Autonomes, Fahren

Autonomes Fahren in China: L3-Standard gilt ab Juli 2027 verbindlich

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
China setzt Standards für L3, während Hersteller und europäische Initiativen den Einsatz autonomer Fahrzeuge für kommende Jahre vorbereiten.
Eine moderne, mehrspurige Schnellstraße bei Dämmerung mit klarer Fahrbahnmarkierung und Sensortechnik an einer Brücke. Illustration mit AI erstellt.

Auf der Fachkonferenz World Intelligent Connected Vehicles Conference, die am 21. Oktober 2026 in Peking und Yizhuang begann, haben Branchenvertreter und Regierungsfunktionäre einen entscheidenden Wendepunkt für das autonome Fahren ausgerufen. Der Sektor trete in eine kritische Kommerzialisierungsphase ein. Für die kommenden Jahre zeichnen sich klare Zeitpläne für die breite Markteinführung hochautomatisierter Systeme der Stufen L3 und L4 ab.

Regulierungsrahmen und Marktdurchdringung in China

In China hat die Verbreitung von Fahrassistenzsystemen der Stufe L2 im ersten Halbjahr 2026 bereits die Marke von 70 Prozent bei Personenkraftwagen überschritten. Bis zum Jahr 2030 wird eine Quote von über 95 Prozent prognostiziert.

Bei Systemen der Stufe L3 soll die Durchdringung im Jahr 2030 bei über 35 Prozent liegen. Wan Gang prognostizierte diesbezüglich einen Marktanteil von 15 Prozent für das Jahr 2028 sowie 35 Prozent für 2030.

Gleichzeitig werden verbindliche Rahmenbedingungen geschaffen. Der nationale Standard GB 44721-2026 für L3-Autonomie tritt am 1. Juli 2027 in Kraft. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnik ordnet derzeit die entsprechenden Zulassungen. Der Ministeriumsbeamte Guo Shougang erklärte am 22. Oktober 2026, dass die zweite Runde des L3-Zulassungspilots laufe.

Erste Modelle von Changan und BAIC hatten im Dezember 2025 eine bedingte Marktzulassung auf festgelegten Strecken erhalten. Zudem bestehen 17 nationale Testzonen und 20 Pilotstädte für die Integration von Fahrzeug, Straße und Cloud. Sieben nationale Techniknormungsausschüsse unterzeichneten hierzu eine Vereinbarung über gemeinsame Standards.

Zeitpläne und Strategien der Automobilhersteller

Die Hersteller verfolgen unterschiedliche Pfade zur Kommerzialisierung:
* Changan rechnet für 2027 mit der Serienproduktion von L3-Fahrzeugen und visiert die Kommerzialisierung von L4 für 2028 an.
* Xpeng plant die technologische Umsetzung von L4 für die zweite Hälfte des Jahres 2028. Das regulatorische Zeitfenster für L4 wird zwischen 2028 und 2032 gesehen.

Das Unternehmen will nach Angaben von He Xiaopeng L3 überspringen und direkt auf L4 setzen.
* BYD erwartet die L3-Einführung in begrenzten Szenarien für 2028. Höhere Autonomiestufen sollen laut Unternehmensangaben in weiteren ein bis zwei Jahren folgen.

Yang Dongsheng, Senior-Vizepräsident bei BYD, bekräftigte, dass die L3-Serienproduktion in begrenzten Szenarien mit Unterstützung ministerieller Pilotprogramme voraussichtlich 2028 anlaufe.

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Technologische Kennzahlen und Softwareentwicklung

Die Entwickler verzeichnen erhebliche Fortschritte bei Hard- und Software:
* Bei Momenta wurde die interne Zielmarke für Leistungssteigerungen von einer Verzehnfachung alle zwei Jahre auf eine Verzehnfachung pro Jahr angehoben.

Der technologische Kipppunkt für L3 und L4 wird für 2027 bis 2028 erwartet.
* Nio beziffert die Sicherheitsfahrleistung im Mensch-Maschine-Modus auf Basis interner Daten als achtfach höher im Vergleich zum rein manuellen Fahren. Laut Daten von vier Versicherern seien die Unfallschadenverluste um über 30 Prozent gesunken.

Die Nio-Flotte umfasst 950.000 Fahrzeuge mit einer Rechenleistung von über 1.000 TOPS und weist eine Assistenzfahrleistung von 9,14 Milliarden Kilometern auf.
* Nach Angaben von Horizon erfordern Spitzen-Systeme für städtische Navigationsassistenten in China derzeit einen Eingriff pro 100 Kilometer, während Systeme von Tesla bei rund 1.000 Kilometern liegen.

Vollständige L4- und L5-Systeme benötigen demnach mehr als 100.000 Kilometer pro Eingriff.
* Bei Tesla stieg die Abonnementrate für die Softwareversion V13 in Nordamerika von rund 20 Prozent auf 55 Prozent.
* Bei der Volkswagen Group und Porsche wird für den Entwicklungszyklus eine Verkürzung um 85 Prozent und bei den physischen Testfahrten eine Reduktion um 90 Prozent prognostiziert.

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Internationale Initiativen und Flottenprojekte

Auch in Europa formieren sich großflächige Programme. Auf den Assises du véhicule autonome stellte der französische Verkehrsminister Philippe Tabarot eine Regierungsstrategie vor. Eine verbindliche Zulassungsdoktrin unter Federführung des CNRV soll im ersten Halbjahr 2027 vorliegen. Seit 2018 wurden in Frankreich über 200 Experimente durchgeführt, und am 7. August 2026 erhielten Lieferroboter die Zulassung für öffentliche Straßen.

Bereits am 7. Oktober 2026 startete in Paris die europäische Initiative „Pact for Europe“. Eine entsprechende Absichtserklärung hatten Philippe Tabarot und 17 Amtskollegen am 8. Juni 2026 in Luxemburg unterzeichnet; mittlerweile schlossen sich 22 Staaten an, darunter Deutschland, Norwegen, Luxemburg und die Niederlande.

Im Bereich des Personentransports plant Île-de-France Mobilités Anfang 2028 ein Pilotprojekt für autonomen Verkehr im Raum Versailles Grand Parc, Saint-Quentin-en-Yvelines und Paris-Saclay, mit einer Ausweitung ab 2030. Die Kooperation aus Grand Paris, Bolt und Stellantis testet ab 2028 mit dem Ziel von rund 30 Gemeinden bis 2030. Ergänzend plant Bolt ab 2027 eine Datenerfassung in Madrid.

Das Unternehmen beabsichtigt den europaweiten Einsatz von mindestens 25.000 L4-Fahrzeugen des Herstellers Lucid und peilt bis 2035 eine Flotte von 100.000 Robotaxis an. Laut einer Harris-Interactive-Studie vom Oktober 2026 sind fast zwei von drei Franzosen bereit, vollautomatisierte öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

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