Drogen, Opioide

Wohl mehr Drogentote durch bestimmte Opioide als bekannt

09.02.2026 - 01:02:04 | dpa.de

Bei synthetischen Opioiden wie Fentanyl oder Nitazenen liegt die wirksame Dosis oft nah an der tödlichen. Zum Opfer werden vielfach sehr junge Menschen. Die Todeszahl wird wohl stark unterschÀtzt.

  • Bei synthetischen Opioiden liegt die wirksame Dosis oft extrem nah an der tödlichen. - Foto: -/Bundeskriminalamt/dpa
    Bei synthetischen Opioiden liegt die wirksame Dosis oft extrem nah an der tödlichen. - Foto: -/Bundeskriminalamt/dpa
  • Viele Todesopfer sind sehr jung. - Foto: Sophia Kembowski/dpa
    Viele Todesopfer sind sehr jung. - Foto: Sophia Kembowski/dpa
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Auch in Deutschland gab es mehrfach nachweislich mit dem Konsum sogenannter Nitazene verbundene TodesfĂ€lle - britischen Daten zufolge dĂŒrfte die Zahl dieser Drogentoten bisher stark unterschĂ€tzt werden. Es gebe womöglich etwa ein Drittel mehr TodesfĂ€lle durch Nitazene als bisher angenommen, berichtet ein Forschungsteam im Fachjournal «Clinical Toxicology». Die Substanzen wĂŒrden in nach dem Tod genommenen Blutproben rasch abgebaut - und in den Analysen zum Feststellen der Todesursache darum oft nicht mehr gefunden.

Nitazene sind eine Gruppe synthetischer Opioide, deren Wirksamkeit bis zu 500-mal so hoch sein kann wie die von Heroin, wie die Experten um Caroline Copeland vom King's College London erlĂ€utern. Die leicht und billig herstellbaren Substanzen wurden demnach ursprĂŒnglich fĂŒr die Verwendung als Schmerzmittel synthetisiert, ihre Entwicklung wurde jedoch aufgrund der extremen Wirksamkeit eingestellt.

Als Vape, Pille, Pappe 

Der Deutschen Beobachtungsstelle fĂŒr Drogen und Drogensucht (DBDD) zufolge werden Nitazene per Vape, Pille, Pappe oder in weiteren Formen konsumiert. Typische Anzeichen einer Überdosis sind Bewusstlosigkeit, KrampfanfĂ€lle und starke Sedierung, gefolgt von Atemstillstand. Die wirksame Dosis sei bei den Substanzen nicht weit entfernt von der tödlichen Dosis.

Die Forschenden um Copeland stellten den typischen Ablauf von Probennahme und -analyse nach solchen TodesfĂ€llen in Tierversuchen nach. In der Regel dauere es in Großbritannien etwa einen Monat, bis Blutproben von Toxikologen analysiert werden können. Zu diesem Analysezeitpunkt sei nur noch 14 Prozent des zum Zeitpunkt der Überdosierung existierenden Nitazens vorhanden. Aus Modellierungen schloss das Team, dass die Zahl tatsĂ€chlicher TodesfĂ€lle mutmaßlich um etwa ein Drittel höher liegt als bisher erfasst.

«Wenn wir ein Problem nicht richtig messen, können wir keine geeigneten Maßnahmen entwickeln – und die unvermeidliche Folge ist, dass vermeidbare TodesfĂ€lle weiterhin auftreten werden», sagte Copeland. Typische Abbauprodukte von Nitazenen zu finden und Nachweisverfahren dafĂŒr zu entwickeln, könne kĂŒnftig zu besseren Daten fĂŒhren.

Bei weitem nicht in jedem Fall gibt es ein toxikologisches Gutachten 

In Deutschland werde die genaue Ursache bei DrogentodesfĂ€llen ohnehin nur im Einzelfall bestimmt, hieß es von der DBDD. «Im Jahr 2024 wurden nur in 40 Prozent aller DrogentodesfĂ€lle toxikologische Gutachten erstellt.» Die tatsĂ€chliche TodesursĂ€chlichkeit einzelner Substanzen könne nur geschĂ€tzt werden. Zu bedenken sei dabei, dass in etwa 80 Prozent der FĂ€lle mehr als eine Substanz konsumiert wurde und es oft gar nicht möglich sei, zu benennen, welche davon die tödlich wirkende war.

Der EU-Drogenagentur EUDA zufolge waren unter den 2024 EU-weit knapp 50 neu gemeldeten Substanzen etwa die HĂ€lfte Nitazene. Ihre PrĂ€senz auf dem Drogenmarkt habe in den letzten sieben Jahren stark zugenommen, international habe es dazu zahlreiche Warnmeldungen von Behörden gegeben, hieß es vom King's College. In den Jahren 2023 und 2024 waren Nitazene der DBDD zufolge innerhalb der synthetischen Opioide marktbestimmend.

Konsumenten sind oft sehr junge Menschen

Laut einem Bericht des Instituts fĂŒr Therapieforschung in MĂŒnchen konsumieren vor allem junge, an Drogenexperimenten interessierte Menschen die Substanzen. Von den in Deutschland erfassten TodesfĂ€llen waren unter anderem ein 19-JĂ€hriger in Hessen und ein 17-JĂ€hriger in Bayern betroffen.

Die britische National Crime Agency (NCA) erfasste im Jahr 2024 mehr als 330 TodesfĂ€lle im Zusammenhang mit Nitazenen, wie das King's College mitteilte. Oft seien sehr junge Menschen betroffen. FĂŒr Deutschland sei fĂŒr 2024 allgemein ein Anstieg der Beteiligung synthetischer Opioide an den gemeldeten DrogentodesfĂ€llen erfasst, hieß es von der Beobachtungsstelle DBDD. Die Bilanz der DrogentodesfĂ€lle fĂŒr 2025 liege noch nicht vollstĂ€ndig vor. 2024 starben demnach 32 Menschen nachweislich im Zusammenhang mit dem Konsum synthetischer Opioide, in 9 dieser FĂ€lle wurden Nitazene gemeldet.

Es kommen stetig neue Substanzen

Weil nur teilweise toxikologische Gutachten durchgefĂŒhrt werden und Stoffe wie Nitazene schwer nachzuweisen sind, gehen die DBDD-Experten von einer grĂ¶ĂŸeren Dunkelziffer nicht erfasster TodesfĂ€lle aus. Sie betonen zudem, dass neben weiteren Nitazenen stetig zahlreiche andere Substanzen neu auf den Markt kĂ€men, 2025 zum Beispiel neue Orphine wie Cychlorphin, eine Untergruppe der Opioide.

«Eine der Gefahren an neuen synthetischen Opioiden ist, dass sie zum Beispiel in gefĂ€lschten Medikamenten enthalten sind, die tĂ€uschend echt aussehen», hieß es. WĂŒrden sie unabsichtlich von Menschen ohne bestehende Opioidtoleranz konsumiert, sei die Gefahr einer Überdosierung noch einmal höher.

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