Azure Automation: Microsoft patcht kritische Cross-Tenant-Lücke
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 19:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein schwerwiegender Fehler im Cloud-Dienst hätte fremden Zugriff auf Kundendaten ermöglichen können.
Microsoft hat einen dringenden Sicherheitspatch für seinen Azure Automation-Dienst veröffentlicht. Die Schwachstelle mit der Kennung CVE-2025-29827 erhielt eine alarmierende CVSS-Bewertung von 9,9 von 10 – sie gilt damit als kritisch. Der Fehler hätte es Angreifern erlaubt, die strengen Grenzen zwischen verschiedenen Kundenumgebungen in der Microsoft-Cloud zu durchbrechen.
Die Gefahr: Cross-Tenant-Zugriff
Entdeckt wurde die Sicherheitslücke von Microsofts internem Forscher Shay Shavit. Sie steckte tief im Azure Automation Service und ermöglichte potenziell einen sogenannten Cross-Tenant-Zugriff. In der Cloud-Welt ist das der Super-GAU: Die logische Trennung zwischen den Daten und Ressourcen verschiedener Organisationen – das fundamentale Sicherheitsversprechen jedes Cloud-Anbieters – wäre ausgehebelt gewesen.
Microsoft reagierte umgehend. Der Patch wurde am 27. Juli 2026 ausgerollt. Darüber hinaus änderten die Entwickler die Standardkonfiguration des Dienstes, um ähnliche Angriffspfade künftig zu unterbinden. Die spezifische Methode, mit der die Mandantengrenzen umgangen werden konnten, ist damit nicht mehr nutzbar.
Infrastruktur-Probleme und weitere Patches
Der Sicherheitsupdate kommt nicht ganz überraschend nach einer Phase technischer Schwierigkeiten. Erst am 23. Juli 2026 hatte Microsoft einen fünfstündigen Ausfall in der West-US-Region (Kalifornien) gemeldet. Ein Fehler in einem Wartungsprozess hatte IP-Routen auf zu vielen Geräten entfernt. Microsoft verspricht, die Validierungs- und Änderungsmanagement-Prozesse zu verbessern.
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Parallel zum Azure-Fix schloss Microsoft im Juli-Update auch eine lokale Sicherheitslücke im Windows WalletService (CVE-2026-49176, CVSS 7.8). Normale Benutzer hätten damit SYSTEM-Rechte erlangen können. Eine neue Sicherheitsfunktion namens WalletServiceRedirectionGuard soll das künftig verhindern.
Angriffswelle auf mehreren Fronten
Die aktuellen Sicherheitsupdates fallen in eine Zeit erhöhter Bedrohungslage. Allein in den letzten Julitagen 2026 wurden mehrere kritische Vorfälle gemeldet:
- Progress Software veröffentlichte Patches für eine Authentifizierungslücke in MOVEit Automation (CVE-2026-4670) und eine weitere Schwachstelle (CVE-2026-5174), die von Airbus SecLab entdeckt wurde.
- Seit dem 20. Juli 2026 nutzt ein Cl0p-Ransomware-Ableger aktiv eine Schwachstelle in PTC Windchill und FlexPLM-Systemen aus (CVE-2026-12569).
- Eine Kampagne der Hackergruppe APT28 kapert seit Juni 2026 öffentliche WLAN-Zugänge in Hotels und Konferenzzentren in den USA, Indien und Saudi-Arabien – Ziel sind Microsoft-365-Zugangsdaten.
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KI als neuer Sicherheitsfaktor
Die Bedrohungslage wird zunehmend durch KI-gestützte Angriffe und Abwehrmechanismen geprägt. In aktuellen Tests entdeckte der KI-Agent Kimi K3 innerhalb von rund 90 Minuten 19 Zero-Day-Schwachstellen in Redis. Ein weiterer Agent namens XBOW identifizierte eine kritische Sicherheitslücke in der Bing-Bildersuche.
Microsoft selbst setzt mit Project Perception auf ein Multi-Modell-KI-System. Es nutzt spezialisierte KI-Agenten für Red- und Blue-Team-Operationen, um Kosten zu senken und gleichzeitig komplexe Schwachstellen besser zu erkennen. Die Botschaft ist klar: Im Wettrüsten zwischen Angreifern und Verteidigern wird KI zum entscheidenden Faktor.
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