katarakt und AMD spĂŒrbar zu. Das Glaukom verlĂ€uft hĂ€ufig symptomlos, und verlorenes Gesichtsfeld lĂ€sst sich nicht wiederherstellen; unbehandelt droht die Erblindung.
Therapeutisch kommen bei erhöhtem Augendruck Augentropfen, Laserbehandlungen oder Operationen zum Einsatz. Laut dem Glaukomförbundet leben in Schweden etwa 300.000 Menschen mit einem Glaukom, wovon rund die HÀlfte keine Kenntnis von der Erkrankung hat.
Die AMD stellt ab dem 50. Lebensjahr die primĂ€re Ursache fĂŒr visuelle Behinderungen dar. Zu den Risikofaktoren zĂ€hlen neben dem Alter auch genetische Veranlagung, Rauchen, Melaninablagerungen, Bluthochdruck, UV-Strahlung und eine unausgewogene ErnĂ€hrung.
Zur PrĂ€vention dienen der Verzicht auf das Rauchen, UV-Schutz, Blutdruck- und Blutzuckerkontrollen sowie ausgewogene ErnĂ€hrung. Zur Selbstkontrolle eignet sich das Amsler-Gitter; bei der Wahrnehmung verzerrter Linien sollte unverzĂŒglich ein Arzt aufgesucht werden.
Sofortige Ă€rztliche AbklĂ€rung ist auch bei Wahrnehmung von plötzlich vielen fliegenden MĂŒcken, Lichtblitzen oder einem dunklen Vorhang geboten, da hier der Verdacht auf eine Netzhautablösung besteht. FĂŒr eine genaue Netzhautkontrolle ist eine medikamentöse Pupillenerweiterung erforderlich; bildgebende Verfahren wie die optische KohĂ€renztomographie (OCT), Fundusfotografien oder Angiographien erfolgen bei Bedarf.
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Wissenschaftliche Befunde und Lebensstilfaktoren
Die Relevanz prĂ€ventiver MaĂnahmen belegen epidemiologische Untersuchungen. Eine Studie des Singapore National Eye Centre ĂŒber einen Zeitraum von 12 Jahren mit rund 4.500 Teilnehmenden im Alter von 40 bis 80 Jahren zeigte, dass neu aufgetretene SehbeeintrĂ€chtigungen zu etwa 46 Prozent auf unzureichend korrigierte Fehlsichtigkeiten, zu rund 40 Prozent auf Katarakte und zu 14,2 Prozent auf andere Augenerkrankungen zurĂŒckzufĂŒhren waren.
Ab dem 40. Lebensjahr wird daher eine jÀhrliche Augenuntersuchung empfohlen, insbesondere bei Myopie ab 500 Dioptrien, Diabetes, Bluthochdruck oder hohem Cholesterinspiegel.
Laut einer im Fachjournal Ophthalmology veröffentlichten Untersuchung aus dem Jahr 2018 waren im Jahr 2015 weltweit etwa 1,8 Milliarden Menschen von Presbyopie betroffen, davon litten etwa 826 Millionen Menschen unter einer BeeintrÀchtigung im Nahbereich infolge unkorrigierter oder unzureichend korrigierter Fehlsichtigkeiten.
Auch der Katarakt stellt eine erhebliche Belastung dar: In Frankreich werden jĂ€hrlich ĂŒber eine Million Augen wegen dieser TrĂŒbung operiert, womit der etwa zehnminĂŒtige Eingriff die am hĂ€ufigsten durchgefĂŒhrte Operation ist. Rauchen vervierfacht das Risiko fĂŒr einen frĂŒhen Katarakt, wobei das erhöhte Risiko bei ehemaligen Rauchern ĂŒber einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren bestehen bleibt.
Fachleute empfehlen neben dem Rauchverzicht einen UV-300-Sonnenschutz, ausreichendes Licht beim Lesen sowie die Anwendung der 20-20-20-Regel zur Reduktion von BildschirmmĂŒdigkeit. Bei der Brillenanpassung ist zu beachten, dass eine automatische Refraktionsmessung lediglich einen Teil der Bewertung darstellt und allein nicht fĂŒr ein Rezept ausreicht.
