Deutschlands, Schulleitungen

Deutschlands Schulleitungen sehen sich als visionĂ€re Reformer - 60 Prozent sind sogar bereit, rechtliche Vorgaben dafĂŒr zu umgehen

06.03.2025 - 12:28:09

Berlin - Zwischen Vision und Rebellion: Cornelsen Schulleitungsstudie 2025

Die dritte Cornelsen Schulleitungsstudie zeigt: Deutschlands Schulleitungen treiben Reformen voran - und das zum Teil bis an die rechtlichen Grenzen. Mehr als 2.000 Schulleiterinnen und Schulleiter haben an der reprĂ€sentativen Befragung teilgenommen, die das FiBS Forschungsinstitut fĂŒr Bildungs- und Sozialökonomie zusammen mit dem Bildungsforscher Prof. Dr. Klaus Hurrelmann herausgegeben hat. "Die Schulleitungen sehen sich als Akteure des Wandels. Wenn es nach ihnen ginge, wĂ€re Deutschland schon sehr viel weiter bei der Transformation des Schulsystems hin zu mehr Autonomie, Gerechtigkeit und Zukunftsorientierung", so Hurrelmann. Unter Schulleitungen macht sogar das Wort von der "Exzellenz durch Regelbruch" die Runde. Hurrelmann fĂŒhrt dazu aus: "Sie sind Rebellinnen und Rebellen und nehmen sich die Freiheit, mehr SelbstĂ€ndigkeit fĂŒr ihre Schulen zu erkĂ€mpfen." Studienleiterin Dr. Sarah Fichtner ergĂ€nzt: "Die tĂ€gliche Belastung fĂŒr Schulleitungen ist enorm. Dennoch bleiben sie lösungsorientiert und blicken zuversichtlich in die Zukunft."

Schulen im Stress

Diverse Belastungen setzen Schulleitungen und Schulen unter Stress. Der Personalmangel bleibt der grĂ¶ĂŸte Stressfaktor fĂŒr Schulen - an jeder zweiten fehlen LehrkrĂ€fte. Ohne Quereinsteiger:innen und Studierende wĂ€re der Schulalltag kaum zu stemmen. Erstmals liegt die Gesundheit von LehrkrĂ€ften und SchĂŒler:innen mit 48 Prozent auf Platz zwei der dringlichsten Schulleitungsthemen. 2023 nannten gerade einmal 24 Prozent die Gesundheit als dringliches Thema. Zudem erschweren gesellschaftliche Spannungen, etwa zunehmender Rechtsextremismus, eine demokratische Schulgestaltung.

Perspektiven fĂŒr mehr Bildungsgerechtigkeit

Die große Mehrheit der Befragten hĂ€lt das deutsche Schulsystem fĂŒr ungerecht. 84 Prozent sagen, es lĂ€sst Menschen zurĂŒck. Doch die Befragten sehen Lösungen: 75 Prozent setzen auf das Startchancenprogramm, 73 Prozent empfehlen eine spĂ€tere Schulform-Differenzierung. 78 Prozent sehen gebundene Ganztagsschulen als Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Und knapp acht von zehn fordern, stĂ€rker auf die HeterogenitĂ€t der SchĂŒler:innen einzugehen, um den Lernerfolg zu steigern.

Digital zu mehr Lernerfolg

Gute Nachrichten gibt es zum Thema DigitalitĂ€t. Denn drei von vier Befragten sind mit der digitalen Infrastruktur ihrer Schulen zufrieden. Anders als in den Schulleitungsstudien zuvor (2022 und 2023) gehört die digitale Ausstattung nicht mehr zu den fĂŒnf dringlichsten Schulleitungsthemen. Mit 90 Prozent stimmen fast alle Befragten der Aussage zu, dass die Digitalisierung individualisierte Lernprozesse unterstĂŒtzt und damit enorme Potenziale fĂŒr mehr Lernerfolg birgt. KI wird fĂŒr Schulleitungen in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren ein zentrales Thema werden. Besonders bei Lernerfahrungen (60 Prozent) und PrĂŒfungen (55 Prozent) erwarten sie große VerĂ€nderungen durch KI.

SchlĂŒsselkompetenzen stĂ€rken

Schule soll SchĂŒler:innen auf die Anforderungen im Leben vorbereiten - auch auf die Anforderungen der Berufswelt. Hier sehen viele Schulleitungen noch Entwicklungsbedarf, vor allem bei der Förderung ĂŒberfachlicher SchlĂŒsselkompetenzen (80 Prozent) und der stĂ€rkeren Thematisierung aktueller Berufsanforderungen (72 Prozent). 79 Prozent sind der Meinung, die Berufsorientierung muss noch stĂ€rker in der Praxis erfolgen.

Berufliche Schulen als "Hidden Champions"?

In der Schulleitungsstudie 2025 wurden erstmals auch berufliche Schulen befragt - mit spannenden Ergebnissen. Ihre Schulleitungen gehen pragmatischer mit Personalmangel um, insbesondere was die Einbindung von Quer- und Seiteneinsteigenden angeht. Denn 84 Prozent empfinden deren praktische Berufserfahrungen als Bereicherung fĂŒr den Unterricht (allgemeinbildende Schulen: 62 Prozent). Sie sind zudem offener fĂŒr die Digitalisierung und fĂŒr das Thema KI. 43 Prozent wĂŒnschen sich eine stĂ€rkere inhaltliche BeschĂ€ftigung mit KI, bei den allgemeinbildenden Schulen liegt dieser Wert bei 21 Prozent. Damit erweisen sich berufliche Schulen in wichtigen Themen als Champions, genauer gesagt als "Hidden Champions". Denn 96 Prozent ihrer Schulleitungen bemĂ€ngeln, dass ihre Arbeit im Vergleich zu den allgemeinbildenden Schulen zu wenig öffentliche Wahrnehmung bekommt.

Die Studie

Die vorliegende Cornelsen Schulleitungsstudie 2025 ist bereits die dritte Studie ihrer Reihe. Sie umfasste eine Online-Befragung sowie qualitative Interviews. Insgesamt wurden online 2.405 Schulleitungen befragt, davon 2.063 Schulleitungen, die reprĂ€sentativ die allgemeinbildenden Schulen abbilden, sowie 342 Schulleitungen beruflicher Schulen. ZusĂ€tzlich wurden 24 qualitative Interviews durchgefĂŒhrt.

"Gerade in den qualitativen Interviews wird deutlich, dass es vielen Schulleiterinnen und Schulleitern ein echtes Anliegen ist, zu drĂ€ngen, zu treiben und ihre Visionen von der Schule der Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen. Wir tĂ€ten gut daran, Menschen mehr machen zu lassen und weniger zu regulieren", sagt Dr. Dieter Dohmen, Direktor des FiBS Forschungsinstituts fĂŒr Bildungs- und Sozialökonomie. Christine Hauck, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Didaktik und Content, fĂŒgt hinzu: "Die Studie zeigt zwei klare Trends: Schulen mĂŒssen immer mehr Themen bewĂ€ltigen, die weit ĂŒber das klassische UnterrichtsverstĂ€ndnis der letzten Jahrzehnte hinausgehen. DafĂŒr brauchen sie Ressourcen und multiprofessionelle Teams. Gleichzeitig wird digitale UnterstĂŒtzung immer wichtiger, um der Vielfalt an Schulen und der Vielfalt der SchĂŒler:innen gerecht zu werden und Lernförderung zu verbessern."

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