Bauchfett: Taillenumfang sagt Herzrisiko genauer voraus als BMI
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Diagnostik gewinnt die Verteilung von Körperfett gegenüber der reinen Gewichtsmessung zunehmend an Bedeutung. Wie Untersuchungen der Johns Hopkins University vom 12. August 2026 belegen, stellt der Taillenumfang einen wesentlich genaueren Prädiktor für das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar als der klassische Body-Mass-Index (BMI). Insbesondere bei Menschen, die laut BMI als normalgewichtig gelten, könne ein erhöhter Taillenumfang auf erhebliche Gesundheitsgefahren hinweisen.
Langzeitstudie belegt Risiken für Normalgewichtige
Die am Johns Hopkins Ciccarone Center durchgeführte Forschung, die am 12. August 2026 im Journal of the American College of Cardiology (JACC) veröffentlicht wurde, stützt sich auf eine breite Datenbasis von 259.388 Personen. Über einen Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 20 Jahren hinweg analysierten die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen verschiedenen Körpermaßen und der Herzgesundheit.
Dabei stellte sich heraus, dass der Taillenumfang (WC) und das Taille-Hüft-Verhältnis (WtHR) das kardiovaskuläre Risiko neu klassifizieren. Normalgewichtige Personen mit einem erhöhten Taillenumfang tragen laut der Studie ein um 15 bis 50 % höheres Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzinsuffizienz. Diese Gruppe werde durch eine alleinige Betrachtung des BMI oft fälschlicherweise als gesund eingestuft.
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Die Rolle des viszeralen Fetts
Die Daten der Johns Hopkins University zeigen, dass etwa 5 % der Personen mit normalem BMI einen erhöhten Taillenumfang aufweisen. Beim Taille-Hüft-Verhältnis liegt der Anteil der Betroffenen mit 18 % sogar noch deutlich höher. Umgekehrt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass adipöse Personen, die einen niedrigen Taillenumfang besitzen, kein erhöhtes Risiko für die untersuchten Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen.
Die zentrale Bedeutung des viszeralen Fettgewebes wurde zudem in einem Übersichtsartikel vom 10. August 2026 hervorgehoben. Darin wurde dargelegt, dass diese Fettansammlungen in der Bauchhöhle eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Atherosklerose und koronarer Herzkrankheit spielen. Experten fordern daher neue Ansätze in der Medizin, die eine differenziertere Betrachtung von präklinischer und klinischer Adipositas ermöglichen.
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Überprüfung bestehender Risikomodelle
Zusätzliche Analysen stützen den Befund, dass herkömmliche Messmethoden teilweise zu unpräzisen Einschätzungen führen. Eine Auswertung von 15 Kohortenstudien, die am 11. August 2026 durch Springer Medizin thematisiert wurde, kam zu dem Schluss, dass ein hoher BMI bei gleichzeitig schlanker Taille das tatsächliche kardiovaskuläre Risiko oft überschätzt.
Diese Untersuchung, die überwiegend Daten von Frauen berücksichtigte, bestätigte ebenfalls, dass ein normaler BMI in Kombination mit viel Bauchfett das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse massiv steigere. In der medizinischen Fachwelt wird daher verstärkt diskutiert, Maße wie den Taillenumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis standardmäßig in die präventive Risikobewertung zu integrieren, um Patienten mit viszeraler Fettverteilung frühzeitig identifizieren und behandeln zu können.
