Auszubildende, DGB-Report

Auszubildende: Über 50% psychisch belastet – DGB-Report alarmiert

Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Würth fordert mehr Leistungswillen, während der DGB-Ausbildungsreport hohe psychische Belastung bei Azubis offenlegt.

Arbeitsmoral-Debatte: Würth-Kritik trifft auf DGB-Bericht zu psychischen Belastungen
Ein erschöpfter junger Angestellter sitzt an einem modernen Schreibtisch in einem hellen Büro und wirkt nachdenklich. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Debatte um die Arbeitsmoral in Deutschland hat durch Äußerungen des Unternehmers Reinhold Würth im August 2026 an Schärfe gewonnen. Der 90-jährige Schraubenhersteller, der selbst auf eine 75-jährige Berufslaufbahn zurückblickt, kritisierte die aktuelle Einstellung der jüngeren Generation zur Erwerbsarbeit.

Während Würth die Work-Life-Balance der sogenannten Generation Z als Zeichen von Verwöhnung interpretiert, verdeutlichen aktuelle Erhebungen eine wachsende psychische Belastung unter Nachwuchskräften.

Reinhold Würths Forderung nach mehr Leistungsbereitschaft

Reinhold Würth, der bereits im Alter von 14 Jahren als Lehrling begann und mit 19 Jahren den väterlichen Betrieb übernahm, betonte in seinen Ausführungen die Bedeutung von Fleiß und Engagement. Er vertrat die Ansicht, dass sich die Prioritäten in der Gesellschaft zu stark weg von der Arbeit und hin zum Privatleben verschoben hätten. Für ihn selbst sei die Arbeit stets eher ein Hobby als eine bloße Verpflichtung gewesen.

Würth plädierte dafür, die Leistungsbereitschaft wieder zu steigern, und bezeichnete die aktuelle Ausrichtung auf eine ausgeprägte Life-Balance kritisch. Diese Perspektive eines Unternehmers, der das Wirtschaftswunder und die darauffolgenden Jahrzehnte aktiv mitgestaltet hat, trifft jedoch auf eine veränderte Arbeitswelt, in der die psychische Gesundheit zunehmend in den Fokus rückt.

Die Situation der Auszubildenden im Spiegel des DGB-Reports

Dem am 21. August 2026 thematisierten Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zufolge ist die Situation des Nachwuchses von erheblichen Belastungen geprägt. Mit 50,6 Prozent gab mehr als die Hälfte der befragten Auszubildenden an, psychisch belastet zu sein. Die allgemeine Zufriedenheit sank im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozentpunkte auf 65,7 Prozent – den niedrigsten Wert seit Beginn der Datenerhebung.

Zusätzlich leisten 35,4 Prozent der Auszubildenden regelmäßig Überstunden, die sich im Schnitt auf 3,2 Stunden pro Woche belaufen. Kritisch bewerteten die Autoren des Berichts zudem, dass 16,3 Prozent der Befragten häufig Tätigkeiten ausführen müssen, die nicht direkt zur Ausbildung gehören.

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In Branchen wie der Gastronomie und Hotellerie ist die Unzufriedenheit besonders hoch: Nur 54 Prozent der angehenden Hotelfachleute und 58 Prozent der Köche zeigten sich mit ihrer Situation zufrieden, wobei über 40 Prozent dieser Gruppe angaben, keinen festen Ansprechpartner im Betrieb zu haben.

Psychische Erkrankungen als wirtschaftlicher Faktor

Die statistische Auswertung für das Jahr 2025 zeigt, dass knapp 176.000 Menschen in Deutschland eine Erwerbsminderungsrente aufgrund psychischer Erkrankungen erhielten. Dies entspricht einem Anstieg von vier Prozent gegenüber dem Zehnjahresschnitt. Ein regionaler Einblick aus Bad Dürrheim belegt zudem, dass in klinischen Einrichtungen vermehrt Patienten unter 30 Jahren behandelt werden.

International werden die Folgen von Burnout und psychischer Überlastung ebenfalls deutlich. In Südafrika verursachen Erschöpfungszustände durch Arbeitsunfähigkeit und Fehlzeiten jährliche Kosten zwischen 12 und 19 Milliarden Rand.

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Experten empfehlen Führungskräften dort, als Vorbilder zu fungieren und präventive Maßnahmen zu ergreifen, statt lediglich auf Ausfälle zu reagieren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt zudem, dass weltweit über eine Milliarde Menschen, also etwa 14 Prozent der Weltbevölkerung, von psychischen Erkrankungen betroffen sind.

Technologische Ansätze und internationale Arbeitszeitvergleiche

Im Bereich der Selbstoptimierung und Prävention setzen jüngere Altersgruppen verstärkt auf Technik. Eine Deloitte-Befragung ergab, dass 80 Prozent der 25- bis 34-Jährigen eine Smartwatch nutzen, während dies bei den Über-65-Jährigen nur auf 44 Prozent zutrifft. Rund 33 Prozent der Nutzer setzen Health-Apps zur Verbesserung ihres Lebensstils ein.

Ein Vergleich der Arbeitsmodelle zeigt zudem Unterschiede zwischen Schweden und Deutschland auf. In Schweden lag die Wochenarbeitszeit 2026 bei 37,4 Stunden, während sie in Deutschland 34,2 Stunden betrug.

Interessanterweise ist die Teilzeitquote bei Frauen in Deutschland mit 50 Prozent doppelt so hoch wie in Schweden (25 Prozent). Trotz der längeren Arbeitszeiten in Schweden gelten Überstunden dort als verpönt, und Führungskräfte pflegen eine Kultur des pünktlichen Feierabends.

Während die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland von 2,81 Millionen im Juli 2024 auf 3,01 Millionen im Juli 2026 stieg, bleibt die Unterstützung für junge Menschen ein wichtiges Thema. So boten beispielsweise die psychologischen Beratungsstellen der Technischen Universität und Fachhochschule Dortmund im Juli 2026 gezielte Workshops zur Stressbewältigung und zum Umgang mit Perfektionismus an, um der steigenden Belastung entgegenzuwirken.

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