Banking-Trojaner SpyNote und WindRelay: Neue Angriffswelle auf Android
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 19:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsexperten von Group-IB warnen vor einer neuartigen Angriffswelle auf Android-Smartphones, bei der eine gefährliche Kombination aus zwei verschiedenen Schadprogrammen zum Einsatz kommt.
Die Kampagne nutzt die Trojaner SpyNote und WindRelay, um die vollständige Kontrolle über mobile Endgeräte zu erlangen und sensible Finanzdaten abzugreifen. Dabei gehen die Akteure mit einer hohen psychologischen Präzision vor, um gezielt Bankkunden zu betrügen.
Kombination aus Fernsteuerung und NFC-Diebstahl
Die aktuelle Malware-Kampagne zeichnet sich durch ein zweistufiges Verfahren aus. Zunächst nehmen die Angreifer Kontakt mit ihren Opfern auf, wobei sie sich am Telefon oder per SMS als Mitarbeiter einer Bank ausgeben. Durch gezielte Täuschung werden die Nutzer dazu bewegt, eine speziell auf ihren Namen personalisierte Installationsdatei (APK) außerhalb des offiziellen Google Play Stores zu installieren.
Sobald die Schadsoftware aktiv ist, übernimmt die Komponente SpyNote die Fernsteuerung des Geräts. Die zweite Komponente, WindRelay, ist darauf spezialisiert, NFC-Daten von physischen Bankkarten auszulesen. Die Opfer werden im Verlauf des Betrugsmanövers dazu aufgefordert, ihre Bankkarte direkt an das Smartphone zu halten.
Die so erbeuteten Kartendaten werden unmittelbar an die Angreifer übertragen. Laut Group-IB ermöglicht dieses Vorgehen den Tätern nicht nur unbefugte Transaktionen, sondern sogar die Aufnahme von Krediten im Namen der Betroffenen.
Als wesentliche Schutzmaßnahmen empfehlen die Experten, unter keinen Umständen APK-Dateien aus unbekannten Quellen zu beziehen und keine NFC-Scans auf Aufforderung Dritter durchzuführen. Zudem sollten niemals Einmalpasswörter (OTP) oder PIN-Codes preisgegeben werden.
Warnungen vor weiteren Betrugsmaschen im Finanzsektor
Parallel zu der technologisch komplexen Malware-Welle verzeichnen Verbraucherschützer eine Zunahme klassischer Phishing-Versuche. Das Verbraucherschutzforum warnt aktuell vor gefälschten E-Mails im Namen der Volksbank.
Unter dem Betreff „Sicherheitsaktualisierung für Ihr Online-Banking“ wird den Empfängern eine Frist bis zum 18.08.2026 gesetzt, um eine vermeintliche Aktualisierung vorzunehmen.
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Die betrügerischen Nachrichten stammen von einer kartenfremden Adresse und verweisen auf externe Cloud-Speicher. Experten raten dazu, keine Daten auf solchen Seiten einzugeben und im Verdachtsfall unmittelbar die Bank zu kontaktieren.
Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat eine Warnung herausgegeben. Diese betrifft gezielten Telefonbetrug gegen Kunden des Neobrokers Trade Republic. Die Täter nutzen Berliner und Stuttgarter Rufnummern, um Opfer zur Preisgabe von Verifizierungscodes zu bewegen, die mit dem Kürzel „TR“ gekennzeichnet sind.
Dass solche Methoden ein Massenphänomen darstellen, belegen Zahlen der Bundesnetzagentur: Im vergangenen Jahr gingen dort rund 85.000 Beschwerden ein, was zur Abschaltung von etwa 6.200 Rufnummern führte.
Effizienzsteigerung durch KI-personalisierte Angriffe
Die zunehmende Professionalisierung der Angreifer wird durch eine aktuelle Studie der TU Berlin, des Inria-Instituts und der Ruhr-Universität Bochum (RUB) untermauert. Die Untersuchung aus dem August 2026 zeigt, dass durch Künstliche Intelligenz (KI) personalisierte Phishing-Mails eine deutlich höhere Erfolgsquote erzielen.
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Während generische KI-Mails eine Klickrate von 3,7 Prozent aufweisen, erreichen personalisierte Varianten 10,0 Prozent. Zum Vergleich: Manuelle Standard-Mails liegen bei 4,1 Prozent.
Die Kosten für die Angreifer bleiben dabei minimal. Eine KI-generierte Mail schlägt mit etwa 3 Cent zu Buche. In der Studie wurde ein Budget von 150 US-Dollar für die Ansprache von 3.310 Empfängern genutzt. Besonders besorgniserregend ist die geringe Erkennungsrate durch technische Schutzsysteme: Von 3.949 versendeten Mails wurde lediglich eine einzige vom Spamfilter identifiziert.
Um derartigen Bedrohungen entgegenzuwirken, plant Google die Einführung restriktiverer Sicherheitsregeln für das sogenannte Sideloading, also die Installation von Apps abseits des offiziellen Stores. Das neue Verfahren sieht unter anderem einen obligatorischen Geräteneustart, eine 24-stündige Wartezeit sowie eine Anti-Zwang-Bestätigung vor.
Die Durchsetzung dieser Maßnahmen soll Ende September 2026 zunächst in ausgewählten Märkten in Südostasien und Brasilien beginnen, bevor im Jahr 2027 der globale Rollout erfolgt.
