B-Vitamine, Schlaganfall

B-Vitamine und Schlaganfall: Meta-Analyse sieht 12 Prozent weniger Risiko

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 11:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auswertungen finden keinen belegten Gesamtschutz durch Multivitamine; fĂŒr FolsĂ€ure und B-Vitamine zeigen sich teils begrenzte ZusammenhĂ€nge.
Ein minimalistischer Untersuchungsraum in einer Arztpraxis mit einem sterilen Untersuchungstisch und medizinischen GerÀten. Illustration mit AI erstellt.

In Deutschland ereignen sich nach Angaben der Deutschen Schlaganfallbegleitung jĂ€hrlich 200.000 erstmalige sowie 70.000 wiederholte SchlaganfĂ€lle. Vor diesem Hintergrund wird in der PrĂ€ventionsmedizin regelmĂ€ĂŸig ĂŒber den Nutzen von NahrungsergĂ€nzungsmitteln diskutiert.

Die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) sprechen sich jedoch gegen eine routinemĂ€ĂŸige Supplementierung von FolsĂ€ure aus. Zahlreiche wissenschaftliche Auswertungen der vergangenen Jahre stĂŒtzen diese zurĂŒckhaltende Haltung und zeigen ein differenziertes Bild zur Wirksamkeit von B-Vitaminen.

WidersprĂŒchliche Ergebnisse in großen Metastudien

Die Frage, ob Vitamine vor GefĂ€ĂŸerkrankungen schĂŒtzen können, wurde in verschiedenen Übersichtsarbeiten untersucht. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2018, die 18 Studien mit mehr als 2 Millionen Teilnehmern zusammenfasste, ergab, dass Vitamin- und MineralprĂ€parate das Sterberisiko an SchlaganfĂ€llen oder Herzerkrankungen nicht senkten.

Zu einer Ă€hnlichen EinschĂ€tzung kam ein Umbrella Review aus dem Jahr 2019 auf Basis von 13 Studien: Lediglich fĂŒr FolsĂ€ure zeigte sich eine schwache Assoziation mit einem niedrigeren Schlaganfallrisiko, wĂ€hrend die Kombination aus Calcium und Vitamin D möglicherweise mit einem leicht erhöhten Risiko einherging.

Gleichzeitig liefern spezifische Untersuchungen Anhaltspunkte fĂŒr Teilwirkungen. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2012 ermittelte bei Personen mit GefĂ€ĂŸerkrankungen durch B-Vitamine wie FolsĂ€ure, Vitamin B6 und Vitamin B12 eine Senkung des Schlaganfallrisikos um 12 Prozent.

Eine Netzwerk-Meta-Analyse aus dem Jahr 2015 identifizierte die Kombination von FolsĂ€ure und Vitamin B6 als effektivste Variante, wĂ€hrend FolsĂ€ure zusammen mit B12 schlechter als ein Placebo abschnitt. Eine weitere Meta-Analyse aus dem Jahr 2017, die 22 randomisierte Studien mit ĂŒber 82.000 Teilnehmern berĂŒcksichtigte, bezifferte die Risikosenkung durch FolsĂ€ure insgesamt auf 11 Prozent.

Regional zeigten sich deutliche Unterschiede: WĂ€hrend in Asien ein RĂŒckgang um 22 Prozent beobachtet wurde, gab es in Amerika keinen signifikanten Nutzen. Der grĂ¶ĂŸte Vorteil lag bei einer niedrigen Dosierung von maximal 0,8 Milligramm pro Tag.

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Die Rolle von Vitamin B6 und Homocystein

Biochemisch gilt der Homocystein-Stoffwechsel als entscheidender Faktor. Wie Fachleute darlegen, sind FolsĂ€ure, Vitamin B12 und Vitamin B6 essenziell fĂŒr diesen Prozess. Ein erhöhter Homocysteinspiegel gilt als Risikofaktor fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, da ein Mangel BlutgefĂ€ĂŸe schĂ€digen sowie EntzĂŒndungen und Gerinnsel begĂŒnstigen kann.

Am National Institute of Mental Health and Neurosciences (NIMHANS) im indischen Bengaluru untersuchten Forschende in einer im Fachjournal Clinica Chimica Acta veröffentlichten Arbeit 171 junge Erwachsene mit ischÀmischem Schlaganfall im Vergleich zu 249 gesunden Kontrollpersonen. Die Patienten wiesen einen Vitamin-B6-Median von 40,9 nmol/L auf, verglichen mit 65,6 nmol/L in der Kontrollgruppe.

Ein Mangel unter 30 nmol/L trat bei 12,3 Prozent der Betroffenen auf, gegenĂŒber 0,7 Prozent bei den Gesunden. Niedrige Werte waren unabhĂ€ngig mit höheren Chancen auf einen ischĂ€mischen Schlaganfall assoziiert. Das Institut betonte jedoch, dass die Daten lediglich einen statistischen Zusammenhang abbilden und keinen Beweis liefern, dass NahrungsergĂ€nzungsmittel SchlaganfĂ€lle verhindern können.

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Eine Empfehlung fĂŒr routinemĂ€ĂŸige B6-Tests oder PrĂ€parate bei Jugendlichen existiert demnach nicht. Zudem könnten multiple MĂ€ngel bei Vitamin B12, Protein, Folat und Pyridoxin neben Alkoholkonsum zur regionalen HĂ€ufung zerebraler Venenthrombosen beitragen.

Fehlende Evidenz fĂŒr routinemĂ€ĂŸige Multivitamin-Gaben

Auch ein im Journal of Dietary Supplements veröffentlichter Scoping-Review, der 157 Publikationen analysierte, sieht keine starke Evidenz fĂŒr die PrĂ€vention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Multivitamine.

Zwar erhöhen MultivitaminprĂ€parate die Blutwerte von Folat, Vitamin B6 und Vitamin B12 am konsistentesten, ein belegbarer Gesamtnutzen fĂŒr die GefĂ€ĂŸgesundheit resultiert daraus jedoch nicht. Große Interventionsstudien wie PHS-II und COSMOS zeigten keinen prĂ€ventiven Gesamteffekt.

Zudem weist die Arbeit auf potenzielle Nebenwirkungen hin: Zink und Eisen verursachten teilweise Verdauungsstörungen, in PHS-II traten HautausschlĂ€ge und Nasenbluten hĂ€ufiger auf, und in COSMOS wurden vermehrt gastrointestinale Blutungen registriert. Vitamin K kann ĂŒberdies mit Antikoagulanzien interagieren.

Die Übersichtsarbeit entstand mit Finanzierung durch das Unternehmen Haleon und unter Beteiligung von Taylor C. Wallace, fĂŒr den ein Interessenkonflikt offengelegt wurde. Auch Institutionen wie das Office of Dietary Supplements der National Institutes of Health unterstĂŒtzen keine routinemĂ€ĂŸige Einnahme zur Herz-Kreislauf-PrĂ€vention.

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