BAM15: PrÀklinische Daten zeigen bessere InsulinsensitivitÀt ohne Muskelverlust
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 01:52 Uhr | Redaktion boerse-global.dePrÀklinische Untersuchungen liefern neue Hinweise darauf, wie gezielte Eingriffe in den mitochondrialen Energiestoffwechsel Stoffwechselerkrankungen lindern könnten.
Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses steht dabei die Substanz BAM15. In Tiermodellen verbessert dieser mitochondriale Entkoppler die InsulinsensitivitÀt und ist in der Lage, eine bestehende Insulinresistenz bei Diabetes umzukehren.
DarĂŒber hinaus bewirkt BAM15 eine Senkung der Lebertriglyceride und fĂŒhrt zu einer verbesserten Blutzuckerkontrolle, ohne dass dabei die fettfreie Muskelmasse abnimmt oder die Nahrungsaufnahme beeintrĂ€chtigt wird.
Wirkmechanismus der mitochondrialen Entkopplung
Der biochemische Effekt von BAM15 beruht auf der Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung ĂŒber den Protonengradienten an der inneren Mitochondrienmembran. Durch diesen Vorgang steigen sowohl der zellulĂ€re Energieverbrauch als auch die WĂ€rmeproduktion.
In prĂ€klinischen Versuchsreihen verringerte das MolekĂŒl das Körperfett der Versuchstiere, ohne die ausgeprĂ€gte ToxizitĂ€t hervorzurufen, die bei Ă€lteren Entkopplern wie 2,4-Dinitrophenol (DNP) bekannt ist.
Neben metabolischen Fragestellungen werden mitochondriale Entkoppler auch im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen erforscht. Eine Kooperation der Stanford University School of Medicine mit dem Second Hospital of Jilin University und Agilent Technologies unter Leitung von Jiangbin Ye zeigte, dass BAM15 und Niclosamid-Ethanolamin (NEN) in Pankreaskrebs- sowie dreifach negativen Brustkrebszellen (TNBC) den MSCP-Fluss und die De-novo-Purinsynthese drosseln. Gleichzeitig steigen der Sauerstoffverbrauch und das VerhÀltnis von NAD? zu NADH.
Das Studienteam aus Stanford wies nach, dass die Entkoppler posttranskriptionell die Enzyme SHMT2, MTHFD2 und MTHFD1L verringern, wÀhrend die mRNA-Werte unverÀndert blieben oder anstiegen. Zudem sanken die 2-HG-Konzentrationen, das FTO-Protein wurde reaktiviert und m?A-Modifikationen auf MSCP-Transkripten nahmen ab.
Bei MĂ€usen reduzierte eine DiĂ€t mit 2000 ppm NEN das Entstehen von Lungenmetastasen bei Brustkrebs signifikant. Daten belegen zudem, dass eine niedrige FTO-Expression bei Brustkrebspatientinnen mit einem kĂŒrzeren rezidivfreien Ăberleben einhergeht, wĂ€hrend SHMT2 in Metastasen hochreguliert ist.
WĂ€hrend das als Antiparasitikum zugelassene AusgangsprĂ€parat Niclosamid in der Onkologie nur begrenzt wirkt, gelten BAM15 und weitere Entkoppler neuer Generation als Gegenstand weiterfĂŒhrender Untersuchungen.
NAD+-Stoffwechsel und ergÀnzende WirkstoffansÀtze
ErgĂ€nzend zu Entkopplern existieren weitere experimentelle AnsĂ€tze zur Beeinflussung mitochondrialer Stoffwechselwege. Herstellerangaben zufolge sinken die zellulĂ€ren NAD+-Spiegel mit zunehmendem Alter, was mit FunktionseinbuĂen der Mitochondrien, DNA-SchĂ€den und verlangsamten Reparaturprozessen assoiiert ist.
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Das Enzym NAMPT steuert dabei als geschwindigkeitsbestimmender Schritt die Umwandlung von Nicotinamid in NMN. VorlÀufersubstanzen wie NMN und Nicotinamid-Ribosid (NR) stehen daher im Fokus von Versuchen zur Hebung des zellulÀren NAD+-Niveaus.
FĂŒr den Wirkstoff 5-Amino-1MQ wird laut Herstellerberichten eine selektive Hemmung des Enzyms NNMT beschrieben. Dies könne prĂ€klinischen Daten zufolge die NAD+-Konzentration erhöhen, die Lipogenese in Adipozyten dĂ€mpfen und das Protein SIRT1 aktivieren, wobei eine erhöhte NNMT-AktivitĂ€t mit NAD+-Defiziten bei Adipositas, Typ-2-Diabetes und Alterungsprozessen in Verbindung steht.
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Das Peptid MOTS-c wiederum aktiviert die Proteinkinase AMPK ĂŒber den FolsĂ€urezyklus und eine AnhĂ€ufung von AICAR, was die Glukoseaufnahme in der Muskulatur und die Insulinempfindlichkeit steigert.
FĂŒr Urolithin A, ein aus Ellagitanninen von GranatĂ€pfeln, NĂŒssen und Beeren gebildetes Postbiotikum, weisen Herstellerangaben auf eine Stimulation der Mitophagie hin; klinische Daten zeigten Verbesserungen bei Kraft und Ausdauer bei dauerhafter Anwendung.
Differenzierte Ergebnisse in Humanstudien
WĂ€hrend vorklinische Daten vielversprechende Stoffwechseleffekte zeigen, fĂ€llt das Bild in klinischen Studien differenziert aus. In einer Untersuchung der Washington University aus dem Jahr 2021 erhielten 25 Frauen nach den Wechseljahren mit PrĂ€diabetes und einem Durchschnittsalter von 62 Jahren ĂŒber zehn Wochen tĂ€glich 250 mg NMN.
Die Muskeln der Probandinnen nahmen bei einem Clamp-Test unter Insulineinfluss 25 % mehr Glukose auf, wĂ€hrend die Werte in der Placebogruppe unverĂ€ndert blieben. NĂŒchternblutzucker, HbA1c, Cholesterinspiegel, Bauch- und Leberfett sowie die Muskelkraft verĂ€nderten sich jedoch nicht, und auch der NAD+-Spiegel im Muskelgewebe stieg nicht an.
Eine Ăbersichtsarbeit aus dem Jahr 2025, die vier Studien auswertete, stellte eine vernachlĂ€ssigbare VerĂ€nderung des Gehtempos um -0,01 m/s fest und ermittelte keine Effekte auf Griffkraft oder Muskelmasse. In einer Analyse von 12 Studien mit 513 Teilnehmenden stieg zwar der NAD+-Spiegel an, Blutzucker- und Cholesterinwerte blieben jedoch weitgehend unberĂŒhrt.
Hinzu kommen erhebliche QualitĂ€tsunterschiede im Markt frei verkĂ€uflicher NahrungsergĂ€nzungsmittel: Ein Labortest der National University of Singapore aus dem Jahr 2024 an 18 kommerziellen NMN-Produkten zeigte, dass drei Erzeugnisse ĂŒberhaupt kein NMN enthielten und lediglich sieben Proben innerhalb einer Abweichung von 10 % zur angegebenen Dosierung lagen.
