Bauchfett, BMI

Bauchfett schlĂ€gt BMI: Taillenumfang besser fĂŒr Herzrisiko

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine JACC-Analyse von 259.351 Personen zeigt: Taillenumfang und Taille-HĂŒft-VerhĂ€ltnis sagen kardiovaskulĂ€re Ereignisse prĂ€ziser voraus als der BMI.

Bauchfett statt BMI: Neue Studie fordert Umdenken bei Herzrisiko-Bewertung
Ein Arzt misst in einer modernen medizinischen Praxis den Taillenumfang eines Patienten mit einem Maßband. Illustration mit AI erstellt.

Die Bewertung der kardiovaskulĂ€ren Gesundheit stĂŒtzt sich in der medizinischen Praxis seit langem maßgeblich auf den Body-Mass-Index (BMI). Eine umfassende Analyse von 15 Kohortenstudien, die am 11. August 2026 im Journal of the American College of Cardiology (JACC) veröffentlicht wurde, legt nun eine wissenschaftliche Neubewertung nahe. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Messung des Bauchfetts – konkret durch den Taillenumfang und das Taille-HĂŒft-VerhĂ€ltnis (Waist-to-Hip Ratio, WHR) – den BMI bei der Bewertung des Risikos fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen ablösen sollte.

Datenbasis und methodischer Ansatz

Die Forschungsarbeit unter der Leitung von Zeina A. Dardari und Michael J. Blaha von der Johns Hopkins University wertete Daten von insgesamt 259.351 Teilnehmenden aus. Diese stammten aus 24 prospektiven Studien mit einem durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von 20 Jahren. Die statistische Belastbarkeit der Daten und die Dauer der Nachverfolgung untermauern die Erkenntnisse ĂŒber den Zusammenhang zwischen Fettverteilung und langfristiger Gesundheit.

Im Fokus der Analyse stand die Frage, inwieweit die Verteilung des Körperfetts RĂŒckschlĂŒsse auf kardiovaskulĂ€re Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern zulĂ€sst und wie sich diese Vorhersagekraft von der rein gewichtsbasierten Metrik des BMI unterscheidet.

Diskrepanz zwischen BMI und Fettverteilung

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die deutliche Diskrepanz zwischen dem BMI-Wert und der tatsĂ€chlichen abdominalen Fettverteilung. Den Daten zufolge wiesen selbst Personen mit einem laut BMI-Definition normalen Körpergewicht in 5 % der FĂ€lle einen hohen Taillenumfang auf. Bei 18 % dieser Gruppe wurde ein hohes Taille-HĂŒft-VerhĂ€ltnis festgestellt.

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In der Gruppe der als ĂŒbergewichtig eingestuften Personen verfĂŒgten 39 % ĂŒber einen hohen Taillenumfang und 40 % ĂŒber ein hohes Taille-HĂŒft-VerhĂ€ltnis. Umgekehrt zeigten die Ergebnisse bei Probanden mit klinisch diagnostizierter Adipositas, dass 9 % einen niedrigen Taillenumfang und 45 % ein niedriges WHR hatten. Diese Zahlen verdeutlichen laut den Studienautoren, dass der BMI allein die individuelle GefĂ€hrdung nur unzureichend abbildet, da er die Lokalisation des metabolisch aktiven Fettgewebes vernachlĂ€ssigt.

Massive Erhöhung der kardiovaskulÀren Risiken

Die Auswirkungen eines hohen Bauchfettanteils auf die Herzgesundheit werden in der Analyse als gravierend eingestuft. Ein hohes Maß an viszeralem Fett erhöhe das Risiko fĂŒr kardiovaskulĂ€re Ereignisse um 15-50 %. Die Risikosteigerung gilt konsistent fĂŒr Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz sowie Vorhofflimmern.

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Besonders deutlich zeigt sich die Gefahr bei der Kombination aus Adipositas und hohem Taillenumfang. In dieser spezifischen Patientengruppe wurde eine PrĂ€valenz von 49 % fĂŒr Herzinsuffizienz und 46 % fĂŒr Vorhofflimmern beobachtet. Zudem lag die Rate der TodesfĂ€lle infolge einer koronaren Herzkrankheit (KHK-Tod) bei 36 %.

Die Analyse von Dardari und Blaha legt nahe, dass klinische Leitlinien kĂŒnftig stĂ€rker auf die Messung der abdominalen Adipositas setzen sollten, um Patienten mit erhöhtem Risiko frĂŒhzeitiger und prĂ€ziser zu identifizieren. WĂ€hrend der BMI lediglich das VerhĂ€ltnis von Gesamtgewicht zu KörpergrĂ¶ĂŸe beschreibt, liefern Taillenumfang und WHR weitaus validere Hinweise auf die Gefahr lebensbedrohlicher Herzerkrankungen.

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