Bargeldlos: 55 Prozent aller Einkäufe digital bezahlt
21.06.2026 - 05:30:44 | boerse-global.de
Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik werden mehr als die Hälfte aller täglichen Einkäufe bargeldlos bezahlt.
Das geht aus einer aktuellen Studie der Deutschen Bundesbank vom Juni 2026 hervor. Demnach entfielen im vergangenen Jahr 55 Prozent aller Transaktionen im Einzelhandel auf digitale und kartenbasierte Zahlungen. Der Bargeldanteil sank dagegen von 51 Prozent im Jahr 2023 auf nur noch 45 Prozent.
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Mobile Bezahldienste auf dem Vormarsch
Der Trend hat einen klaren Treiber: Mobile Payment-Dienste gewinnen rasant an Bedeutung. PayPal verzeichnet in Deutschland mittlerweile 7,6 Millionen registrierte Nutzer – Stand Februar 2026. Besonders die kontaktlosen Bezahlfunktionen des US-Dienstes erfreuen sich wachsender Beliebtheit, seit sie im Mai 2025 auf dem deutschen Markt eingeführt wurden.
Was steckt hinter diesem Boom? Die Antwort liefert die europäische Regulierung.
EU-Recht öffnet den Markt
Die Expansion von PayPal wurde durch den Digital Markets Act (DMA) der Europäischen Union ermöglicht. Das Gesetz zwang Apple, seine NFC-Schnittstelle für Drittanbieter zu öffnen. Zuvor hatte der iPhone-Hersteller den Zugriff auf den Nahfunk-Chip exklusiv seinem eigenen Dienst Apple Pay vorbehalten. Nun können auch andere Anbieter wie PayPal die „Tap-to-Pay"-Funktion nutzen.
Der norwegische Zahlungsdienstleister Vipps war im Dezember 2024 der erste Drittanbieter, der die geöffnete NFC-Schnittstelle in der EU nutzte. In den USA hatte Apple bereits im August 2024 den NFC-Zugang für In-App-Zahlungen freigegeben.
So funktioniert die Bezahlung per iPhone
Deutsche iPhone-Nutzer müssen PayPal über die App konfigurieren, um kontaktlos an der Kasse zu zahlen. Dazu wählen sie ein bevorzugtes Bankkonto aus und legen PayPal als Standard-App für „Zahlungen & Kontaktlos" in den iOS-Systemeinstellungen fest.
Ein Haken bleibt: Das Standard-PayPal-Konto lässt sich nicht direkt in die native Apple Wallet für NFC-Zahlungen integrieren. Wer eine nahtlosere Erfahrung wünscht, kann eine PayPal Business Debit Mastercard zur Wallet hinzufügen. Die kontaktlose Funktion ist zudem auf das iPhone beschränkt – die Apple Watch wird von Drittanbietern derzeit nicht unterstützt.
Weniger Geldautomaten, mehr Digitalzahlung
Parallel zum Aufstieg der mobilen Bezahldienste schrumpft die physische Bankeninfrastruktur. Die Zahl der Geldautomaten in Deutschland sank von rund 57.000 im Jahr 2020 auf unter 50.000. Dennoch ist die Bevölkerung gespalten: Rund 80 Prozent der Befragten in der Bundesbank-Studie gaben an, dass Bargeld als Zahlungsmittel erhalten bleiben solle.
Während mobile Bezahldienste boomen, nutzen Kriminelle oft die Unwissenheit der Anwender über Sicherheitsfunktionen wie den Käuferschutz aus. Der kostenlose Spezialreport enthüllt fünf wichtige Tipps für den sicheren Umgang mit der App, die fast niemand kennt. Diese 5 PayPal-Tricks kennt fast niemand – Tipp 3 spart Nerven
Wettbewerb wird härter
Der Markt für digitale Zahlungen wird zunehmend umkämpft. Die europäische Bezahlinitiative Wero hat in Deutschland Berichten zufolge bereits acht Millionen Downloads erreicht. Europaweit zählt das Netzwerk 43,5 Millionen Nutzer, die bis zum Herbst 2025 ein Transaktionsvolumen von 7,5 Milliarden Euro abwickelten.
PayPal schlankt sich
In einem strategischen Schritt kündigte PayPal im Juni 2026 die Schließung seiner zehn Jahre alten Corporate-Venture-Einheit PayPal Ventures an. Die Investmentbank Jefferies soll den möglichen Verkauf der Beteiligungen an über 80 Firmen managen – darunter Anteile an Unternehmen wie Plaid und Anchorage Digital. Dieser Schritt ähnelt der Strategie der Commerzbank, die kürzlich ihre Einheit Neosfer schloss, um sich auf Künstliche Intelligenz zu konzentrieren.
Globaler Ausblick
Der Trend zur Öffnung des iOS-Ökosystems gewinnt weltweit an Fahrt. Am 18. Juni 2026 einigte sich Apple mit der brasilianischen Wettbewerbsbehörde CADE darauf, alternative App-Stores und Zahlungssysteme in dem südamerikanischen Markt zuzulassen. Entwickler in Brasilien zahlen künftig Provisionen zwischen zehn Prozent für kleinere und 21 Prozent für größere Anbieter – plus eine „Core Technology Commission" für Apps, die außerhalb des offiziellen App Stores vertrieben werden.
PayPal baut zudem seine internationalen Partnerschaften aus. Bereits Anfang 2026 öffnete der chinesische Technologiekonzern Tencent sein Zahlungsnetzwerk für PayPal-Nutzer. Ausländische Touristen in China können die Plattform nun für Transaktionen über WeChat Pay und Alipay nutzen.
