Autismus-Spektrum: Lebenserwartung um 13,8 Jahre verkĂŒrzt
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 17:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung sowie zu vergleichbaren Versichertengruppen eine spĂŒrbar verringerte Lebenserwartung auf. Dies belegt eine im September 2026 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Untersuchung unter Leitung von Guohua Li an der Columbia University.
Anhand umfangreicher Daten des US-Gesundheitsprogramms Medicaid ermittelte das Forschungsteam eine durchschnittliche Lebenserwartung von 64,9 Jahren bei Personen mit dieser Entwicklungsstörung.
Die Lebenserwartung bei der Geburt liegt fĂŒr diese Gruppe damit um 5,6 Jahre unter dem Durchschnitt der gesamten Medicaid-Population von 70,5 Jahren. Im Vergleich zur US-Allgemeinbevölkerung, die eine Lebenserwartung von 78,7 Jahren verzeichnet, betrĂ€gt die Differenz sogar 13,8 Jahre.
Breite Datenbasis aus zwei Jahrzehnten
FĂŒr die durch die National Institutes of Health (NIH) und die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) finanzierte Arbeit analysierte das Team Registerdaten aus dem Transformed Medicaid Statistical Information System und dem CHIP Statistical Information System aus den Jahren 2000 bis 2020. Der Datensatz deckt alle 50 US-Bundesstaaten sowie den District of Columbia ab. Insgesamt flossen Informationen von 2.048.046 Versicherten mit Autismus-Spektrum-Störung ein, unter denen 18.268 TodesfĂ€lle registriert wurden.
Demografisch setzten sich die erfassten Versicherten zu 76,1 Prozent aus MĂ€nnern und zu 23,9 Prozent aus Frauen zusammen. Hinsichtlich der ethnischen Zusammensetzung waren 48,5 Prozent nicht-hispanische WeiĂe, 16,7 Prozent Personen hispanischer Herkunft, 14,6 Prozent nicht-hispanische Schwarze sowie 20,2 Prozent weiteren Bevölkerungsgruppen zuzuordnen.
Deutliche Diskrepanzen bei Frauen und pandemiebedingte EinbrĂŒche
Die Auswertungen legten erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiede offen. Frauen mit Autismus-Spektrum-Störung weisen laut der Studie eine Lebenserwartung auf, die um 8,2 Jahre kĂŒrzer ist als jene der weiblichen Medicaid-Vergleichsgruppe.
Die Studie aus 2026 zeigt: Bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung liegt die Lebenserwartung im Schnitt 13,8 Jahre unter der der US-Allgemeinbevölkerung â und viele der genannten Todesursachen gelten als vermeidbar. Unser kostenloser Leitfaden bĂŒndelt, wie Angehörige und Betreuer mit einfacher Vorsorge gegensteuern können. Kostenlosen Vorsorge-Leitfaden anfordern
Im Vergleich zu allen US-Frauen belĂ€uft sich der RĂŒckstand sogar auf 16,0 Jahre. Bei MĂ€nnern fĂ€llt diese Spanne mit 1,9 Jahren gegenĂŒber der mĂ€nnlichen Medicaid-Population beziehungsweise 11,6 Jahren gegenĂŒber der mĂ€nnlichen Gesamtbevölkerung der USA geringer aus.
Ăber einen lĂ€ngeren Zeitraum hinweg zeichnete sich zunĂ€chst eine leichte Verbesserung ab. Betrug die Lebenserwartung im Intervall von 2000 bis 2004 noch 63,9 Jahre, stieg sie fĂŒr den Zeitraum von 2015 bis 2019 auf 65,6 Jahre an, was einem Zuwachs von 1,7 Jahren entsprach. Im ersten COVID-19-Jahr 2020 brach dieser Wert bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung jedoch um 4,1 Jahre ein.
Erhöhte MortalitÀtsrisiken und Todesursachen
Insgesamt ermittelte das Forschungsteam fĂŒr die Betroffenen ein relatives GesamtmortalitĂ€tsrisiko (SMR) von 1,44. Als wesentliche Haupttodesursachen identifizierte die Untersuchung Influenza, MangelernĂ€hrung, Pneumonitis, UnfĂ€lle abseits des StraĂenverkehrs, Ertrinken und LungenentzĂŒndungen.
AufgeschlĂŒsselt nach Einzelfaktoren ergaben sich besonders stark erhöhte standardisierte SterblichkeitsverhĂ€ltnisse. FĂŒr eine COVID-19-Erkrankung lag der Wert bei 13,63 und fĂŒr Influenza bei 10,55. MangelernĂ€hrung verzeichnete ein relatives Risiko von 7,56, Aspiration von 6,92, Nicht-Transport-UnfĂ€lle von 4,48 und Ertrinken von 3,26. FĂŒr Pneumonie ergab sich ein Faktor von 3,06, fĂŒr psychische Störungen von 2,94, fĂŒr Erkrankungen des Nervensystems von 2,76 und fĂŒr Sepsis von 2,07. DemgegenĂŒber lag das Risiko fĂŒr Krebserkrankungen mit einem SMR-Wert von 0,75 unter dem der Vergleichsgruppe.
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EinschrÀnkungen durch sozioökonomische Faktoren
Die Autoren weisen auf methodische EinschrĂ€nkungen der Analyse hin. Das Medicaid-Programm richtet sich primĂ€r an einkommensschwache Personen sowie an Menschen mit Behinderungen. Dieser niedrigere sozioökonomische Status der untersuchten Medicaid-Gruppe könnte dazu fĂŒhren, dass die Lebenserwartung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen in der gesamten Bevölkerung höher liegt als in der analysierten Kohorte. Dennoch unterstreichen die Befunde spezifische gesundheitliche GefĂ€hrdungen, denen Betroffene verstĂ€rkt ausgesetzt sind.
