Bauernhof-Effekt, Bakterien

Bauernhof-Effekt: Neun Bakterien senken Asthma-Risiko um zwei Drittel

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue LMU-Studie identifiziert neun Kuhstall-Bakterien, die das Asthma-Risiko um zwei Drittel senken und den Bauernhof-Effekt erklären.

LMU-Studie: Kuhstall-Bakterien senken Asthma-Risiko bei Kindern deutlich
Ein Kind steht in einem sonnendurchfluteten traditionellen Bauernhofstall mit Stroh auf dem Boden. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seit Langem ist in der Medizin das Phänomen bekannt, dass Kinder, die auf traditionellen Bauernhöfen aufwachsen, seltener an Allergien erkranken. Eine im August 2026 im Fachjournal NEJM Evidence veröffentlichte Untersuchung der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und des Helmholtz Zentrums München liefert nun detaillierte Einblicke in die biologischen Grundlagen dieses sogenannten Bauernhof-Effekts. Demnach spielen spezifische Bakterien aus dem Verdauungstrakt von Nutztieren eine entscheidende Rolle beim Schutz vor allergischem Asthma.

Identifikation der schützenden Mikroorganismen

Unter der Leitung von Markus Ege von der LMU München konnte das Forschungsteam erstmals jene Bakterien identifizieren, die für die gesundheitsfördernde Wirkung verantwortlich sind. Es handelt sich dabei um neun Arten gram-positiver, anaerober Bakterien, die ursprünglich aus dem Darm von Kühen stammen. In den untersuchten Kuhställen wurden insbesondere die Arten Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis nachgewiesen.

Diese Mikroorganismen gelangen aus der Stallumgebung in die Atemwege der Kinder und beeinflussen dort die Immunantwort. Die Forscher stellten fest, dass der Kontakt mit diesen Bakterien das Risiko für die Entwicklung von chronischen Atemwegserkrankungen massiv senkt. Während der Bauernhof-Effekt in der Wissenschaft bereits seit Jahrzehnten diskutiert wird, ermöglicht diese präzise Bestimmung der Bakterienstämme nun einen tieferen Einblick in die mikrobiologische Barrierefunktion.

Datengrundlage und statistische Relevanz

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Die Analyse stützt sich auf eine umfangreiche Datengrundlage von über 1.000 Kindern, deren Gesundheitsdaten bereits in den Jahren 2006 und 2007 erhoben wurden. Unter den Probanden befanden sich 47 Kinder, die direkt auf einem Bauernhof lebten. Der Vergleich der verschiedenen Lebensumgebungen unterstreicht die Wirksamkeit der mikrobiellen Exposition: Bauernhofkinder leiden demnach nur halb so oft an Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis wie Kinder aus einem nicht-landwirtschaftlichen Umfeld.

Die aktuelle Auswertung zeigt zudem, dass die identifizierten Bakterien für einen signifikanten Anteil dieses Schutzes verantwortlich sind. Laut der Studie entfallen etwa zwei Drittel des Schutzeffekts bei Asthma sowie die Hälfte der Schutzwirkung gegen Heuschnupfen und Neurodermitis auf die Präsenz dieser spezifischen Mikroorganismen. Damit wurde belegt, dass nicht die Landwirtschaft als Ganzes, sondern die gezielte Interaktion mit bestimmten Bakterienclades den entscheidenden gesundheitlichen Vorteil bringt.

Biologische Wirkmechanismen und therapeutisches Potenzial

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Die Forschungsgruppe konnte zudem den biochemischen Pfad entschlüsseln, über den die Bakterien das Immunsystem beeinflussen. Die Mikroorganismen aus dem Kuhmagen-Darm-Trakt produzieren verschiedene Stoffwechselprodukte, darunter Kynurenin, Xanthin sowie ?-Linolensäure und Stearidonsäure. Diese Metaboliten aktivieren spezifische Immunrezeptoren auf den Zellen der Atemwege, namentlich den Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor und den PPAR-?. Durch diese Aktivierung wird die Entzündungsanfälligkeit der Atemwege reduziert.

Obwohl die Genetik der Kinder die Wirkung der Bakterien individuell beeinflussen kann, liefert die Studie eine Grundlage für neue präventive Ansätze. Das erklärte Ziel der Forschung ist die Entwicklung eines Medikaments, das die schützenden Mechanismen des Bauernhof-Effekts imitiert. Eine solche Therapie könnte zukünftig dazu eingesetzt werden, auch Stadtkinder, die keinen natürlichen Kontakt zu diesen Stallbakterien haben, vor der Entwicklung von Allergien und Asthma zu schützen.

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